Venezuela
| Drucken Bildergalerie Karte |
Zur Zeit der spanischen Konquista lebten in der Region ungefähr 500 000 Menschen, zumeist Angehörige drei verschiedener Sprachgruppen: Cariban, Arawakken und Chibcha. Der erste Europäer, der seinen Fuß auf die Erde des heutigen Venezuela setzte, war Kolumbus (1498). Ein Jahr später gab der Entdecker Alonso de Ojeda dem Land seinen jetzigen Namen: Venezuela -"Klein-Venedig". Die erste spanische Niederlassung auf dem Festland wurde 1521 bei Cumaná gegründet.
Die indigene Bevölkerung setzte den Kolonisationsbestrebungen der Spanier und der Deutschen (bis 1546 stand das Land zeitweilig unter Verwaltung von Statthaltern der Welser), die auf der Suche nach dem sagenhaften El Dorado eine Spur von Tod und Verwüstung hinterließen, erbitterte Gegenwehr entgegen. Aber nachdem zahlreiche Volksstämme europäischen Krankheiten wie den Masern, die allein im Tal von Caracas zwei Drittel der Einheimischen dahinrafften, zum Opfer gefallen waren, mussten sie ihren Widerstand aufgeben.
Da es in Venezuela kaum Gold oder Silber zu holen gab, ließ das Interesse der Kolonialherren schnell nach, was wiederum den Unmut und Zorn der in Amerika geborenen spanischen "Elite" nach sich zog. Nach wechselvollen Kämpfen gelang es dem jungen Simón Bolívar, in Südamerika El Libertador ("der Befreier") genannt, die spanischen Machthaber aus dem Land zu vertreiben. Venezuela erlangte die Unabhängigkeit 1821, nach einem glorreichen Sieg der Truppen Bolívars über die Spanier bei Campo Carabobo nahe Valencia - einen entscheidenden Beitrag lieferten britische Söldner sowie ein Reiterheer aus Los Llanos. Bolívar hatte schon Kolumbien befreit und machte sich zusammen mit seinem Mitstreiter Leutnant Antonio José de Sucre daran, auch Ecuador, Peru und Bolivien in die Unabhängigkeit zu führen. Seinem Traum von einem vereinigten Staat Groß-Kolumbien - der tatsächlich von 1819-1822 existierte und Kolumbien, Venezuela und Ecuador umfasste - war allerdings nur eine kurze Dauer beschieden. 1830, im Todesjahr von Bolívar, erklärte Venezuela die völlige Unabhängigkeit und verabschiedete eine neue Verfassung.
Die Zeit nach der Unabhängigkeit ist von mehreren Militärdiktaturen und Staatsstreichen, verbunden mit ökonomischer Instabilität gekennzeichnet. Erst die Entdeckung gewaltiger Erdölvorkommen im Maracaibo-Becken nach 1910 brachte dem Land einen gewissen Wohlstand. Gegen Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts war Venezuela der größte Erdölexporteur weltweit, doch von dem neu gewonnenen Reichtum floss kaum etwas in die Taschen des kleinen Mannes. Zunehmende Verarmung und ein völlig unzureichendes Bildungs- und Gesundheitswesen führten zu mehreren Volksaufständen und schließlich zu den ersten demokratischen Wahlen im Jahr 1947.
Ungeachtet der jüngeren, relativ stabilen politischen Lage gerät Venezuela immer wieder wegen Korruptionsskandalen und drohenden Militärputschen in die Schlagzeilen. Seit der weltweiten Ölkrise und dem Preisverfall von 1988 ist die Wirtschaftslage sehr schwankend. Schon 1994 brachten die verfassungswidrigen Maßnahmen des damaligen Präsidenten Caldera gegen Börsenspekulation und Beschneidung der Bürgerrechte liberale Kräfte in Aufruhr, aber erst Anfang 1996 kehrte sich auch die Öffentlichkeit gegen ihn. Die Regierung hatte mit harter Hand versucht, die galoppierende Inflation und den alarmierenden Währungsverfall in den Griff zu bekommen, doch der aufgeblähte Beamtenapparat widersetzte sich der verordneten Fastenkur. Nun bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die tief verwurzelte, anachronistische Wirtschaftskultur Venezuelas entwickelt und ob - nicht zuletzt angesichts der momentanen Preislage auf dem Erdölmarkt - vielleicht sogar irgendwann wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.
Bei den Wahlen im Dezember 1998 verliehen die Venezolaner ihrer Unzufriedenheit mit der ohnmächtigen Staatsmacht Ausdruck, indem sie den ehemaligen Oberst Hugo Chávez zum Präsidenten wählten. Chávez siegte mit überwältigender Mehrheit – seit 40 Jahren hatte niemand einen derartigen Stimmenvorsprung erlangt. Erst sechs Jahre zuvor hatte Chávez einen Putschversuch gegen die damalige Regierung unternommen und dafür eine zweijährige Gefängnisstrafe verbüßt. Im Jahr 2000 wurde Chávez mit beträchtlicher Stimmenmehrheit für eine weitere Amtsperiode von sechs Jahren wiedergewählt.
Chávez ist ein charismatischer Volksvertreter, der sogar seine eigene Fernsehschau besaß, in der er Telefonanrufe entgegennahm und Lieder sang. Seine Regierung war während einer turbulenten Phase am Ruder, für die sie selbst nur teilweise durch Misswirtschaft und politisches Ungeschick verantwortlich war. Die nationalen Schlüssel-Institutionen, darunter die Medien, Banken, Kirche, Teile der Streitkräfte und die verstaatlichte Treibstoffindustrie hatten die Regierung destabilisiert. Weitverbreitete Demonstrationen folgten und im April 2002 kam es zu einem Putsch - von den USA und Spanien abgesegnet - der Chávez ins Gefängnis brachte. Durch und durch ein militärischer Mann, war er jedoch innerhalb von drei Tagen wieder im Amt.
Jedoch war das nicht das Ende der Auseinandersetzungen und der Unruhen, von denen das Land geplagt wurde. Durch einen neun Wochen dauernden Generalstreik im Jahr 2003 wurde das Vertrauen in Chávez weiter ausgehöhlt, und Rufe nach einer Volksabstimmung über seine Herrschaft ließen nicht lange auf sich warten. Nach einigem Zögern und Zaudern seitens Chávez hinsichtlich der Abstimmung wurde sie schließlich im August 2004 durchgeführt von von Chávez gewonnen, so dass er jetzt auf jeden Fall noch bis 2006 im Amt bleiben darf.
Preisniveau
Mahlzeiten
- Billiges Essen: 6000-13 000 Bs
- Mittelklasserestaurant: 13 000-28 000 Bs
- Luxusrestaurant: ab 40 000 Bs
Übernachtung
- Einfaches Zimmer: 20 000-50 000 Bs
- Mittelklassehotel: 50 000-115 000 Bs
- Luxushotel: ab 230 000 Bs
Währung
Venezuelischer Bolívar (Bs)








