Kanarische Inseln
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Den Kanarischen Inseln wird ein Alter von 30 Millionen Jahren zugeschrieben - nach geologischen Maßstäben sind sie also relativ jung. Ihre Existenz war bereits im Altertum bekannt (oder wurde zumindest vermutet) und Platon sprach in seinen Dialogen Timaeus und Critias von Atlantis, einem Kontinent, der durch eine erdgeschichtliche Katastrophe plötzlich auf den Meeresboden gesunken war und von dem seither nur noch die höchsten Berggipfel aus dem Wasser ragen. Platon mag dies allegorisch gemeint haben, den Inseln aber haftete daraufhin ein beinahe mystischer Ruf als eine Art Garten Eden an, der von einem klassischen Schriftsteller zum nächsten weitergereicht wurde. Dazu passt auch der spätere Spitzname der Inseln: Islas Afortunadas -"die Glücklichen Inseln". Trotz all dieser mythisch verklärten Prosa existiert jedoch kein Beweis, dass Phönizier oder Griechen je auf den Kanaren landeten.
Kohle-Analysen wiesen eine Besiedlung der Inseln um 200 v.Chr. nach, obwohl auch ein früherer Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann. Lange Zeit ging man davon aus, dass Cro-Magnons, die neolithischen Vorgänger des Homo Sapiens, die ersten Bewohner der Kanarischen Inseln waren, mittlerweile existieren jedoch auch andere Theorien. Neben Schädelfunden ursprünglicher Bewohner basieren die Informationen insbesondere auf den Beschreibungen, die die erobernden Europäer im 15. Jahrhundert von den Einheimischen abgeliefert haben. Vor allem auf Teneriffa waren sie auf große, kräftig gebaute Menschen mit blauen Augen und langem, blondem Haar gestoßen. Die Inselbewohner sollen sich selbst als Guanche bezeichnet haben - von guan, "Mensch", und che oder achinch, was in Bezug auf den schneebedeckten Vulkan Teide "weißer Berg" bedeutet. Die Theorien zu den Ursprüngen der Guanche reichen von keltischen Immigranten aus Spanien oder Portugal bis zu nordischen Invasoren, was eine mögliche Erklärung für das blonde Haar und die blauen Augen liefert. Auf der anderen Seite scheint gesichert, dass immigrierende Berber aus der nahe gelegenen afrikanischen Sahara einige der östlichen Inseln bewohnten (viele Ortsnamen ähneln Ausdrücken ihrer Stammessprachen); auch bei dieser Volksgruppe haben manche Menschen blaue Augen und blonde Haare - die Herkunft der Guanche ist also nach wie vor ungeklärt.
Als sich im Mittelalter die ersten Europäer auf den Inseln umsahen, wurden die Kanaren von einer Reihe von Stämmen bewohnt, die untereinander oft verfeindet waren. Allein Teneriffa war in nicht weniger als neun winzige Machtbereiche unterteilt. Die Guanche lebten in geringem Maße von Ackerbau und Viehzucht sowie vom Jagen und Sammeln; zumeist bewohnten sie Höhlen. Der erste einigermaßen verlässliche Bericht über eine Landung von Europäern stammt aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert, als der genuesische Kapitän Lanzarotto Malocello auf die Insel stieß, die später eine Version seines Namens tragen sollte: Lanzarote. Es folgten eine Schar von Träumern auf der Suche nach dem legendären Río de Oro ("Goldfluss"), von dem viele dachten, dass er auf Höhe der Kanaren in den Atlantik fließen würde, Missionare auf der Suche nach zu rettenden Seelen und Sklavenhändler auf der Suche nach neuen Opfern. Einige blieben nur kurze Zeit, während andere sich dort ansiedelten, aber erst eine portugiesisch-italienische Mission im Jahre 1341 verhalf den Kanarischen Inseln auf die Landkarte.
Als erste Europäer versuchten französische Normannen um 1402, die Guanche zu unterwerfen. Die Feldzüge wurden unter einem galizischen Glücksritter im Jahre 1495 mehr oder weniger beendet. Das Jahrhundert war von Massakern und Kriegen geprägt und unzählige Guanche wurden in die Sklaverei verkauft. Innerhalb eines weiteren Jahrhunderts war ihre Sprache so gut wie verschwunden und die Überlebenden hatten sich mit den Invasoren vermischt, den christlichen Glauben und spanische Namen angenommen.
Spaniens Kontrolle über die Inseln blieb jedoch nicht unangefochten. Zuerst marschierten marokkanische Truppen in Lanzarote ein (1569 und 1586), dann setzte Sir Francis Drake vor Las Palmas auf die Kriegsschiff-Diplomatie (1595). Eine holländische Flotte legte Las Palmas 1599 in Schutt und Asche und 1657 besiegten die Briten unter Admiral Robert Blake auf Teneriffa die Spanier. Das Ergebnis: Die spanische Flotte wurde vernichtet, die Briten verloren ein Schiff.
Aber Spanien blieb am Ball und 1821 wurden die Kanarischen Inseln zur spanischen Provinz erklärt. Santa Cruz de Tenerife avancierte zur offiziellen Hauptstadt, was Öl ins Feuer der bereits bestehenden Auseinandersetzung zwischen Teneriffa und Gran Canaria goss. Die Bewohner von Gran Canaria verlangten eine Zweiteilung der Provinz, was für eine kurze und wenig erfolgreiche Periode in den 1840er Jahren auch geschah. Diverse landwirtschaftliche Produkte der Inseln erlebten einen richtiggehenden Verkaufsboom, vor allem Zuckerrohr, Wein und Koschenille (zur Herstellung von Farben), gefolgt von Bananen und in geringerem Maße Tomaten und Kartoffeln. Die britische Seeblockade Europas im Ersten Weltkrieg machte den Bananenhandel zunichte, was die Bewohner in Scharen vor der Armut fliehen ließ, um in Lateinamerika ein neues Leben zu beginnen.
Die kurze hoffnungsvolle Periode nach dem Ersten Weltkrieg endete abrupt, als in Spanien 1936 das Chaos des Bürgerkriegs ausbrach. Im März des gleichen Jahres wurde General Franco auf die Kanarischen Inseln abgeschoben - man verdächtigte ihn (durchaus begründet) der Teilnahme an einem Komplott zum Sturz der spanischen Regierung. Vier Monate später ergriff Franco die Macht über die Inseln und flüchtete anschließend nach Marokko, um von dort aus weiterzukämpfen. Er überließ es den Nationalisten, republikanische Sympathisanten auf den Inseln aufzutreiben.
Die Kanaren litten unter der gleichen Nachkriegsmisere wie Spanien und wieder flüchteten Tausende - diesmal heimlich und vor allem nach Venezuela. In den 50er Jahren verließen 16 000 Menschen ihre Heimat, ein Drittel davon starb in lecken Booten. In den frühen 60er Jahren beschloss Franco, die Türen des Landes für Touristen zu öffnen. Damit begann der letzte und größte Boom, der die Wirtschaft - und die Inseln - nachhaltig veränderte. Heute strömen alljährlich Millionen sonnenhungriger Hedonisten auf die Kanaren.
1982 erhielten die Kanarischen Inseln den Status einer comunidad autónoma (autonome Region) und die Partei Coalición Canaria spielte beim Wahlsieg der rechtskonservativen Partido Popular im Jahr 1996 eine wichtige Rolle - die Coalición sagte der Regierung ihre Unterstützung unter der Bedingung zu, dass zuerst und vor allem ihre Bedürfnisse beachtet und die Interessen der Kanarischen Inseln vor jede nationale Erwägung gestellt würden. Im April 2004 machten die Inseln ungewohnterweise weltweit Schlagzeilen, als 14 schwarzafrikanische Immigranten ertranken, nachdem ihr Boot in den Gewässern um die Kanarischen Inseln mit einem anderen Boot zusammengestoßen war.
Preisniveau
Übernachtung
- Preisgünstiges Zimmer: 20-30 Euro
- Hotel mittlerer Kategorie: 30-80 Euro
- Hotel gehobener Kategorie: ab 80 Euro
Mahlzeiten
- Preisgünstige Mahlzeit: 3-5 Euro
- Restaurant mittlerer Kategorie: 5-20 Euro
- Restaurant gehobener Kategorie: ab 20 Euro
Währung
Euro (EUR)








