Tschechische Republik
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Die Ankunft der Slawen im 5. und 6. Jh. bedeutete den Beginn der ereignisreichen tschechischen Geschichte. Die verschiedenen Stämme des Landes bekehrten sich zum Christentum und vereinten sich im Großmährischen Reich, das allerdings nur von kurzer Dauer war (830-906). Es umfasste die westliche Slowakei, Böhmen, Schlesien und Teile des östlichen Deutschlands, das südöstliche Polen und nördliche Ungarn. Gegen Ende des 9. Jh. spalteten die Tschechen sich ab und bildeten den unabhängigen Staat Böhmen.
Das Prager Schloss wurde gegen 870 von Prinz Borivoj als Hauptsitz der Premysliden-Dynastie gegründet, der es jedoch erst 993 gelang, die zerstrittenen tschechischen Stämme zu vereinen. 950 eroberte der deutsche Kaiser Otto I. Böhmen und schloß es dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation an. 1212 wurde dem Premysliden-Prinzen Ottokar (Otakar) I. durch den Papst das Recht zugesprochen, als König zu herrschen. Sein Sohn und Nachfolger Ottokar II. versuchte, zusätzlich zu seinem Königstitel auch den des deutschen Kaisers zu erlangen, scheiterte jedoch: Die Kaiserwürde ging an Rudolf von Habsburg. Unter der Herrschaft der Habsburger, die das Land mit fester Hand regierten, erlebte Böhmen sein Goldenes Zeitalter. Prag entwickelte sich zu einer der größten und wichtigsten Städte Europas und sah die Entstehung zahlreicher großartiger Bauten der Gotik.
Im späten 14. und frühen 15. Jh. kam eine einflußreiche Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche auf. Unter der Führung des von Jan Hus inspirierten Tschechen Jan Zizka breitete sich die hussitische Revolution immer weiter aus, bis die Machtstellung der Katholischen Kirche in ganz Europa gefährdet war. Der Papst rief zum Kreuzzug gegen die Hussiten, denen es jedoch 1420 mit vereinten Kräften gelang, das Kreuzfahrerheer vor Prag zu schlagen. Weitere Hussitenkreuzzüge folgten. Obwohl sie gegen zahlenmäßig stärkere und besser ausgerüstete Truppen kämpften, gingen die Hussiten sogar zur Offensive über und fielen wiederholt in Deutschland, Polen und Österreich ein.
1526 fiel das Königreich Böhmen wieder an die katholischen Habsburger. Am 23. Mai 1618 stürzten die böhmischen Stände als Protest gegen das Ausbleiben der versprochenen religiösen Toleranz und den Verlust ihrer Privilegien zwei Repräsentanten des Regenten Ferdinands II. von Habsburg aus einem der oberen Fenster des Prager Schlosses. Die beiden Männer überlebten zwar leicht verletzt, doch löste der berühmte Prager Fenstersturz den Dreißigjährigen Krieg aus. Im Laufe des Krieges büßten die böhmischen Adeligen Vorrechte und Besitz ein, und verloren durch die Zwangsbekehrung zum Katholizismus und den Zuzug z.T. nichtböhmischer katholischer Fürsten und den Exodus protestantischer böhmischer Adeliger beinahe auch ihre nationale Identität. Für die nächsten drei Jahrhunderte war damit für den böhmischen Adel erst einmal Schluss.
Im 19. Jh. wallten in Böhmen und Mähren nationalistischen Gefühle auf. Auch die tschechischen Lande wurden von der Revolution erfasst, die 1848 quer durch Europa an den Thronen rüttelte. Prag setzte sich als erste Stadt des Habsburgerreiches für eine Reform ein. Der Traum von einem unabhängigen Staat begann sich gegen Ende des Ersten Weltkriegs zu verwirklichen. Tschechen und Slowaken einigten sich schließlich darauf, ihre Länder als gleichberechtigte Republiken in einem Bundesstaat zu verbinden. In der Ersten Republik blühte zunächst die Wirtschaft, doch bald führten die langsame Entwicklung, die Große Depression der 1930er Jahre, der Zustrom tschechischer Bürokraten und der Bruch des Versprechens eines slowakischen Bundesstaates zu Rufen nach Autonomie für die Slowaken.
Die Tschechoslowakei bekam nicht die Chance, ihre Probleme friedlich zu lösen. Die Mehrzahlen der drei Millionen deutschstämmigen Böhmen erlag dem großdeutschen Traum. Hitler verlangte und erhielt im berühmt-berüchtigten Münchner Abkommen 1938 das Sudetenland, und die Tschechen bereiteten sich auf den Krieg vor. Böhmen und Mähren wurden im Krieg zwar nur wenig zerstört, doch kamen unzählige tschechische Intellektuelle ums Leben. Auch der größte Teil des tschechischen Untergrunds wurde von den Nazis gnadenlos beseitigt. Tschechische und slowakische Juden wurden zu Zehntausenden in Konzentrationslagern ermordet. Am 5. Mai 1945, als die Rote Armee von Osten her immer näher rückte, erhob sich die Prager Bevölkerung gegen die deutschen Besatzungskräfte. Am 8. Mai begannen die Deutschen, denen die siegreichen tschechischen Widerstandskämpfer freies Geleit zugesichert hatten, aus Prag abzuziehen. Damit war der größte Teil der Stadt bereits befreit, bevor die sowjetischen Truppen am nächsten Tag einrückten.
Wieder war die Tschechoslowakei ein unabhängiger Staat. Die Tschechen unternahmen die Festigung ihrer kulturellen Identität und die Bestrafung der Unterdrücker, was für Tausende Deutsche und Ungarn die Vertreibung aus dem Land bedeutete. 1946 wurden Wahlen abgehalten, in denen die Kommunisten 36% aller Stimmen erhielten und sich damit zur stärksten politischen Partei mauserten. Die 1950er Jahre waren eine Ära der Repression und des Niedergangs. Die kommunistische Wirtschaftspolitik brachte das Land an den Rand des Bankrotts. Viele Regimegegner kamen ins Gefängnis, Hunderte wurden hingerichtet oder starben in Arbeitslagern, oft für wenig mehr als ihren Glauben an die Demokratie. In den 1960er Jahren begann eine behutsame Liberalisierung des Landes. Der neue Präsident Alexander Dubcek, der ehemalige slowakische Parteichef repräsentierte das Verlangen der Menschen nach einer echten Demokratie und dem Ende der Zensur, einem "Sozialismus mit menschlichem Gesicht". Doch die sowjetischen Politiker konnten keine demokratische Gesellschaft innerhalb des Ostblocks dulden. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 rückten Warschauer-Pakt-Truppen ein und setzten dem "Prager Frühling" ein Ende. 58 Personen fanden am 21. August den Tod. 1969 wurde Dubcek abgesetzt und ins Hinterland versetzt. An die 14 000 Parteifunktionäre und 500 000 Parteimitglieder, die sich weigerten, ihren Glauben an einen "Sozialismus mit menschlichem Gesicht" aufzugeben, wurden aus der Partei ausgeschlossen und verloren ihren Arbeitsplatz. Unter der wieder hergestellten totalitären Herrschaft kamen Dissidenten gewohnheitsmäßig ins Gefängnis.
Auch nach dem Fall der Berliner Mauer Ende 1989 hielt sich die kommunistische Regierung noch an der Macht. Am 17. November jedoch kam die Wende. In Gedenken an neun 1939 von den Nazis hingerichteten Studenten organisierte die kommunistische Jugendorganisation Prags eine Demonstration. Obwohl die Kundgebung friedlich verlief, wurden 50 000 Personen eingekesselt, an die 500 wurden von der Polizei niedergeknüpelt und 100 festgenommen. In den folgenden Tagen nahmen die Demonstrationen kein Ende und führende Dissidenten, darunter insbesondere Vaclav Havel, bildeten eine antikommunistische Koalition, die am 3. Dezember die Regierung zum Rücktritt zwang. Eine "Regierung der Nationalen Verständigung" wurde gebildet, an der die Kommunisten als Minderheit teilnahmen. Havel wurde am 29. Dezember zum Präsidenten der Republik erklärt, während Dubcek zum Sprecher der Nationalversammlung gewählt wurde. Die Tage nach der Demonstration des 17. November wurden als die "Samtene Revolution" (auch Sanfte Wende) bekannt, weil sie ohne Blutvergießen errungen wurde. Im September 1992 erlitt Dubcek in einem Autounfall bei Prag schwere Verletzungen, denen er am 7. November erlag. Anhänger von Verschwörungstheorien forschen seither an einem möglichen Komplott.
In der Folge wurden die Rufe nach Autonomie für die Slowakei stärker. Die Premierminister beider Republiken beschlossen mit anderen führenden Politikern, dass die Teilung der Republik die beste Lösung sei. Präsident Havel und viele andere forderten ein Referendum, doch selbst eine von einer Million Tschechoslowaken unterzeichnete Petition reichte nicht aus, um beim Bundesparlament eine Volksabstimmung durchzusetzen. Schließlich trat Havel zurück. Der 1. Januar 1993 bedeutete somit zum zweiten Mal im 20. Jh. das Ende der Tschechoslowakei. Prompt wurde Havel zum ersten Präsidenten der neuen Tschechischen Republik gewählt, deren Hauptstadt natürlich Prag war.
Dank einschneidender wirtschaftspolitischer Maßnahmen, des boomenden Fremdenverkehrs und der soliden Industrie erholt sich die Wirtschaft der Tschechischen Republik gegenwärtig deutlich. Es gibt kaum Arbeitslosigkeit, die Geschäfte sind wohl bestückt und in vielen Städten wird emsig gebaut und restauriert. Doch ist die Lage nicht durchweg idyllisch: Billige Wohnungen sind äußerst knapp, die Verbrechensrate steigt steil an, die Umwelt ist stark verschmutzt, das Gesundheitssystem geht in die Brüche, und gelegentlich zeigt sich das Land als politisch wenig stabil, wie z.B. im Februar 2003, als es dem Parlament nicht auf Anhieb gelang, an Stelle Vaclav Havels einen neuen Präsidenten zu wählen. Die junge Demokratie und ihre radikal umgekrempelte Wirtschaft sind jedoch offensichtlich funktionstüchtig.
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Preisniveau
Mahlzeiten
- Einfache Mahlzeit: 2-5 €
- Mittlere Preisklasse: 5-10 €
- Luxusrestaurant: ab 10 €
Übernachtung
- Einfache Unterkunft: 10-15 €
- Mittlere Preisklasse: 15-80 €
- Luxushotel: ab 80 €
Währung
Tschechische Krone ()








