Gambia

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Wie zahlreiche andere afrikanische Stämme, so haben auch die wichtigsten in Gambia beheimateten Bevölkerungsgruppen eine vielschichtige Gesellschaftsstruktur, in der der Status von Geburt an bestimmt ist. An der Spitze der Gesellschaft stehen die traditionsreichen Adels- und Kriegerfamilien, gefolgt von Bauern, Händlern und Mitgliedern bestimmter Kasten - Schmiede, Leder verarbeitende Handwerker, Holzarbeiter, Weber und griots. Die Griots (Musikanten) bilden die niedrigste aller Kasten, sind aber sehr hoch angesehen, weil sie dafür verantwortlich sind, die Traditionen des Landes mündlich weiterzutragen und in der Regel als Einzige in der Lage sind, die Geschichte einer Familie oder eines Dorfes zu überliefern. Sklaven stehen auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter. Zwar wurde die Sklaverei offiziell längst abgeschafft, doch arbeiten heute noch viele Nachfahren ehemaliger Sklaven als kleine Pachtbauern für die früheren Herren.

Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Gambias sind Muslime, auch wenn viele ihren islamischen Glauben mit traditionellen animistischen Elementen kombinieren. Häufig sieht man, dass Gambier einen kleinen Lederbeutel um Hals, Handgelenk oder Taille tragen, ein so genanntes gris-gris. Der Beutel enthält meist ein eingenähtes Amulett, das Schaden abwenden und Glück bringen soll. Besonders gläubige Muslime gehen auf Nummer sicher, in dem sie kleine Verse aus dem Koran darin aufbewahren.

Die Gambier legen großen Wert auf eine formale Begrüßung. Die Wolof und Mandingo begrüßen sich zum Beispiel mit einem Ritual, das eine halbe Minute lang dauern kann. Es beginnt mit den traditionellen islamischen Grußformeln Salem Aleikum und Aleikum Salam ("Friede sei mit Dir" und "Und Friede sei mit Dir"). Es folgen mehrere Fragen über das Wohlergehen der Familie, das Dorf, die Gesundheit usw. Die Antworten - die fast immer dahingehend lauten, dass alles in bester Ordnung ist, selbst wenn man an der Schwelle des Todes wandelt - werden meist mit der Formel Al Humdul'allah ("Gott sei Dank") abgeschlossen. In den größeren Städten werden anstelle der traditionellen Grußformeln bisweilen kürzere Versionen in französischer oder englischer Sprache ausgetauscht, doch ganz vergessen wird eine Begrüßung nie. Wer ein paar solcher Grußformeln in der Sprache der Gambier auf Lager hat, dem ist die Sympathie der Einheimischen gewiss.

Das Essen ist in Gambia im Allgemeinen von hoher Qualität. Das kleinste und einfachste Esslokal läuft unter der Bezeichnung Chop Shop und serviert in der Regel ein oder zwei verschiedene Reisgerichte mit Soße pro Tag. Gegrilltes und gebratenes Fleisch, meistens mit Zwiebeln und Gewürzen zubereitet, wird in Hütten mit der Bezeichnung afra angeboten. Zahlreiche Straßenverkäufer haben alles Mögliche im Angebot, vom Mayonnaise-Sandwich bis zu Schüsseln mit sow oder kossam (Joghurt) und latcheri (zerstoßene Hirse). Benachin ist ein Fischeintopf mit Gemüse und Reis. Bei plasas handelt es sich um Fleisch oder Fisch, in Palmöl mit Gemüse gebraten und mit foufou (Maniokbrei) serviert. Tee- und Kaffeestände sind in größeren Städten überall zu finden. Das gambische Bier heißt Jul Brew.

Die traditionsreichste künstlerische Ausdrucksform Gambias ist die Musik. Schon seit Jahrhunderten halten Musiker und griots (Preissänger) die Geschichten der Familien und Clans am Leben und vermitteln Völkern wie den Wolof und Mandingo so ihren ausgeprägten Sinn für Geschichte und Identität. Viele Griots lassen sich bei ihrem Gesang von der kora begleiten, einer Art Harfe. Den Mandingo sagt man besonders gute Fähigkeiten bei der Anfertigung dieser Instrumente nach.

Ähnlich wie in anderen Ländern der Sahelzone gründet sich auch Gambias literarische Tradition auf die Geschichten der Familien und epische Gedichte, die seit Jahrhunderten von Griots überliefert werden. In jüngerer Vergangenheit haben sich einige zeitgenössische Schriftsteller einen Namen gemacht, wenn es auch im Vergleich zu anderen westafrikanischen Nationen nicht sehr viele sind. William Conton ist der bekannteste gambische Romanschriftsteller. Sein zum Teil autobiografischer Klassiker The African aus den 60er Jahren wurde in großen Teilen Afrikas zu einem einflussreichen Bestseller. Lenrie Peters ist ein weiterer gambischer Autor mit einem ähnlichen Hintergrund wie Conton - die Eltern beider Schriftsteller stammen aus Sierra Leone. Sein bekanntester Roman ist The Second Round, doch noch größere Bekanntheit erlangte er durch seine Gedichte, die jemand einmal passenderweise mit "sezierend" beschrieb. Modernere Vertreter der gambischen Literaturszene sind Ebou Dibba, Autor von Chaff on the Wind, und Tijan Salleh, dessen wichtigste Gedichtsammlung den Titel Kora Land trägt.

Preisniveau

Mahlzeiten

  • Einfache Mahlzeit: 0,50-3 US-Dollar
  • Restaurant mittlerer Kategorie: 3-8 US-Dollar
  • Luxusrestaurant: ab 15 US-Dollar

Übernachtung

  • Einfache Unterkunft: 6-10 US-Dollar
  • Hotel mittlerer Kategorie: 10-20 US-Dollar
  • Luxushotel: ab 100 US-Dollar

Währung

Dalasi (D)


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