Frankreich

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Der erste typisch französische Baustil war die Gotik, die Mitte des 12. Jahrhunderts in Nordfrankreich entstand und sich in der Kathedrale von Chartres und ihren Nachfolgebauten in Reims und Amiens vorbildhaft manifestiert. Die Renaissance fasste in Frankreich erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts infolge der Übergriffe Karls VIII. auf Italien Fuß. Auf den Gebieten der Architektur und der bildenden Kunst handelte es sich im Wesentlichen um reine Importe, die gelegentlich an den in Frankreich vorherrschenden Stil angepasst wurden. Eigenständigere Ausdrucksformen entwickelten Dichter wie Rabelais und Montaigne, die grundlegende Werke der französischen Literatur schufen.

Im Zeitalter des Barock vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum späten 18. Jahrhundert entstanden in Malerei, Bildhauerei und Architektur Werke von großer Raffinesse, Eleganz und Perfektion. In der französischen Barockmusik zeichnete sich eine eigenständige Entwicklung ab, die ganz Europa beeinflusste, der erste französische Barockmaler war Nicolas Poussin. Das Theaterpublikum amüsierte sich über die Werke von Molière, dem bekanntesten Komödienschreiber seiner Zeit.

Im 18. Jahrhundert erweiterte der Maler Jean-Baptiste Chardin mit Genreszenen aus dem Umfeld des einfachen Volks nach Art der holländischen Meister das Spektrum der französischen Kunst. Jacques-Louis David, während der Französischen Revolution einer der führenden Köpfe, avancierte unter Napoleon zum tonangebenden Hofmaler. Er schuf großformatige Bilder, darunter das berühmte Werk Der ermordete Marat, das den Revolutionär tot in der Badewanne liegend zeigt. Die Literatur dieser Zeit ist von Philosophen wie Voltaire und Rousseau geprägt, während Berlioz mit der Einführung einer neuen Art der Orchestrierung in der Musik neue Impulse setzte. Seine Opern und Symphonien leiteten eine Renaissance der französischen Musik ein, die Größen wie Gabriel Fauré und die Impressionisten Claude Debussy und Maurice Ravel hervorbringen sollte.

Victor Hugo, der vor allem als Dichter und Autor der Romane Les Misérables (Die Elenden) und Notre-Dame de Paris (Der Glöckner von Notre-Dame) berühmt geworden ist, stellt die Schlüsselfigur der französischen Romantik des 19. Jahrhunderts dar. Weitere bekannte Schriftsteller dieser Zeit sind Stendhal, mit bürgerlichem Namen Marie Henri Beyle; Honoré de Balzac, dessen gewaltiger Romanzyklus La Comédie Humaine (Die menschliche Komödie) die Sozialgeschichte Frankreichs skizziert; Aurore Dupain, besser bekannt als George Sand, die zunächst romantische Liebesromane schrieb und sich später die soziale Ungleichheit zum Thema machte; und Alexandre Dumas der Ältere, der den Graf von Monte Christo, Die drei Musketiere und andere historische Abenteuerromane geschrieben hat.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sowohl in der Belletristik als auch in der Lyrik neue Strömungen, aus denen drei der bedeutendsten französischen Dichter hervorgegangen sind: Gustave Flaubert, Charles Baudelaire und Emile Zola, dessen kraftvolles, innovatives Werk äußerst umstritten war. Der Dichter Arthur Rimbaud, der nur 37 Jahre alt wurde und ein überaus unkonventionelles, abenteuerliches Wanderleben führte, hinterließ zwei bedeutende Werke: Les Illuminations (Illuminationen) und Une Saison en Enfer (Eine Zeit in der Hölle). Das künstlerisch aufgeschlossene Klima jener Zeit begünstigte den Aufstieg von Auguste Rodin, der als einer der größten Bildhauer des ausgehenden 19. Jahrhunderts gilt und monumentale Bronze- und Marmorplastiken schuf. In der Porträtmalerei setzten Jean Auguste Dominique Ingres und Eugène Delacroix neue Akzente, während die Landschaftsmalerei zunächst von Jean-François Millet und der Schule von Barbizon, dann von Edouard Manet und den Realisten beeinflusst wurde. Manets Spätwerk ist bereits dem Impressionismus zuzurechnen, der Maler wie Claude Monet, Camille Pisarro und Edgar Degas hervorbrachte.

Der Post-Impressionismus im 20. Jahrhundert fächerte sich in eine Vielfalt an Stilrichtungen auf, von denen zwei besonders bedeutsam sind: Der Fauvismus des jungen Wilden Henri Matisse und der Kubismus, wie ihn der in Spanien geborene Pablo Picasso repräsentiert. Danach folgten die Dadaisten, die auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs mit Aufsehen erregenden Aktionen reagierten. So erklärte Marcel 'Dada' Duchamp Gebrauchsgegenstände zu Kunstwerken, wie z.B. ein Pissoir, das er mit dem Titel Brunnen versah und signierte.

In der Literatur dominiert Marcel Proust das frühe 20. Jahrhundert mit seinem siebenteiligen Romanepos Á la Recherche du Temps Perdu (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit). Die Dichter André Breton und Paul Eluard waren überzeugte Surrealisten, deren Werk von Traumsymbolik, Prophezeiungen und Erscheinungsformen des 'Wunderbaren' geprägt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Existentialismus mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Albert Camus, die sich als Schriftsteller dem politischen Engagement verschrieben. De Beauvoir gilt mit ihrem bahnbrechenden Werks Le deuxième sexe (Das andere Geschlecht) als Vorkämpferin des modernen Feminismus. Ende der 50er Jahre machten sich die jungen Schriftsteller auf die Suche nach neuen, experimentellen Erzählformen; die Romanschriftstellerin Nathalie Sarraute z.B. warf die lästigen Konventionen über Bord, dass eine Geschichte einen wiedererkennbaren Charakter und eine zusammenhängende Handlung haben muss. Marguerite Duras distanzierte sich zwar vom Nouveau roman, verwendete aber ähnliche Abstraktionen, indem sie Figuren zugunsten von Stimmungen in den Hintergrund treten ließ. Mit ihrem gewagten Roman L'Amant (Der Liebhaber) eroberte sie sich 1984 das internationale Lesepublikum.

Die 50er und 60er Jahre standen ganz im Zeichen des neuen französischen Films, als Regisseure wie Jean-Luc Godard, François Truffaut und Louis Malle den Beginn der Nouvelle vague einläuteten. Bis in die 70er Jahre bestimmten Autorenfilme die Szene; dann hatte die neue cineastische Ära ihr experimentelles Stadium hinter sich gelassen und der französische Film sich den Ruf eines intellektuellen, elitären und, zugegebenermaßen, etwas langweiligen Unterfangens erworben. Die erfolgreichsten Regisseure der 80er und 90er Jahre produzierten originelle Filme mit beeindruckender Suggestionskraft, deren Darsteller an ungewöhnlichen Orten sonderbare Geschichten erleben. Zu den bekanntesten Regisseuren zählen Jean-Jacques Beineix, der Diva und Betty Blue drehte, sowie Luc Besson, der bei den Filmen La Femme Nikita (Nikita), Léon/The Professional (Leon - der Profi) und The Fifth Element das Drehbuch schrieb und die Regie übernahm.

Roland Barthes und Michel Foucault zählen zu den wichigsten Vordenkern der Gegenwartsphilosophie und Julia Kristeva ist durch ihre theoretischen Schriften über Literatur und Psychoanalyse bekannt geworden. Allergrößter Beliebtheit nicht nur bei den Franzosen erfreut sich auch eine ganz andere Art von Literatur, nämlich die Comicserie Asterix.

Wenn die Franzosen einmal ihre Aufmerksamkeit von den schönen Künsten abwenden, dann leben sie ihre Leidenschaft für Fußball, Rugby, Basketball und Rad fahren, vor allem bei der Tour de France, voll aus. Die traditionellen Kugelspiele Pétanque und Boules sind in Frankreich weit verbreitet.

Frankreich ist ein überwiegend katholisches Land, auch wenn das Gemeindeleben eine verschwindende Rolle spielt und die Zahl der Kirchgänger - vor allem in der Mittelschicht - äußerst rückläufig ist. Diese allgemeine Tendenz zur Säkularisierung ist seit 1905 zu beobachten, als Kirche und Staat getrennt wurden. Die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft sind die Moslems, gefolgt von Protestanten (Hugenotten) und Juden.

Die französische Küche ist unbestritten eine der besten der Welt und ein schier unerschöpfliches Thema. Man braucht nur an einige der lukullischen Köstlichkeiten der französischen Küche wie Gänseleberpastete, Trüffel, Roquefort, Krustentiere, saftige Weinbergschnecken oder Zwiebelkuchen zu denken, um die Begeisterung der Franzosen für das Essen zu verstehen. Aber der Mensch in Frankreich lebt nicht von Schnecken und Tafelwein allein. Auch die nordafrikanische und asiatische Bevölkerung des Landes hat mit zahlreichen Gerichten und farbenfrohen Gewürzen das kulinarische Angebot bereichert.

Üblicherweise beginnt der Franzose den Tag mit einer großen Tasse Milchkaffee, einem Croissant oder einer dünnen Scheibe Brot mit Butter und Marmelade. Mittag- und Abendessen sind praktisch austauschbar und beginnen zum Beispiel mit einem ersten Gang mit fromage de tête (Schweinskopfsülze) oder einer bouillabaisse (Fischsuppe). Danach folgt ein Hauptgericht mit blanquette de veau oder d'agneau (Kalb- oder Lammfleischfrikassee) und als Abrundung ein plateau de fromage (Käseplatte) oder eine tarte aux pommes (Apfelkuchen). Vor dem Essen wird oft ein appetitanregender Aperitif wie Kir (Weißwein mit Cassis) serviert, als Abschluss gönnt man sich als Digestif einen Cognac oder Armagnac. Weitere Getränke, die Verdauung und Konversation anregen, sind Espresso, Bier, Pastis und natürlich Weine, die zu den besten der Welt zählen.

Weitere Regionen

Preisniveau

Mahlzeiten

  • Einfache Mahlzeit: 4-13 Euro
  • Restaurant mittlerer Kategorie: 13-24 Euro
  • Luxusrestaurant: ab 30 Euro

Übernachtung

  • Einfache Unterkunft: 15-50 Euro
  • Hotel mittlerer Kategorie: 50-100 Euro
  • Luxushotel: ab 150 Euro

Währung

Euro


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