Sri Lanka
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Die ersten Siedler auf Sri Lanka waren die Vedda - ein dunkles Nomadenvolk, dessen Angehörige von kleiner, fast pygmäenhafter Statur waren. Die Legende bringt diese Menschen auf recht gehässige Weise in Zusammenhang mit den Yakkhas (Dämonen, die im 5. oder 6. Jahrhundert v.Chr. von den Singhalesen besiegt worden sein sollen). Im 4. vorchristlichen Jahrhundert bildeten sich erste singhalesische Königreiche, von denen Anuradhapura in der nördlichen Ebene die größte Macht auf sich vereinte. Mahinda, ein Sohn des indischen Maurya-Kaisers Ashoka, führte im 3. Jahrhundert v.Chr. den Buddhismus ein, der sich rasch zur etablierten Religion entwickelte und zum Kern eines ausgeprägten positiven Nationalismus wurde. Doch Anuradhapura erwies sich als leicht verwundbar: Im Verlauf des nächsten Jahrtausends stürzten wiederholte Invasionen aus Südindien den Inselstaat in eine Abfolge dynastischer Machtkämpfe. Erst als König Vijaya Bahu I. im Jahre 1073 die südindischen Chola aus ihrer Reichshauptstadt Polonnaruwa und von der Insel verjagte und er seinerseits eine neue Hauptstadt in Polonnaruwa einrichtete, hatte es mit der steten Bedrohung aus dem Nachbarland ein zeitweiliges Ende. Die Hauptstadt wuchs und gedieh zwei Jahrhunderte lang und erreichte ihre höchste Blüte unter König Parakramabahu, der Polonnaruwa zu einer der herausragendsten Städte Asiens entwickelte. Dann jedoch setzten die indischen Übergriffe wieder ein, und 1215 stürzte Polonnaruwa.
1505 trafen die Portugiesen in Colombo ein, und es dauerte nicht lange, bis sie sich das Monopol über den wertvollen Gewürz- und Zimthandel verschafft hatten. 1597 hielten die grausamen und habgierigen portugiesischen Kolonialherren die formelle Kontrolle über die Insel in Händen, doch es gelang ihnen nicht, das mächtige singhalesische Reich Kandy zu unterwerfen, das 1658 holländische Hilfe anrief, um die Portugiesen zu vertreiben. Die Holländer waren ebenfalls stärker an Handel und Profit als an Religion und Kultur interessiert, doch auch sie vermochten das gut geschützt im Inselinneren gelegene Kandy nicht unter ihre Kontrolle zu bringen. Als 1796 die Briten eintrafen, leisteten die Holländer nur halbherzig Widerstand. Den Briten gelang es, Kandys Souveränität mehr und mehr zu untergraben, und 1815 war England die erste europäische Macht, die über die gesamte Insel herrschte. Als die Briten Straßen bauten und Kaffee-, Tee-, Zimt- und Kokosplantagen anlegten, auf denen aus Südindien importierte tamilische Arbeitskräfte eingesetzt wurden, schloss sich der Griff des Empire um Kandy endgültig. Englisch wurde zur Nationalsprache erklärt.
1948 erlangte die damals noch unter dem Namen Ceylon bekannte Nation als Dominion im Britischen Commonwealth die Unabhängigkeit. Die erste Regierung betrieb eine sozialistische Politik, deren Ziele die Verbesserung der staatlichen Sozialleistungen und der Aufbau einer starken Wirtschaft waren, doch sie entzog auch 800 000 tamilischen Plantagenarbeitern im Hochland die Bürgerrechte. Der 1956 gewählte singhalesische Nationalist Solomon Bandaranaike brachte im Parlament ein Gesetz durch, das Singhalesisch (Sinhala) zur Nationalsprache erhob und den Singhalesen auf effektive Weise die besten Arbeitsplätze und politischen Schlüsselpositionen sicherte. Dieses Gesetz richtete sich zum Teil gegen die ungleiche Machtverteilung, die zwischen der singhalesischen Mehrheit und der Englisch sprechenden christlich erzogenen Elite bestand, doch es erzürnte und entfremdete in erster Linie die tamilisch-hinduistische Minderheit, die alsbald ein föderatives Regierungssystem einzufordern begann, das ihnen in ihren angestammten Siedlungsräumen im Norden und Osten der Insel ein höheres Maß an Autonomie zusichern sollte.
In jener Zeit wurzeln Sri Lankas ethnische und religiöse Probleme, die sich zusammen mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sowie dem Wettstreit um Arbeitsplätze und Wohlstand intensivierten. 1959 wurde Bandaranaike, der die beiden bestimmenden Religionsgemeinschaften miteinander auszusöhnen versuchte, von einem fanatischen buddhistischen Mönch ermordet. Seine Witwe Sirimavo nahm seinen Platz ein und wurde damit zur ersten Premierministerin der Welt. Sie führte die sozialistische Politik ihres Mannes fort, doch die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich zunehmend. 1971 scheiterte ein schlecht vorbereiteter Staatsstreich der singhalesisch-maoistischen JVP, in dessen Folge Tausende Menschen ums Leben kamen. Ein Jahr später wurde das Land zur Republik erklärt, und Sri Lanka erhielt seinen heute offiziellen Namen.
Die wirtschaftliche Situation verschlimmerte sich weiter und von den Tamilen im Norden wurden immer deutlichere Anzeichen von Unruhe erkennbar. Die Verfassung von 1972 erklärte den Buddhismus zur vorrangigen Staatsreligion und reduzierte den Anteil der Universitätsplätze für Tamilen. Als wegen ziviler Unruhe in den Tamilengebieten der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, begannen tamilische Jugendliche die schlecht organisierte und vorwiegend singhalesisch besetzte Polizei und Armee als feindliche Kräfte zu betrachten und für ein unabhängiges tamilisches Heimatland zu kämpfen. Der 1977 gewählte Junius Richard Jayewardene räumte der tamilischen Sprache den Status einer "nationalen Sprache in den Tamilengebieten" ein, doch obwohl er den Tamilen auch stärkere Befugnisse in der örtlichen Administration zubilligte, eskalierten die Gewalt und Vergeltungsmaßnahmen zwischen Sicherheitskräften und tamilischen Jugendlichen dermaßen, dass sie außer Kontrolle gerieten.
Als Sezessionisten der Organisation "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (Liberation Tigers of Tamil Eelam, LTTE) 1983 ein Massaker an einer Armeepatrouille verübten, lynchte der aufgebrachte singhalesische Mob im Zeitraum von zwei Tagen Tausende unschuldige Tamilen. Tamilisches Eigentum wurde geplündert und in Schutt und Asche gelegt. Die Möglichkeit einer Versöhnung wurde durch diese Ereignisse endgültig in unerreichbare Ferne gerückt. In Scharen strömten die Tamilen in die tamilisch dominierten nördlichen Gebiete, während die Singhalesen zuhauf aus dem Gebiet um Jaffna flohen. Bald darauf erhoben die Tamilen offiziell Anspruch auf das nördliche Drittel und die Ostküste des Landes. Im Norden waren die Tamilen klar in der Überzahl, doch im Osten lebten zu etwa gleichen Anteilen Tamilen, Singhalesen und Moslems. Die Gewalt eskalierte weiter. Beide Parteien machten sich der Einschüchterung und des Mordens schuldig, und die Auswüchse der "ethnischen Säuberungen" erreichten ein in der Geschichte der Menschheit selten erlebtes Ausmaß.
Ende 1985 lebten 50 000 Srilanker in Flüchtlingscamps, und 100 000 Tamilen hatten im indischen Bundesstaat Tamil Nadu Aufnahme als Asylanten gefunden. Die Wirtschaft verstrickte sich immer tiefer in Schwierigkeiten, denn der Tourismus brach zusammen, die Teepreise sackten ins Bodenlose und die Geberländer der bisherigen Entwicklungszusammenarbeit drohten wegen der Menschenrechtsverletzungen die Einstellung ihrer Hilfeleistungen an. Als Streitkräfte der Regierung 1987 die Tamil Tigers nach Jaffna zurücktrieben, beschworen daraus resultierende tamilische Unruhen in Südindien und der damit verbundene interne Druck auf die indische Regierung die Gefahr einer indischen Invasion herauf. Jayewardene und der damalige indische Premierminister Rajiv Gandhi fanden zu einem Kompromiss: Sri Lankas Armee zog sich in die Kasernen zurück, und eine indische Friedensarmee (Indian Peace Keeping Force, IPKF) sollte Recht und Ordnung im Norden wiederherstellen und die Befreiungstiger entwaffnen. Was auf dem Papier als sensible Lösungsmöglichkeit erschien, wurde zum Schlag ins Gesicht sämtlicher Parteien: Die Singhalesen und Moslems im Süden lehnten sich gegen die "indische Besatzung" und den "Ausverkauf" der nicht tamilischen Bevölkerung des Ostens auf, die Befreiungstiger verstärkten ihre Angriffe gegen die Singhalesen, die IPKF richtete ihrerseits nun die Waffen gegen die Tiger und Sri Lanka wurde zu einem Morast, aus dem niemand ohne Gesichtsverlust entkommen konnte.
Gerade als die IPKF 1989 die Lage im Norden unter Kontrolle zu bringen schien, brach im Süden und in den zentralen Landesteilen eine singhalesische Rebellion los. Die JVP verübte eine Serie von Anschlägen und politischen Morden. Das Land wurde endgültig gelähmt, als die srilankische Regierung, die inzwischen von Ranasinghe Premadasa angeführt wurde, die JVP für die politischen Hauptströmungen zu gewinnen versuchte. Als der Versuch scheiterte, setzte Premadasa Todesschwadronen in Bewegung, die sich darauf verlegten, mutmaßliche JVP-Mitglieder zu ermorden und ihre Leichen in den Flüssen verschwinden zu lassen. In den folgenden drei vom Terror gekennzeichneten Jahren kamen zwischen 30 000 und 60 000 Menschen ums Leben. 1990 sagte sich die IPKF, deren größte Truppenstärke 80 000 Mann betragen hatte, von ihrer undankbaren Aufgabe los. Zuvor hatten die Befreiungstiger einem Waffenstillstand zugestimmt, doch die Gewalt brach nahezu nahtlos wieder auf, als eine sezessionistische Tamilengruppe einseitig einen unabhängigen Staat ausrief.
Seitdem taktiert die srilankische Regierung zwischen politischen Lösungsversuchen und militärischen Offensiven, doch weder das eine noch das andere Extrem hat Massakern und terroristischen Anschlägen ein Ende bereiten können. 1991 wurde Rajiv Gandhi von einem tamilischen Selbstmörder, der eine am Körper befestigte Bombe zündete, getötet, und 1993 ereilte das gleiche Schicksal Premadasa. Als ein Anfang 1995 geschlossenes Waffenstillstandsabkommen von den Befreiungstigern einseitig gebrochen wurde, antwortete die Regierung Ende 1995 mit einer breit angelegten militärischen Offensive, mit der sie die Halbinsel Jaffna zurückeroberte und sowohl die Tiger als auch die tamilische Bevölkerung aus der Stadt vertrieb. Darauf folgende versöhnliche Initiativen der Regierung wurden von der tamilischen Bevölkerung relativ gut aufgenommen, und da die Organisation der Befreiungstiger offenbar zerschlagen war, schien sich Sri Lanka endlich auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden zu befinden. Doch die Situation täuschte: Bereits Mitte 1996 hatten sich die Tiger wieder formiert und waren in der Lage, die im Norden stationierten Regierungstruppen vehement zu attackieren und mitten im Herzen der Hauptstadt Colombo terroristische Anschläge zu verüben. Die erneute Ausübung von Gewalt brachte verschiedene singhalesische Oppositionsgruppen an einen Tisch, was jedoch nur dazu führte, dass sich eine weitere zerbrechliche Hoffnung im Rahmen des Friedensprozesses in Luft auflöste und das srilankische Volk seine Sehnsucht nach einem Ende der Gewalt erneut zurückstellen musste.
Sri Lankas Wirtschaft leidet unter hohen Inflationsraten und Arbeitslosigkeit, schlechter Infrastruktur und weit verbreiteter Korruption. Die Verteidigungsausgaben fressen fast 20% des Staatshaushalts auf und die nationale Wirtschaft ist dringend auf die 1,5 Milliarden US$ angewiesen, die im Ausland (überwiegend in den Golfstaaten) arbeitende Staatsbürger jährlich nach Hause überweisen. Eine Lösung der Konflikte bleibt die unabdingbare Voraussetzung für ein erneutes wirtschaftliches Wachstum.
Die 1994 gewählte und 1999 im Amt bestätigte Staatspräsidentin Kumaratunga (People's Alliance) überlebte kurz vor der Wahl einen Bombenanschlag, bei dem sie jedoch ein Auge verlor. Auch wenn sie mit dem 2001 gewählten Premierminister Wickramasinghe der Oppositionspartei United National Party hinsichtlich der Eindämmung der Inflation und der Arbeitslosigkeit, Lösung der Infrastrukturprobleme und der Folgen des Bürgerkriegs auf Immobilismus stieß, waren sie sich jedoch einig, für den Frieden zu arbeiten und den Dialog mit der LTTE aufzunehmen.
Nachdem das siebenjährige Embargo auf die von der LTTE (Liberation Tiger of Tamil Eelam) kontrollierten Gebiete aufgehoben wurde, stimmte die LTTE bei unter norwegischer Mediation geführten Friedensgeprächen im Dezember 2001 einem Waffenstillstand zu, der im Januar 2002 bilateral erneuert wurde. Jedoch kam der Friedensprozess im Jahr 2003 ins Stocken, und Mitte 2004, als eine Selbstmordattentäterin sich in einem Regierungsgebäude in Colombo in die Luft sprengte, wurden erneut Befürchtungen wach, dass der Friedensprozess wieder gänzlich kollabieren könnte.
Preisniveau
Mahlzeiten
- Preiswerte Mahlzeit: 50-250 Rs
- Restaurant-Mahlzeit: 250-450 Rs
- Luxusrestaurant: ab 600 Rs
Übernachtung
- Preiswertes Hotel: 300-500 Rs
- Mittelklassehotel: 500-1500 Rs
- Luxusklassehotel: ab 6000 Rs
Währung
Srilankische Rupie (Rs)








