Südafrika

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Viele Rassen prägen die Gesellschaft Südafrikas und wer versucht, an Hand der Hautfarbe(n) bestimmte Gruppierungen zu definieren, stößt schnell an Grenzen. Südafrikaner afrikaanser Herkunft möchten nicht mit jenen britischer Abstammung in einen Topf geworfen werden - und umgekehrt. Und auch die traditionellen schwarzen Kulturen weisen verschiedene größere und kleinere Untergruppen auf.

Die Verschmelzung und Vermischung, die sich in den urbanen Gebieten Südafrikas vollzieht, führt zur Verwässerung alter, gleichzeitig aber auch zur Entstehung neuer, synkretistischer Kulturen, aber in vielen ländlichen Gegenden sind die herkömmlichen schwarzen Traditionen noch sehr lebendig. Ihnen allen gemeinsam ist der Glaube an eine männliche Gottheit, die Geister der Ahnen und übernatürliche Kräfte. Polygamie ist erlaubt und für gewöhnlich wird ein Brautpreis (mit dem die Familie des Mannes die der Frau für den Verlust ihrer Tochter entschädigt) gezahlt. In vielen Kulturen spielt Vieh eine wichtige Rolle, sowohl als Wohlstandssymbol als auch für Opferrituale.

Manchmal stellt die künstlerische Hinterlassenschaft der indigenen südafrikanischen Völker die einzige Möglichkeit dar, etwas über eine verschwundene Kultur zu erfahren. Dazu gehören z. B. die Fels- und Höhlenzeichnungen der San (früher diffamierend "Buschmänner" genannt), die bis zu 26 000 Jahre alt sind! Manchmal, wie im Fall der kunstfertigen "sprechenden" Perlenarbeiten der Zulu, wurde traditionelle Kunst aus der Not, d. h. aus Gründen der Existenzsicherung in schwerer Zeit, geboren. Zu den ausdrucksstärksten der noch erhalten gebliebenen Kulturen schwarzer Südafrikaner zählt eben die der Zulu; besonders die Gesänge von Tausenden von Menschen bei Demonstrationen der Inkatha Freedom Party legen ein überwältigendes Zeugnis davon ab. Unübersehbar ist auch die Kultur der Xhosa, dem so genannten "roten Volk", abgeleitet von den roten Tüchern, in die sich die meisten erwachsenen Xhosa kleiden. Die mit ihnen verwandten Ndebele leben in Nord-Transvaal in wunderschön (meistens von Frauen) bemalten Häusern.

Die ganz eigenständige Kultur der Afrikaander entwickelte sich in selbstgewählter Isolation; während Europa mit Demokratie und Liberalismus experimentierte, zogen sie inmitten ihrer Kuhherden und mit einer Bibel in der Hand über afrikanischen Boden. Und bis heute steht in ländlichen Gemeinden die konservative Niederländisch-Reformierte Kirche im Mittelpunkt allen Geschehens.

Abgesehen von den Afrikaanern ist die Mehrzahl der europäischen Südafrikaner britischer Abstammung. Diese Bevölkerungsgruppe lebt überwiegend in den Städten und kontrolliert zu einem erheblichen Teil die Handels- und Wirtschaftssektoren. Die Afrikaaner halten sich (zu Recht oder zu Unrecht) für die "echteren" Südafrikaner und haben eine hämische Bezeichnung für diejenigen hervorgebracht, die mit einem Fuß in Südafrika und mit dem anderen in England stehen: soutpiel, zu Deutsch: Salzpimmel. Daneben gibt es noch eine große und einflussreiche jüdische Bevölkerungsgruppe sowie eine indische Minorität.

An der südafrikanischen Küche haben vor allem die Briten Schuld. Steak oder boerwors (gehaltvolle Bratwurst), verkochtes Gemüse und Pommes sind die Standardangebote. Sobald die Speisekarte etwas ausgefallener wird, handelt es sich oft um recht gewöhnungsbedürftige Sachen. Vegetarier müssen sich auf eine eher "magere" Zeit gefasst machen. Afrikanische Gerichte stehen normalerweise nicht auf den Restaurantspeisekarten, aber in den meisten Städten werden an Straßenständen sättigende, billige Portionen Reis mit Stew verkauft. Die am häufigsten getrunkenen alkoholischen Getränke sind Bier und Brandy, aber die ausgezeichneten südafrikanischen Weine finden immer mehr Liebhaber.

Zwar sind in Südafrika zahlreiche unterschiedliche Kulturen beheimatet, doch die meisten wurden während der Apartheid, als im Alltag keine Pflege der herkömmlichen und zeitgenössischen Kulturen stattfand, trivialisiert oder zerstört. In einer Gesellschaft, in der man ins Gefängnis kommen konnte, wenn man ein politisch inkorrektes Gemälde an der Wand hängen hatte, existierte echte Kunst nur im Untergrund; in den Galerien und auf den Bühnen regierten Oberflächlichkeit und Mittelmaß. Das erschreckendste Beispiel hierfür ist die Tatsache, dass sowohl der District Six, einst ein lebendiges multikulturelles Viertel von Kapstadt, als auch Sophiatown in Johannesburg, Heimat einer Reihe international bekannter Musiker, mit Bulldozern plattgewälzt wurden. Bands wie Ladysmith Black Mambazo ist es gelungen, einem breiten westlichen Publikum während und nach der Apartheid südafrikanische Klänge nahe zu bringen.

Einer der faszinierendsten Aspekte des neuen Südafrika ist, dass das Land einen Prozess der Selbstfindung durchmacht und da ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung keinen Zugang zum wirtschaftlichen Mainstream hat, geschieht dies ohne maßgebliche Beeinflussung durch professionelle Meinungsmacher. In Galerien finden jetzt Retrospektiven schwarzer, zeitgenössischer und traditioneller Künstler statt und bei großen Festivals treten Musiker aus ganz Afrika auf. Das neue Südafrika entsteht in den Straßen der Townships und der Städte.

Preisniveau

Mahlzeiten

  • Einfache Mahlzeit: 20-50 R
  • Restaurant mittlerer Kategorie: 50-80 R
  • Luxusrestaurant: ab 120 R

Übernachtung

  • Billigunterkunft: 40-150 R
  • Hotel mittlerer Kategorie: 150-250 R
  • Luxushotel: ab 300 R

Währung

Rand (R)


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