Jamaika

    Drucken Bildergalerie Karte

Jamaika blickt auf eine bewegte und leidvolle Geschichte zurück, die seit der Besiedlung durch Europäer von Gewalt und Tyrannei geprägt ist. Als erster Europäer landete 1494 Christoph Kolumbus auf der Insel. Damals wurde Jamaika von ungefähr 100 000 friedfertigen Arawak-Indianern bewohnt, die seit etwa 700 v.Chr. hier lebten. Knapp 20 Jahre nach Kolumbus erreichten spanische Siedler das Eiland - neben Rindern und Schweinen brachten sie zwei Dinge mit, die die Zukunft der Insel entscheidend prägten: den Zucker und die Sklaverei. Schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts hatte man die Arawak-Indianer vollkommen ausgerottet; sie waren der harten Arbeit, der schlechten Behandlung und den eingeschleppten Krankheiten zum Opfer gefallen.

1654 segelte eine unzureichend ausgestattete und schlecht organisierte englische Expeditionsgruppe in die Karibik. Nach dem vergeblichen Versuch, Hispaniola (das heutige Haiti und die Dominikanische Republik) einzunehmen, wandte sich die "üble Gesellschaft von gemeinen Dieben, Banditen und Tagedieben" dem nur schwach befestigten Jamaika zu. Trotz heftiger Bemühungen spanischer Loyalisten und den Guerilla-Taktiken freigelassener spanischer Sklaven - den so genannten Maroons, was sich vom spanischen Wort cimarron für "wild bzw. verwildert" ableitet - konnten sich die Engländer der Insel bemächtigen. Neue Siedler und weitere Investitionen ließen nicht lange auf sich warten, zumal der Anbau von Kakao, Kaffee und Zuckerrohr ausgesprochen lukrativ zu sein schien. Da sich England jedoch in ständiger Fehde mit Frankreich und Spanien befand, blieb die Kontrolle über die Insel den Freibeutern überlassen - einer bunt zusammengewürfelten Gruppe seefahrender Bösewichte, politischer Gefangener und entsprungener Krimineller, die sich der Piraterie gegen die Spanier verschrieben hatten. Je nachdem, ob Engländer und Spanier gerade einen Friedensvertrag unterzeichnet oder gebrochen hatten, unterstützten die Engländer die Freibeuter oder halfen den Spaniern, diese zu bekämpfen. Sklavenaufstände, bei denen sich geflohene Sklaven mit Nachkommen der Maroons verbündeten, machten den Engländern zusätzlich das Leben schwer. Angesichts dieses fortwährenden Guerilla-Kriegs sah sich die britische Kolonialmacht schließlich gezwungen, den Maroons 1739 in einem Friedensvertrag innere Autonomie zu gewähren.

Sklaven allerdings wurden auch weiterhin auf die Insel gebracht. Unter zumeist unwürdigsten Bedingungen mussten sie auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten; um sie zum Gehorsam zu zwingen, wurden sie gebrannt, gedrosselt und auf alle erdenklichen Arten gefoltert. Besonders nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1781) und nach der Französischen Revolution (1789) kam es fortwährend zu Unruhen, die mit brutaler Gewalt niedergeschlagen wurden. Die letzte und größte Sklavenrevolte auf Jamaika war die Weihnachtsrebellion von 1831 unter der Führung von "Daddy" Sam Sharpe, einem gebildeten Sklaven und Laienprediger, der zum passiven Widerstand aufgerufen hatte. Über 20 000 Sklaven hatten sich der Erhebung angeschlossen, die rasch außer Kontrolle geriet: Plantagen wurden niedergebrannt und deren Besitzer ermordet. Mit dem falschen Versprechen, die Sklaverei abzuschaffen, konnten die Aufständischen schließlich beruhigt werden. Als die britische Kolonialmacht jedoch zur Vergeltung 400 Sklaven aufhängen und Hunderte auspeitschen ließ, erhob sich in England eine Welle des Protests, in dessen Folge sich das jamaikanische Parlament gezwungen sah, die Sklaverei am 1. August 1834 abzuschaffen.

Der Übergang von der Sklavenwirtschaft zu einem auf Lohnarbeit beruhenden System vollzog sich chaotisch. Die meisten Sklaven verzichteten lieber auf die Hungerlöhne, die sie für ihre Arbeit auf den Pflanzungen bekamen, und schlugen sich alleine durch. Die alte Ordnung war aufgehoben und die wirtschaftliche Macht der Plantagenbesitzer unterminiert, aber die politischen Zügel hielt nach wie vor die weiße Pflanzeraristokratie in den Händen, denn nur Grundbesitzer durften das Wahlrecht ausüben. Mulatten wurde 1830 das Bürgerrecht verliehen und liberal gesinnte Mulatten wie George William Gordon traten in den 1860er Jahren für die unterdrückten schwarzen Landarbeiter ein. Während der Seeblockaden im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) kam es zu bedrohlichen Versorgungsengpässen; Verzweiflung und Unzufriedenheit entluden sich in der Morant Bay Rebellion, die von dem schwarzen Diakon Paul Bogle aus den Reihen der Baptisten angeführt wurde. Englische Soldaten unterdrückten auf Befehl des Gouverneurs Edward Eyre diesen Aufstand mit großer Brutalität; Gordon und Bogle wurden gehenkt, Hunderte ausgepeitscht und hingerichtet, Tausende von Wohnungen zerstört. Diese grausame Racheaktion hatte einen Aufschrei der Empörung in England zur Folge, der den Beginn einer aufgeklärteren Epoche unter der Führung liberal gesinnter Gouverneure einläutete.

Dank wachsender Bananenexporte kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der durch die große Depression in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zunächst gestoppt und durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs wieder angeheizt wurde, als die Karibikinseln zu einem wichtigen Nahrungs- und Rohstofflieferanten für Großbritannien avancierten. 1944 erhielten alle volljährigen Jamaikaner das Wahlrecht, 1947 wurde Jamaika von Großbritannien unabhängig und 1962 zog man sich aus der kurzlebigen Westindischen Föderation zurück, nachdem sich ein Großteil der Bevölkerung in einem Referendum für die volle Unabhängigkeit entschieden hatte.

Das politische Geschehen nach der Unabhängigkeit ist vom Vermächtnis zweier Cousins geprägt: Alexander Bustamante gründete kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die erste Gewerkschaft im karibischen Raum und kurz darauf die Jamaikanische Arbeiterpartei (Jamaican Labor Party, JLP). Norman Manleys Nationale Volkspartei (People's National Party, PNP) war die erste politische Gruppierung, die 1938 zu einem Parteitag auf Jamaika zusammentrat. Manleys Sohn Michael führte die PNP Mitte der 1970er Jahre in Richtung eines demokratischen Sozialismus, was eine Kapitalflucht zur Folge hatte, die Jamaika nur schwer verkraften konnte. Die Inflationsrate lag bei 50%, die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe und die Gesellschaft spaltete sich in zwei Lager. Im Vorfeld der Wahl von 1976 kam es zu blutigen Zusammenstößen. Schwer bewaffnete Parteigänger der JLP und der PNP brachten sich gegenseitig in den Partisanenslums von Kingston um, bis der Ausnahmezustand verhängt wurde. Die PNP ging als eindeutiger Sieger aus den Wahlen hervor und Manley sah sich in seiner sozialistischen Marschrichtung bestätigt.

Die amerikanische Regierung stand dem eingeschlagenen Weg skeptisch gegenüber und als Manley enge Kontakte zu Kuba knüpfte, wurde die jamaikanische Regierung mit Hilfe des CIA gestürzt. Das Geschäftsleben stagnierte, mit der Wirtschaft - insbesondere mit dem Tourismus - ging es steil bergab, man lebte im Belagerungszustand. Aus dem blutigen Wahlkampf von 1980, der 700 Menschen das Leben kostete, ging Edward Seaga mit seiner JLP als Sieger hervor. Dem pro-westlichen Seaga gelang es, Jamaikas Wirtschaft etwas zu stabilisieren; er löste die Bindungen mit Kuba und hofierte die amerikanische Regierung unter Ronald Reagan. Mit den relativ friedlichen Wahlen von 1989 kam der wiedererstarkte "moderate Realpolitiker" Manley erneut an die Macht, der 1992 seinem Stellvertreter Percival James Patterson - Jamaikas erstem schwarzem Ministerpräsidenten - die Amtsgeschäfte übergab. Bei den Wahlen von 1993 und 1997 siegte die PNP mit großer Mehrheit und Patterson wurde in seiner Position bestätigt.

Im Frühling 1999 brach auf der ganzen Insel ein Streik aus nachdem die Mineralölsteuer um 30% erhöht wurde. In Kingston und Montego Bay litten besonders, da ihre Zuckerrohrfelder dabei verbrannt wurden. Nach drei Tagen Wüsterei und Protesten musste die Regierung die Steuer wieder senken. Negative Schlagzeilen erhielt Jamaika ebenfalls in 2001 als es 131 Flüchtlinge aus Haiti trotz des Protestes internationaler Menschenrechsorganisationen abschob.

Ein erneuter Ausbruch der Gewalt zwischen Banden in Kingston im Juli 2001 und Januar 2002 forderte 27 bzw. sieben Menschenleben. Die Kriminalitätsstatistiken zeigten, dass die Mordrate so hoch wie nie zuvor war. Im Februar desselben Jahres tötete die Polizei fünf Personen, die gerade einen Tatort verließen, worauf Stimmen laut wurden, die die Gewaltausübung seitens der Polizei in Frage stellten. Trotz alledem sicherte sich Patterson eine vierte Amtszeit. Der Premierminister kündigte im darauf folgenden Jahr an, er hoffe, dass Jamaika bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2007 zur Republik geworden ist und bestätigte auf diese Weise die langsame Entwicklung des Landes weg von seinem ehemaligen Kolonialherrn.

Preisniveau

Mahlzeiten

  • Einfache Mahlzeit: 120-300 J$
  • Restaurant mittlerer Kategorie: 300-800 J$
  • Luxusrestaurant: ab 1200 J$

Übernachtung

  • Billigunterkunft: 900-1500 J$
  • Hotel mittlerer Kategorie: 1500-2000 J$
  • Luxushotel: ab 3600 J$

Währung

Jamaika-Dollar (J$)


  Top Copyright © 2002 Lonely Planet Publications   Drucken Bildergalerie Karte
© 2006 Lonely Planet Publications. Alle Rechte vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung ist es nicht gestattet, die ganze oder auch nur Teile dieser Webseite zu nutzen.