Marokko

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Im Gegensatz zu den meisten anderen nordafrikanischen Staaten waren die Berber die ersten und einzigen Ureinwohner Marokkos. Diese Imazighen ("Landmenschen") siedelten sich vor Tausenden von Jahren hier an und brachten im Laufe der Zeit die gesamte Region zwischen Marokko und Ägypten unter ihren Einfluss. Sie lebten in Familien- und Stammesverbänden und waren stets auf ihre Unabhängigkeit bedacht - diesem Unabhängigkeitsstreben ist es zu verdanken, dass eine der interessantesten Kulturen Afrikas bis heute erhalten geblieben ist.

Die frühen Berber ließen sich weder durch die Phönizier und deren Stützpunkte noch durch die Römer nach der Zerstörung Karthagos im Jahr 146 v.Chr. vertreiben. Gleichwohl übernahmen die Römer die Oberherrschaft und sorgten für eine lange Friedensperiode mit vielen Städtegründungen, in der die Berber aus den Küstenebenen zu Stadtbewohnern wurden. Im 3. Jahrhundert n.Chr. kam angesichts des Christentums das berberische Misstrauen gegenüber einer zentralen Autorität wieder zur Geltung und man folgte lieber Bischof Donatus dem Großen von Karthago (Anführer der kirchlichen Partei der Donatisten, die besondere Sittenreinheit und strenge Kirchenzucht forderten und den Anspruch der alleinig wahren Kirche erhoben).

Mit dem Eroberungsfeldzug der Araber betrat im 7. Jahrhundert der Islam die Weltbühne. Ägypten war schnell eingenommen und zu Beginn des 8. Jahrhunderts hatten die Araber bereits Nordafrika erreicht, das 100 Jahre später nurmehr aus einzelnen Königreichen bestand. Aus dem allgemeinen Chaos entsprang die Bewegung der strenggläubigen Berber, der Almoraviden, gegen die arabische Invasion, die von Marokko aus bis auf das spanische Andalusien übergegriffen hatte. Den Almoraviden gelang es, Marokko erstmalig unter eine einheitliche Herrschaft mit Marrakech als Hauptstadt zu stellen.

Als nächstes Geschlecht folgten die Almohaden, die eine effektive Verwaltung schufen; unter ihrer Ägide erlebten Fès, Marrakech, Tlemcen und Rabat eine Kulturblüte sondergleichen. Erstarkender Widerstand der Christen in Spanien und exzessive Steuereintreibung bei den berberischen Stämmen schwächten das almohadische Reich. Nutznießer waren die berberischen Mereniden aus dem marokkanischen Hinterland, die Marokko eine neue Hochphase bescherten - bis 1492 das spanische Granada an die Christen fiel. Aufstände im ganzen Land führten im Laufe der nächsten 100 Jahre zum Niedergang des Herrscherhauses.

Mehrere kurzlebige Dynastien kamen und gingen, bis in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts die Allaouiten ihre unumschränkte Machtposition festigen konnten, die bis heute Bestand hat. Diesem Herrscherhaus ist es trotz mancher Rückschläge gelungen, die marokkanische Unabhängigkeit über drei Jahrhunderte hinweg aufrecht zu erhalten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts traten die europäischen Handelsmächte auf den Plan und es begann die lange Ära der kolonialen Fremdbestimmung. Frankreich, Spanien und Deutschland zeigten auf Grund der strategischen Lage und der vielfältigen Handelsgüter Interesse an Marokko. Frankreich ging als Sieger hervor und nahm 1912 das gesamte Land in Besitz. Spanien fiel ein kleines Protektorat an der Küste zu und Tanger wurde zur internationalen Zone erklärt.

Der erste Generalgouverneur, Marschall Lyautey, respektierte im Allgemeinen die arabische Kultur. Er verzichtete darauf, die alten marokkanischen Städte zu zerstören und baute stattdessen in direkter Nachbarschaft die villes nouvelles ("Neustädte"). Lyautey wählte Rabat an der Atlantikküste zur neuen Hauptstadt und trieb die Entwicklung der Hafenstadt Casablanca voran. Formelles Staatsoberhaupt blieb weiterhin der Sultan. Die Nachfolger von Lyautey waren weniger feinfühlig. Ihre Bemühungen um eine forcierte französische Kolonisierung provozierten den Aufstand der Rifbewohner unter der Führung von Abd el Krim gegen Spanien und Frankreich. Nur mit vereinten Kräften gelang es den beiden Kolonialmächten und ihrem über 25 000 Mann starken Söldnerheer, den Widerstand Abd el Krims 1926 zu brechen. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hatten 200 000 Franzosen Marokko als ihre Wahlheimat erkoren. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Alliierten Marokko als Stützpunkt, von dem aus die Deutschen aus Afrika vertrieben wurden.

Nach Kriegsende hob Sultan Mohammed V. die Partei Istiqlal aus der Taufe, die bis 1956 für die marokkanische Unabhängigkeit focht. Tanger wurde zurückgefordert, doch Spanien hat sich (bis heute erfolgreich) geweigert, die Oberhoheit über die im Norden gelegenen Städte Ceuta und Melilla abzugeben.

Mohammed V. rief sich 1957 zum König aus; vier Jahre später folgte ihm sein Sohn Hassan II. Dieser populäre Führer sicherte sich seinen Platz in den Herzen und Köpfen seiner Untertanen, indem er den "Grünen Marsch" Richtung Westsahara initiierte und damit Ansprüche auf ehedem von Spanien besetzte Gebiete anmeldete. Mit einer Truppe aus 350 000 Freiwilligen hinderten Hassans Anhänger die dort lebenden Saharaouis daran, in den phosphatreichen Wüstengebieten einen unabhängigen eigenen Staat zu errichten. In den 60er Jahren ließ sich allerdings nicht mehr übersehen, dass die etwa 100 000 Bewohner des "Territoriums" auf Unabhängigkeit bestanden. Die Frente Popular de Liberación de Saguia al Hamra y Rio de Oro (Polisario), die sich als Vertretung der Saharaoui-Interessen versteht, rebellierte gegen die marokkanische Invasion und entfesselte einen langen und erbitterten Unabhängigkeitskrieg gegen Marokko. 1991 nahmen die beiden Parteien einen von den Vereinten Nationen ausgehandelten Waffenstillstand an, dem ein Referendum unter internationaler Kontrolle folgen soll. Mit anderen Worten: Der offizielle Status von Westsahara ist weiterhin unklar und Marokko lässt nach wie vor seine Muskeln spielen.

Während die Mehrheit der Marokkaner den Marsch in Richtung Grenzgebiete von Spanisch-Sahara gut hieß, waren Saharaouis wie Algerier entsetzt über diesen Schachzug, der einen weiteren Mosaikstein im traditionell schlechten Verhältnis Hassans zum krisengeschüttelten Nachbarland Algerien darstellte. Hassan war Zeit seines Lebens ein absoluter, an der Vergangenheit orientierter, autokratischer Herrscher. Mohammed VI., der nach Hassans Tod im Juli 1999 den Königsthron bestieg versprach, der Korruption den Kampf anzusagen und mehr Pressefreiheit zu gewähren. Einerseits wurden einige Hardliner der Regierung seines Vaters hingerichtet und Journalisten begnadigt, die dessen Politik in Frage gestellt hatten. Ein neues Pressegesetz erlaubt es jedoch seit 2002, den Vertrieb von Publikationen zu untersagen, die den Islam, die Monarchie, die Integrität des Staatsgebiets oder die öffentliche Ordnung angreifen. Sieben Zeitungen wurden geschlossen.

Der neue König hat die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu seinem wichtigsten Anliegen gemacht. Er führte die Politik seines Vaters im Hinblick auf die wirtschaftliche Liberalisierung und die Privatisierung der Staatsbetriebe fort. Die Wirtschaft ist in weitem Maße immer noch von der Landwirtschaft abhängig, die wiederum durch Dürren geschädigt wurde. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, bis zu 20% in den Städten, was Angst vor sozialen Unruhen auslöst.

Am innovativsten hat sich Mohammed VI. auf sozialem Gebiet gezeigt, und hier wiederum bei den Rechten der Frauen. Im Jahr 2002 heiratete der König Salma Bennani, eine Computeringenieurin - ein Ereignis, das die Akzeptanz einer moderneren Rolle der Frau zu symbolisieren schien. Im Jahre 2004 erließ die Regierung neue Regelungen zum Familienrecht, um die Rechte von Frauen und Kindern zu stärken und die 'Würde des Mannes zu sichern'. Durch die neue Gesetzgebung erhalten Frauen ungekannte Rechte sowie Schutz in Sachen Heirat, Scheidung und Sorgerecht für Kinder.

Preisniveau

Mahlzeiten

  • Einfache Mahlzeit: 25-45 DH
  • Restaurant mittlerer Kategorie: 45-100 DH
  • Luxusrestaurant: ab 550 DH

Übernachtung

  • Billigunterkunft: 30-130 DH
  • Hotel mittlerer Kategorie: 130-600 DH
  • Luxushotel: ab 1800 DH

Währung

Dirham (DH)


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