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Vollständige Version anzeigen : Zwei Mädels mit dem Auto durch Marokko



geklaute_strapunzel
08.09.2010, 19:24
Hallo,
ich überlege gerade mit einer Freundin im Frühjahr für ein paar Tage nach Marokko zu fahren. Wir haben beide schon etwas Backpacking-Erfahrung sind uns aber mit Marokko unsicher. Kann man einfach mit dem Auto durch´s Land fahren? Und wie sieht es mit Marrakech aus? Kann man sich da alleine bewegen? Ich hab mal gehört, dass es dort total chaotisch und unübersichtlich zugeht. Außerdem würden wir evtl. ganz gerne ein bisschen durch den Hohen Atlas wandern... Sollten wir da doch lieber auf ein Arrangement zurück greifen???

Bin für alle Tipps dankbar!

snapcase
12.09.2010, 11:52
hallo,

grundsätzlich geht es in der arabischen welt immer chaotischer zu als in deutschland.
ich für meinen teil war noch nicht in marokko, längere aufenthalte im atlas gebirge, gerade in entlegenen teilen sind wohl als nicht sichereinzustufen.
wo wart ihr denn schon alles backpacken?

grüße
snapcase

geklaute_strapunzel
13.09.2010, 14:29
Das ist schon klar, dass es in der arabischen Welt chaotischer zugeht. Ich bin schon alleine durch Istabul spaziert und hab mich auch auf den Souks in Syrien zurechtgefunden, aber Marrakech soll doch noch einmal eine andere Hausnummer sein, was ich so gehört habe.
Für das Trekking würden wir uns auf jeden Fall einer Gruppe anschließen, nur so für den Rest hab ich gedacht vielleicht einfach ins Auto steigen und selsbt erfahren....

Pertinax
25.09.2010, 18:18
Marokko dürfte kein Problem sein für euch - besonders, wenn ihr schon ein bisschen mit dem Rucksack unterwegs wart.

Zwischen einigen Städten fahren Züge - teilweise so modern wie deutsche Interregios (LED-Innenbeleuchtung...). Tickets gibt's problemlos am Bahnhof, zwischen den großen Städten fünf bis zehn Züge täglich. Parallel gibt es Überlandbusse, auch in Luxusversion für ausländische Touristen. Unterkünfte gibt es in rauen Mengen, Hostels bis Luxusklasse.

Marokko ist ein vielbesuchtes Reiseland, besonders Franzosen sind dort viel unterwegs, da französischsprachig. Durch die vielen Touristen ist aber auch englisch inzwischen weit verbreitet - besonders da, wo Touristen und damit ihr wohl so unterwegs sein werdet. Den Touristen wird weltoffen und sehr routiniert begegnet. Das bedeutet auch, dass eher peinliche Auswüchse (Amis in Hotpants) nicht ungewöhnlich sind. Auch alleinreisende Frauen trifft man oft. Wenn ihr euch also zu zweit "normal" gekleidet vernünftig verhaltet, dann gibt es keine Probleme. In Syrien geht es deutlich strenger zu als in Marokko. Ihr könnt euch im Vergleich zu Damaskus etwas luftiger kleiden, habt weniger Sprachprobleme und einen leichteren Umgang mit der Männerwelt.
Auto mieten ist auch unproblematisch, fahren ebenso. Es sind haufenweise Wohnmobile, vor allem aus Frankreich, unterwegs, dazu viele Mietwagen. Am einfachsten bucht man über einen Brooker wie Holiday-Cars oder ähnliches, dann landet man, was man auch direkt machen könnte, bei den großen Ketten wie Interrent, Sixt etc. Die Kosten sind allerdings ziemlich hoch, dafür ist der Sprit billig. Kosten könnt ihr ja im Internet recherchieren. Manche Straßen in den Bergen sind nur mit dem Geländewagen machbar, die sind aber unglaublich teuer.

Trecking-Touren in den Bergen kann man problemlos kurzfristig buchen, Kleingruppe im Hostel zusammengestellt kommt günstiger. Die üblichen Start- und Buch-Orte stehen im LP.

Das Marrakech-Problem kenne ich nicht. Souk ist übersichtlicher, kleiner und touristischer als z. B. Aleppo. Restaurants etc. komplett auf Touristen eingestellt. Täglich dutzende Touristenflieger aus ganz Europa. Nur die sonst in Marokko sehr ehrlichen Taxifahrer nerven mit Mondpreisen, die man erst runterhandeln muss. Die "großen" Taxis sind teuer, wenn man alleine fahren will. Die "Petits" (rote Kleinwagen) viel günstiger. Wer in Syrien war, muss nicht auf Nepp hereinfallen, sondern liest im LP nach, welcher Preis angemessen ist, und lacht den Taxifahrer aus, wenn er am Ziel behauptet, der ausgehandelte oder auf dem Taxameter angezeigte Preis gelte pro Person... Im dümmsten Fall wird man alle drei Tage einmal hereingelegt und zahlt ein paar Euro zu viel, dafür ist ja sonst alles recht günstig...

Fazit:
Nicht verrückt machen lassen, Marokko ist harmlos. Große Städte mit Zug und Bus, vielleicht in den Bergen oder Dades-Schlucht mit Mietwagen. Im Atlas vielleicht ein paar Tage wandern, bisschen Wüste mit Kamel. LP-Hinweise reichen aus. Problematisch ist höchstens die Grenzregion zur Westsahara ganz im Süden, aber da gibt es nicht viel zu sehen.

Wenn noch Fragen, dann nur zu... Bin jetzt wieder im Lande.

Eine Frage hab' ich auch noch - warum vermutet ihr Marokko im Nahen Osten?

geklaute_strapunzel
05.10.2010, 11:26
Hallo Pertinax,
danke für die umfangreiche Antwort. Klingt echt gut. So in etwas habe ich mir das vorgestellt. Ich denke auch, das wir das hinbekommen werden. Geht wahrscheinlich erst im Frühjahr los, aber wir wollen uns doch langsam mal so ein paar Gedanken machen!

Sorry, aber wo soll ich denn Marokko sonst plazieren? In Afrika? Da passt es meiner Meinung nach eigentlich nur geografisch dazu oder liege ich da falsch?

Ich komme gerne noch einmal auf dich zurück, wenn unser Plan etwas konkreter wird!

snapcase
09.10.2010, 08:03
wie verhält es sich eigentlich mit dem führerschein? ich wollte vor jahren in amman ein auto mieten. aber meine reisbegleitung war von der idee nicht zu überzeugen. wohl auch weil es gerade bei unfällen zu problemen mit dem führerschein kommen kann. fs kann eingezogen werden und wird nicht wieder ausgehändigt. ich weiß nicht wie sich das in marokko verhält?!

Pertinax
17.10.2010, 18:18
Von diesem Problem habe ich in Marokko noch nie gehört. Grundsätzlich kann es aber schon Schwierigkeiten mit Polizeikontrollen geben, die sich nicht ganz auf dem Boden von Recht und Gesetz bewegen, sondern auf eigene Rechnung versuchen, "Geldstrafen" einzusammeln. Der Führerschein könnte da natürlich ein Pfand sein.
Wenn man das Auto bei einer internationalen Verleiher bucht - vielleicht sogar mit einem Vertrag nach deutschem Recht - dann hat man in der Regel auch alle Versicherungen bereits abgeschlossen oder wird auf sie hingewiesen, die einem im Falle eines Unfalles den Rücken freihalten.
Und jetzt ganz pragmatisch: Auto kaputt, ich bin im Recht, alles andere ist geklärt - dann der Taxi weiter und Führerschein in Deutschland neu ausstellen lassen.
In Jordanien könnte es allerdings sein, dass man einen Internationalen Führerschein braucht. Dort bin ich aber immer Bus gefahren. In Marokko gilt der deutsche Führerschein.

InaAhoi!
04.01.2011, 14:09
Hallo! Bin im Frühling 2009 mit meinem Freund 2 Wochen durch Marokko gefahren, auf der "üblichen" Route: Marrakesh - Casablanca - Rabat - Meknes - Fes - Sahara - Atals - Marrakesh.
Autofahren ist wirklich kein Problem, nur teilweise hatten wir in den großen Städten, v.a. Casablanca ein KLEINES Orientiertungsproblem, da es keine ordentlichen Stadtpläne gibt (Achtung: die Pläne im LP sind teilweise total fehlerhaft!!). Wir haben das Auto also immer an einem öffentlichen Parkplatz abgestellt, und uns von einem der selbsternannten Stadtführer für ein paar Cent zu unserem Riad führen lassen.

Generell fand ich die Straßen recht ordentlich, es gibt ja auch eine Autobahn, auf der man schnell vorankommt. Die Straße von Fes über den Atlas in die Sahara war etwas holprig, aber da uns während der 8h Fahrt kein einziges Auto entgegen kam, konnten wir beide Spuren nutzen und so den Schlaglöchern gut ausweichen. Auch auf den Pisten in der Sahara hat sich unser Mietwagen (total Low Budget, ein Dacia!) gut gemacht.
Fazit: Auf den Landstraßen geht es wirklich schnell voran, gute Nerven braucht man lediglich in den Städten. Wegweiser und Straßenschilder sind eher spärlich zu finden!

In Marrakesh hat es mir z.B. viel besser gefallen als in Fes. Die Gassen sind viel breiter und sind v.a. nicht soo arg labyrinthisch wie in Fes (wo wir uns wirklich total verlaufen haben). Die Händler waren teilweise schon etwas penetrant, aber ein einfaches "non merci" hat immer gereicht. Auch wurden sie nie zudringlich, was aber auch daran liegen könnte, dass ich ja in männlicher Begleitung unterwegs war.

Ich würde Marokko jedem empfehlen, und auch sofort wieder hinfahren, wenn ich auch dann mehr Zeit im Süden (Sahara, Atlas...) verbringen würde.

Gute Reise!

cecily
09.01.2011, 13:06
marrakech ist wirklich recht touristisch. es kommt aber halt auch immer darauf an wo in der stadt man ist! ich war teilweise auch mit einheimischen unterwegs und da sieht man schon auch immer wieder neues und unbekanntes. am platz der gehängten sind die lokale alle auf touristen eingestellt - sieht man teilweise auch an den preisen! aufpassen dollte man auf leute die einen ansprechen und geschenke wie henna tattoos und co versprechen und danach geld fordern. ist aber generell im arabisch raum ein thema. die neustadt ist überhaupt sehr europäisch.

jk315a
16.02.2011, 15:32
Ich war im letzten Juni in Marrakech und Casablanca. Wir hatten zwar einen einheimischen Fahrer, aber selbst mit dem Auto auf den Landstraßen und Autobahnen zu fahren ist kein Problem. In den Städten sieht das allerdings etwas anders aus. Der Verkehr ist sehr chaotisch, Verkehrsregeln werden kaum befolgt. In Marrakech würde ich mit dem Auto nicht in den Medina Bereich fahren, da ist es im schlimmsten. Wir haben in der Medina in einem Riad gewohnt und falls wir selbst mit dem Wagen gekommen wären, hatte man uns schon vorher mitgeteilt, wo wir ihn etwas außerhalb abstellen konnten.
Eigentlich bin ich nicht so ängstlich aber selbst bei den Taxifahren habe ich einige Male aufgeschrien, als die Fahrer waghalsige Manöver machten (z. B. links einordnen und wenn die Ampel grün wird die mittlere und rechte Spur schneiden und nach rechts abbiegen...). Da heißt es: Ruhe bewahren. Wir haben in 10 Tagen tatsächlich nur einen Unfall gesehen.
In Marrakech kann man sich als Frau ziemlich frei bewegen. Wir waren zu sechst (2 Frauen und 4 Männer) und wir Mädels sind auch alleine durch die Medina gelaufen (wir mußen ja zur Anprobe zum Schneider / da kann man sich sehr günstig lustige Blusen schneidern lassen).
Casablanca ist etwas anders. Nicht so touristisch und tatsächlich afrikanischer. Einmal wurden wir von einem Mann vor Taschendieben gewarnt, die uns wohl nahegekommen waren. In Marrakech hatte ich nie so ein unsicheres Gefühl.
Auf jeden Fall wünsche ich Euch viel Spaß.

schublade
12.03.2011, 17:02
Interessant, daß Leute die Reise als gefährlich bezeichnen, die noch nie dort waren.

Wir waren mit dem eigenen (deutschen) Auto in Marokko und hatten auch keine Schwierigkeiten. An den südländischen Verkehr muß man sich halt gewöhnen, aber das geht schnell. Die Straßen sind größtenteils OK.

Mit der Polizei scheint fast jeder Selbstfahrer in Kontakt zu kommen, die Bußgelder wurden jüngst erheblich erhöht. Ich konnte mich aus der Sache herauswinden, indem ich mit den Polizisten möglichst kompliziertes Deutsch redete und doof glotzend im Auto sitzen blieb.
Bekannten wurde von der marokkanischen Polizei mit Beschlangnahmung des Führerscheins gedroht. Ein Internationaler FS ist ein gutes Zweitdokument, den der Polizist gern behalten darf (die wenigsten wissen, daß er nur mit dem nationalen zusammen gilt).

Marrakesch ist touristisch, aber man gut kommt allein klar, in Fes ist dagegen Verlaufen vorprogrammiert. Man kann sich vor Ort einen Führer buchen, der hält einem auch die (eigentlich nicht schlimmen) Händler vom Leib. Man sollte jedoch einen offiziellen nehmen, keinen von denen, die u.A. an den Eingängen der Altstädt stehen.

Wenn ihr im Rif-Gebirge unterwegs seid, könntet ihr auf sehr aufdringliche Drogenhändler treffen. Uns sind sie mit dem Auto hinterhergefahren, schienen mir aber nicht gefährlich zu sein.

Gegen Verfahren hilft ein GPS, Marokkokarten gibt es kostenlos im Internet ;)

DieClaudi
26.06.2011, 19:23
Kann man nach Marokko einreisen wenn man von einer früheren Reise einen israelischen Stempel im Reisepass hat? In Syrien z.B. ist das nicht möglich..?

geklaute_strapunzel
27.06.2011, 12:41
Also soweit ich das mal mit der Botschaft abgeklärt habe, ist es bei Marokko kein Problem einen israelischen Stempel im Pass zu haben. Aber wenn du dir unsicher bist frag doch auch mal da nach!

Pertinax
30.06.2011, 22:07
Das Israel-Problem gibt es nur in ganz wenigen Ländern. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht und stelle jetzt eben fest, dass ich genau dies getestet habe. Ich war mit dem Stempel drin. Vielleicht hatte ich nur Glück und habe einen faulen oder leseunkundigen Zollbeamten erwischt, aber das glaube ich nicht.
Syrien steht in einem latenten Konflikt mit seinem Nachbarn Israel und lebt nicht vom Tourismus. Marokko profitiert stark von den Gästen aus aller Welt und Israel ist weit weg.

geklaute_strapunzel
02.08.2011, 13:06
Hallo,
inzwischen haben sich unsere Pläne ganz schön oft geändert. Von Marokko sind wir erst auf Kairo gekommen. Jetzt wurde unser Flug dorthin gestrichen und deshalb sind wir inzwischen am Überlegen auf Tel Aviv umzubuchen.
Ist das im Moment empfehlenswert? Kann man in der Stadt was machen? Und wie lässt sich vielleicht ein Tagesausflug nach Jerusalem organisieren?
Danke schon mal für eure Antworten

Pertinax
02.08.2011, 14:11
Ja wunderbar, dann geht es ja doch noch in den Nahen Osten und nicht nach Afrika...
In Tel Aviv pulsiert das Leben, es ist sozusagen die Hauptstadt von Israel für alles, was Spaß macht. Israel ist übrigens ein Scheinriese - man hört so viel über das Land und alles, was dort geschieht; tatsächlich stellt man aber bald fest, dass Israel ein sehr kleines Land ist. Es sind von Tel Aviv etwa 80 km bis Jerusalem. Dorthin gibt es viele Linienbusse und auch Zugverbindungen, die etwa (oh je, Erinnerung) eineinhalb Stunden brauchten und pro Strecke vielleicht 5 Euro kosteten. Eine Nacht in Jerusalem ist aber auch nichts Falsches... und man kann auch im ganzen Land herumreisen...