Mexiko

    Drucken Bildergalerie Karte

Die ersten Landesbewohner sind vermutlich schon 20 000 Jahre vor Kolumbus hier eingetroffen. Ihre Nachkommen schufen eine ganze Reihe faszinierender, hoch entwickelter Kulturen, deren Blütezeit von 1200 v.Chr. bis 1521 n.Chr. dauerte. Spuren der Olmeken (1200-600 v.Chr.) sind heute noch in Veracruz und Tabasco zu sehen. Die Zapoteken waren um 300 v.Chr. in Oaxaca angesiedelt und haben auch in Izapa (200 v.Chr. bis 200) bedeutende Tempel und Kunstschätze hinterlassen. Am bekanntesten davon jedoch die Maya, deren Stufentemple vor allem in Yukatan zu bewundern sind und die Azteken, das Volk, das sich Anfang des 14. Jh.s in der Gegend von Tenochtitlán ansiedelte.

Am 21. April 1519 landete Hernán Cortés mit 11 Schiffen, 550 Männern und 16 Pferden an der mexikanischen Küste nahe der heutigen Stadt Veracruz. Die dort ansässigen Indianer zeigten sich freundlich gesinnt und bald wurden dem in der Aztekenhauptstadt Tenochtitlán lebenden Herrscher Moctezuma II. Geschichten von "auf dem Wasser schwimmenden Türmen", in denen sich hellhäutige Menschen befanden, zugetragen. Nach dem Aztekenkalender war 1519 das Jahr, in dem der hellhäutige Gott Quetzalcóatl von Osten her in sein Land zurückkommen sollte. In einigen Städten, deren Bewohner sich gegen die Vorherrschaft der Azteken auflehnten, wurden die Spanier mit Freuden aufgenommen und gewannen so ihre ersten indianischen Verbündeten. Gefolgt von 6000 Indianern marschierten sie auf die Aztekenhauptstadt zu, die in ihrer Größe jede damals existierende spanische Stadt übertraf. Moctezuma lud sie in seinen Palast ein und die nach Gold und Macht strebenden Spanier nahmen ihn prompt als Geisel. Am 13. August 1521 war der letzte Widerstand der Azteken gebrochen. Die Lebensbedingungen der Unterworfenen verschlechterten sich dramatisch, nicht nur auf Grund der brutalen Behandlung durch die Kolonisten, sondern auch in Folge mehrerer Epidemien, hervorgerufen durch von den Spaniern eingeschleppte Krankheiten. Die Zahl der indianischen Bevölkerung, die zur Zeit der Eroberung bei schätzungsweise 25 Millionen lag, betrug im Jahr 1605 nur noch etwas über eine Million.

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert existierte in Mexiko eine Art Apartheidsystem, an dem sich ständige Machtkämpfe entzündeten. Die in Spanien geborenen Kolonisten -peninsulares oder abschätzig gachupines genannt - machten nur einen winzigen Teil der Gesamtbevölkerung aus, galten aber als die Adligen von Neuspanien (wie Mexiko damals hieß), selbst wenn sie aus einfachsten Verhältnissen stammten. Bei Anbruch des 18. Jahrhunderts hatten es die criollos, die in Neuspanien geborenen Nachkömmlinge spanischer Eltern, durch die Ausbeutung von Minen, Handel, Ackerbau und Viehzucht zu Wohlstand gebracht und verlangten nun auch nach politischer, ihrem wirtschaftlichen Einfluss entsprechender Macht. Auf der sozialen Leiter unterhalb der Criollos standen die mestizos, Mischlinge aus Verbindungen zwischen Spaniern und Indianern bzw. den Nachfahren afrikanischer Sklaven, und ganz unten die übrigen Indianer und Afrikaner. Die Chance für einen Aufstand ergab sich 1808, als Napoleon Bonapartes Truppen einen Großteil Spaniens besetzten. Die direkte Kontrolle aus Spanien nahm plötzlich ab und die Rivalität zwischen Peninsulares und Criollos zu. Am 16. September 1810 versammelte der Priester Miguel Hidalgo y Costilla, ein Criollo, seine Gemeinde in der Kirche um sich und stieß seinen legendären Kampfesruf - den Grito de Dolores -aus, mit dem er die Rebellion einleitete. Bis 1821, als Spanien Mexiko in die Unabhängigkeit entließ, kam es immer wieder zu Kampfhandlungen.

Auf die Unabhängigkeit folgten 22 chaotische Jahre, während derer 36 Präsidenten verschlissen wurden und man beachtliche Teile mexikanischen Territoriums an die USA verlor. 1845 sprach sich der US-Kongress für die Annektierung von Texas aus. Dies führte zum mexikanisch- amerikanischen Krieg, in dessen Verlauf US-Truppen Mexiko-Stadt besetzten. Bei Kriegsende wurde der Vertrag von Guadalupe Hidalgo (1848) unterzeichnet, in dem Mexiko das heutige Texas, Kalifornien, Utah, Colorado sowie den größten Teil New Mexicos und Arizonas an die USA abtrat. 1862 hatte Mexiko bei Großbritannien, Frankreich und Spanien einen so gewaltigen Schuldenberg angehäuft, dass diese Länder eine alliierte Truppe nach Mexiko sandten, um ihr Geld einzutreiben. Unter Führung des habgierigen Napoleon III. entschloss sich Frankreich zu einem weiteren Schritt und versuchte, aus Mexiko eine französische Kolonie zu machen, was erneut zu einem Krieg führte. 1864 setzte Napoleon den österreichischen Erzherzog Maximilian von Habsburg als Kaiser von Mexiko ein, doch dessen Herrschaft währte nicht lange. Er wurde von dem noch heute verehrten Benito Juarez, einem Zapoteken aus Oaxaca nach blutigen Auseinandersetzungen abgesetzt.

Unter der Diktatur von Porfirio Díaz, der 33 Jahre lang (1878-1911) regierte, erlebte das Land eine Phase relativer Stabilität. Das Motto von Díaz lautete "Ordnung und Fortschritt" und es gelang ihm, Mexiko ins industrielle Zeitalter hineinzuführen und aus den Kriegen herauszuhalten, die Mexiko über 60 Jahre lang in Atem gehalten hatten. Doch die Ruhe im Lande musste teuer bezahlt werden: Jegliche politische Opposition war verboten und es gab weder eine freie Presse noch freie Wahlen. Für "Ordnung" sorgte eine alles andere als zimperliche Armee. Die wachsende Unzufriedenheit mit dem Díaz-Regime resultierte in Streiks, die der Mexikanischen Revolution vorausgingen. Die Revolution war allerdings kein eindeutiger Kampf zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, sondern eine zehn Jahre andauernde Periode, während derer eine ganze Reihe von Anführern sich mal verbündeten, mal verfeindeten und mehrere Versuche, eine stabile Regierung zu bilden und dem Land den Frieden zu bringen, an neuen blutigen Unruheherden scheiterten. Die Revolutionäre waren in zwei Lager gespalten: Hier die liberalen Reformer, da die radikaleren Streiter wie Emiliano Zapata, die für die Verteilung des Großgrundbesitzes an die Bauern kämpften. Die zehn Jahre währenden Bürgerkriegswirren forderten schätzungsweise eineinhalb bis zwei Millionen Menschenleben - d. h. ungefähr jeder achte Mexikaner fiel dem Krieg zum Opfer. Nach der Revolution richtete sich das politische Augenmerk vor allem auf die Erschließung bzw. den Wiederaufbau der Infrastruktur, also auf den Bau von Schulen, Straßen, Wasserkraftwerken und Bewässerungsanlagen. 1934 übernahm die (bis heute regierende) Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) die Macht im Staate und rief ein Reform- und Landverteilungsprogramm ins Leben.

1966 kam es dann erstmals wieder zu zivilen Unruhen, als Studenten in Mexiko-Stadt auf die Straße gingen und ihrem Unmut über den korrupten, konservativen Verwaltungsapparat von Díaz Luft machten. Die Unzufriedenheit mit der Einparteienherrschaft, der eingeschränkten Redefreiheit und den horrenden Summen, die die Regierung verschwendete, schlug noch höhere Wellen kurz vor den Olympischen Spielen von 1968, die in Mexiko- Stadt ausgetragen wurden. Diesmal eröffnete die Armee das Feuer und richtete ein Blutbad an wehrlosen Demonstranten an.

Der Ölboom der späten 70er Jahre brachte Geld in die mexikanischen Staatskassen und einen ordentlichen Aufschwung für Industrie und Landwirtschaft, doch die Ölschwemme Mitte der 80er ließ die Preise in den Keller fallen und stürzte Mexiko in die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten. Nicht weiter überraschend, ging mit den ökonomischen Schwierigkeiten eine Zunahme organisierter Polittätigkeit, sowohl der Linken als auch der Rechten, einher. Ein besonders harter Schlag in dieser Situation war das Erdbeben vom 19. September 1985, das die Stärke acht auf der Richterskala erreichte und Schäden in Höhe von mehr als vier Milliarden US-Dollar verursachte. In Mexiko-Stadt stürzten Hunderte von Gebäuden ein, Tausende Menschen wurden obdachlos und mindestens 8000 kamen zu Tode.

Im Anschluss an die Wahlen von 1988, bei denen er nach Meinung vieler gar nicht die Mehrheit der Stimmen gewonnen hatte, übernahm Carlos Salinas de Gortari das Präsidentschaftsamt. Trotz seines mehr als umstrittenen Wahlsiegs erlangte er bald einige Popularität, denn es schien, als habe er ein Rezept gegen die lähmende Staatsverschuldung und die galoppierende Inflation gefunden. Ein weit reichendes Privatisierungsprogramm und die damalige günstige Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten führten dazu, dass Mexiko in der internationalen Presse als Paradebeispiel für die Segnungen des Freien Markts gelobt wurde. Den Höhepunkt von Salinas ökonomischen Reformen bildete NAFTA, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen, das am 1. Januar 1994 in Kraft trat. Die Befürchtungen, dass NAFTA die Armut unter den indianischen Bauern verstärken würde, mündeten in einen Aufstand der so genannten Zapatistas im südlichen Bundesstaat Chiapas. An dem Tag, an dem NAFTA Gesetzeskraft erlangte, versetzten rund 2000 Bauern ganz Mexiko in Angst und Schrecken, indem sie San Cristóbal de las Casas und andere Städte der Region besetzten und mehr soziale Gerechtigkeit für die unterdrückte indianische Bevölkerung forderten. Dieser Aktion folgten Unruhen in weiten Teilen von Chiapas, in deren Verlauf Kleinbauern gewaltsam Hunderte von Ländereien und Gehöften an sich brachten. Mindestens 145 Menschen wurden getötet, bevor sich die Rebellen und das mexikanische Militär auf einen Waffenstillstand einigten. Der Rebellenanführer, eine vermummte Gestalt, die bis heute nur unter dem Namen Subcomandante Marcos bekannt ist, geriet zum Volkshelden.

Im März 1994 wurde Luis Donaldo Colósio, der designierte Nachfolger von Salinas, ermordet. Mit 49% der Stimmen wählte man dessen Ersatzmann, den 43 Jahre alten Ernesto Zedillo, zum neuen Präsidenten. Wenige Tage nach Zedillos Amtsübernahme gab der Peso, die mexikanische Währung, plötzlich nach und das Land stürzte praktisch über Nacht in eine schwere Wirtschaftskrise. Diese zog u. a. einen erheblichen Anstieg der Kriminalitätsrate, zunehmende Unzufriedenheit mit der PRI und eine Auswanderungswelle von Mexikanern in die USA nach sich. Es wird angenommen, dass gegen 1997 jährlich mehr als 2,5 Millionen Mexikaner auf illegalem Weg in die Vereinigten Staaten einreisten. Zedillos politische Maßnahmen holten Mexiko schrittweise wieder aus der Talsohle. Ungeachtet eines durch internationale Wirtschaftsfaktoren hervorgerufenen Einbruchs im Jahr 1998 lag die mexikanische Kaufkraft gegen Ende von Zedillos Amtszeit im Jahr 2000 fast wieder bei der von 1994.

Bei den freiesten und fairsten Nationalwahlen seit der Mexikanischen Revolution von 1910-1920 schlug der Präsidentschaftskandidat der Nationalen Aktions-Partei (PAN) und ehemalige Coca-Cola- Mitarbeiter Vicente Fox den von Zedillo persönlich ausgesuchten PRI-Kandidaten Francisco Labastida. Mit dem Wahlergebnis vom 2. Juli 2000 ging die 71-jährige Herrschaft der PRI unweigerlich zu Ende. Der Machtwechsel verläuft relativ friedlich (wenn auch nicht ganz ohne Ausschreitungen), doch eine befriedigende Lösung der Chiapas-Frage ist ebenso wenig in Sicht wie eine wirksame Verbrechensbekämpfung oder die Bewältigung der wirtschaftlichen Probleme. Präsident Fox hat sich den USA nach dem 11. September 2001 genähert und tritt als Staatsmann mit weltpolitischen Ambitionen auf. Gerüchte über Korruption in Regierungskreisen, Drogenkriminalität und steigende Kriminalitätsrate sind trotzdem weiter in den Schlagzeilen.

Preisniveau

Übernachtung

  • Billigunterkunft: 10-20 US-Dollar
  • Mittelklassehotel: 20-70 US-Dollar
  • Luxushotel: Ab 200 US-Dollar

Mahlzeiten

  • Preiswertes Essen: 2-8 US-Dollar
  • Restaurant mittlerer Kategorie: 8-20 US-Dollar
  • Luxusrestaurant: ab 50 US-Dollar

Währung

Peso ($)


  Top Copyright © 2002 Lonely Planet Publications   Drucken Bildergalerie Karte
© 2006 Lonely Planet Publications. Alle Rechte vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung ist es nicht gestattet, die ganze oder auch nur Teile dieser Webseite zu nutzen.