Dänemark
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Dem Ruf der Flechten und Moos grasenden Rentiere folgten schon bald nomadische Jäger in das nacheiszeitliche Dänemark. Die Rentiere zogen später nach Norden weiter, während sich die Steinzeitdänen gemütlich einrichteten, indem sie Samen in die Asche ihrer brandgerodeten Felder streuten, ihr Vieh einzäunten und ihre Toten senkrecht begruben. In der Bronzezeit kam es von 1800 v.Chr. an zu einer Blüte der Handwerkskunst, die den Vorfahren der heutigen Dänen Handelswege bis weit nach Süden eröffnete. Die schönsten Gegenstände opferten sie dem Moor, um die Götter gütig zu stimmen. Ab 500 v.Chr. hielt das Eisen Einzug in den Alltag und führte zur Entstehung großer landwirtschaftlicher Gemeinwesen. Die sprachlichen und kulturellen Wurzeln des heutigen Dänemark gehen auf die Besiedlung durch die Dänen zurück, einem Stamm, der wahrscheinlich um 500 n.Chr von Schweden kommend nach Süden wanderte.
Angeführt von dem Wikinger-Häuptling Hardegon, eroberten aus dem heutigen Norwegen einfallende Krieger im späten 9. Jahrhundert die Halbinsel Jütland. Als Begründer der dänischen Monarchie, die für sich beansprucht die älteste der Welt zu sein, gilt Hardegons Sohn, Gorm der Alte, der sein Reich Anfang des 10. Jahrhunderts errichtete. Gorms Sohn Harald Blauzahn vollendete die Eroberung Dänemarks und leitete einen rasanten Christianisierungsprozess ein. Blauzahns humorlose Nachfahren, Sven Gabelbart und Söhne, eroberten England, begründeten dort Handel und Thron und lebten das süße Leben anglo-dänischer Monarchen. Das ging etwa ein halbes Jahrhundert lang gut, dann begann die Macht der Wikinger wieder zu schwinden und das dänische Königreich fand sich alsbald in seinen ehemaligen Grenzen wieder.
Giftiger Unfriede, Komplotte, Gegenkomplotte und Attentate prägten das Mittelalter. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts begannen die neureichen Dynastien ihre Sprösslinge untereinander zu verheiraten, was schließlich in der Gründung der Kalmarer Union unter Königin Margarete mündete. Dänemark, Norwegen und Schweden waren nun zu einem Bund zusammengeschlossen, in dem schon bald erste Zwistigkeiten auftraten. Die Schweden waren besonders verärgert über die verschwenderischen Kriegsausgaben der Dänen. 1523 wurde die Union wieder aufgelöst und die Schweden wählten Gustav Wasa zu ihrem König. Norwegen sollte jedoch noch für weitere drei Jahrhunderte unter dänischer Herrschaft bleiben.
Im 16. Jahrhundert fegte die Reformation durch das Land und hinterließ ausgebrannte Kirchen und bürgerkriegsähnliche Zustände. Die Kämpfe endeten 1536 mit der Vertreibung der mächtigen katholischen Kirche und der Errichtung einer lutherischen Kirche, deren Spitze das Königshaus bildete. König Christian IV herrschte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und machte den sich hervorragend entwickelnden Handel und Wohlstand wieder zunichte, indem er seine Untertanen in den verheerenden Dreißigjährigen Krieg mit Schweden führte. Dänemark verlor Land und Geld und der König ein Auge. Noch verheerender aber waren die Verluste an Schweden einige Jahre später, die Christians Nachfolger, König Frederik III, zu verantworten hatte. Dänemark erholte sich nur langsam von diesen Kriegen und konzentrierte sich fortan auf die Entwicklung von Bürgertum und Reformen.
Während der Napoleonischen Kriege wurde Kopenhagen zwei Mal von England angegriffen. 1801 wurde dabei die dänische Flotte schwer beschädigt und 1807 ging ein großer Teil der Hauptstadt in Flammen auf. Schweden machte sich diese Schwächung zunutze und forderte erfolgreich die Abtretung Norwegens von den Dänen. Hatte das 19. Jahrhundert noch trostlos und trübe unter der Dominanz eines kleinen Franzosen mit großem Ego begonnen, so erlebte Dänemark schon in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts eine kulturelle Revolution in den Bereichen Kunst, Philosophie und Literatur. Die neu entstandene demokratische Bewegung führte am 5. Juni 1849 zur Verabschiedung einer Verfassung, die ihrerseits die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie zur Folge hatte. Deutschland übernahm die Herrschaft über Schleswig im südlichen Jütland, nachdem dessen dänisch-deutsche Mischbevölkerung sich gegen die neue Verfassung aufgelehnt hatte.
Das im Ersten Weltkrieg neutrale Dänemark bekräftigte seine Neutralität auch bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, musste sich aber am 9. April 1940 angesichts der über Kopenhagen kreuzenden deutschen Jagdbomber dem Nachbarn im Süden ergeben. Zwar bewahrten sich die Dänen zunächst ein gewisses Maß an Autonomie, doch nach drei Jahren beendeten die Deutschen dieses Schauspiel und übernahmen die direkte Kontrolle. Mit Ausnahme der schweren sowjetischen Bombenangriffe auf die Insel Bornholm überstand Dänemark den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet. Unter der Führung der Sozialdemokraten wurde nach dem Krieg ein praktisch alle Lebensbereiche abdeckender Sozialstaat geschaffen, der seinen Bürgern noch heute umfassende Sicherheitsleistungen von der Geburt bis zum Tod gewährt.
Die Dänen schlossen sich 1973 der Europäischen Gemeinschaft an, unterstützen aber seit jeher die Ausweitung der heutigen Europäische Union nur zögerlich. Als der Vertrag von Maastricht zur Festlegung der Bestimmungen eines politisch und wirtschaftlich vereinten Europa im Juni 1992 von Dänemark ratifiziert werden musste, lehnten die dänische Wähler den Vertrag mit 51% gegen 49% der Stimmen ab. Nachdem ihnen Befreiung von den Bestimmungen des Maastricht-Vertrages zur gemeinsamen Verteidigungspolitik und zur Währungsunion gewährt wurden, nahmen die Dänen den Vertrag in einem zweiten Referendum im Mai 1993 mit knapper Mehrheit an. Auch heute noch verhalten sich die Dänen zurückhaltend gegenüber der EU, denn nicht wenige fürchten den Verlust regionaler Kontrolle zugunsten einer von den stärkeren Nationen dominierten europäischen Bürokratie.
Als Norwegen Anfang des 19. Jahrhunderts seine politischen Beziehungen mit Dänemark abbrach, blieben die früheren norwegischen Kolonien Island, Grönland und die Färöer-Inseln unter dänischer Verwaltung. Island, seit 1380 unter dänischer Herrschaft, erklärte 1918 seine Unabhängigkeit, wenngleich die Außenpolitik weiterhin von Kopenhagen aus gelenkt wurde. Seine vollständige Unabhängigkeit erlangte Island 1944. Grönland und die Färöer-Inseln gehören zwar immer noch zum Königreich Dänemark, doch sind beide mittlerweile größtenteils selbständig. Die Färöer-Inseln stehen seit 1948 unter Selbstverwaltung, Grönland seit 1979. Die Verantwortung für Währungs-, Verteidigungs- und Außenpolitik beider Regionen liegt weiterhin bei Dänemark, während Grönland und die Färöer-Inseln je zwei Parlamentsabgeordnete im dänischen Folketing stellen. Im Gegensatz zu Dänemark sind jedoch weder Grönland noch die Färöer-Inseln Mitglied der EU. Dänemark hat 2000 per Referendum die Einführung des Euro verweigert. Durch die Parlamentswahlen im November 2001 kam eine Mitte-Rechts-Regierung an die Macht, gestützt auf eine auf die Probleme der Immigration konzentrierte Wahlkampagne. Dabei waren durch die Anschläge des 11. September geschürte Ängste ein wichtiger Faktor. Die Debatte über Dänemarks Position in der Welt hält weiter an, besonders im Hinblick auf Europa, Einwanderung, Dänemarks Rolle im Irak und das Erstarken rechtsextremer politischer Kräfte.
Preisniveau
Mahlzeiten
- Einfache Mahlzeit: 35-90 Dkr
- Restaurant mittlerer Kategorie: 90-150 Dkr
- Luxusrestaurant: ab 200 Dkr
Übernachtung
- Billigunterkunft: 60-300 Dkr
- Hotel mittlerer Kategorie: 300-900 Dkr
- Luxushotel: ab 1200 Dkr
Währung
Dänische Krone (Dkr)








