Leben in der Nähe des Nordpols
Die Reise zur norwegischen Inselgruppe Svalbard ist wie das Überschreiten einer unsichtbaren Grenze im Kopf. Zerklüftete natürliche Wälle, gewundene Fjorde und gewaltige Eisschollen erstrecken sich bis zum Horizont, scheinbar bis zum Ende der Welt. Je nach Jahreszeit und den kapriziösen Launen des extremen arktischen Klimas lassen dichte Wolken Fragmente der Landschaft nur erahnen, als ob sie Geheimnisse verbergen würden. Greller Sonnenschein erhellt das Eis und der ewige Mond taucht die Landschaft in das seltsame blaue Dämmerlicht der Polarnacht. In Svalbard reduziert sich das Leben auf einige seiner spannendsten Elemente in dem Bestreben, der allgemeinen Vorstellung vom arktischen Norden gerecht zu werden.
Tief im Inneren des Polarkreises, viel näher am Nordpol als an Oslo gelegen, ist Svalbard eines der letzten intakten Wildnisgebiete Europas und das am leichtesten zugängliche Stück Nordpol der Welt, außerdem eines der gewaltigsten Monumente der Natur. 60% der Fläche von Svalbard sind von Gletschern bedeckt. Hier leben mehr Eisbären (rund 3.000) als Menschen (rund 2.500). Vier Monate im Jahr (vom 20. April bis zum 21. August) berührt die Sonne kaum den Horizont und geht niemals unter, während sie in der vier Monate andauernden Nacht (vom 26. Oktober bis zum 16. Februar), wenn das Polarlicht über den Himmel tanzt, erst gar nicht aufgeht.
Mensch und Umwelt - nicht immer eine einfache BeziehungBei aller Magie, die Svalbards Bevölkerungsstatistik beinhaltet: In Longyearbyen, der größten Siedlung, zeigt sich deutlich die schwierige Beziehung zwischen der Menschheit und der arktischen Umwelt. In der Stadt zeichnen sich die verlassenen Trümmer einer industriellen Vergangenheit und die hässlichen Narben der Kohlebergwerke, welche die Wirtschaft des Archipels noch immer antreiben, unbehaglich vor der Kulisse einer unberührten Wildnis ab, die durch einige der strengsten Umweltgesetze der Welt geschützt wird. Wilde Rentiere, Polarfüchse und Eisbären zeigen sich regelmäßig im Hinterland der Stadt, auch wenn Svalbard noch immer von den Jagdexpeditionen geprägt ist, die jahrhundertelang viele arktische Spezies an den Rand der Ausrottung gebracht haben. Hier erzählt sich die Geschichte von den besten und schlechtesten Beweggründen der Menschheit, Einfluss zu nehmen auf eine Umwelt, die sich vielleicht schon zu Lebzeiten unwiederbringlich verändert haben wird.
Auf ins Abenteuer!Glücklicherweise ist Svalbard eines der aufregendsten Reiseziele für Abenteuertourismus in Europa. Das Angebot der ganzjährig angebotenen Aktivitäten - die Website des Svalbarder Fremdenverkehrsamtes (www.svalbard.net) zeigt eine umfangreiche Liste und die entsprechenden Buchungsmöglichkeiten - beinhaltet Wanderungen, Gletscherspaziergänge, Kajak- und Bootstouren von einem bis zu zehn Tagen im Sommer oder Hundeschlitten- oder Motorschlittenfahrten im Winter. Auch wenn diese Aktivitäten bereits an sich einen gewissen Reiz ausüben - ihre tatsächliche Anziehungskraft liegt in der Möglichkeit, dadurch das unbewohnte Innere von Svalbard zu erkunden, ein Gebiet mit weniger als 50km Straßen.
Lasse die moderne Welt hinter Dir und dringe in Begleitung einer Meute Huskies in die Tiefe der Arktis vor, sause auf einem Schneemobil durch abgeschiedene Täler und beobachte dabei die Eisbären, oder wandere hoch oben auf der Eisdecke und genieße in eindringlicher Stille die atemberaubende Aussicht. Genau das sind sie, die kultigen Erlebnisse in Svalbard, die Dich in eine Arktis entführen, wie Du sie Dir niemals hättest erträumen können.
Und wie es immer in der Arktis passiert: Die Erkundung von Svalbard über seine irgendwie schon leicht schmuddeligen Ortschaften hinaus lässt Echos der Vergangenheit erklingen. Svalbard befand sich einst an der äußersten Grenze der bekannten Welt und war der Ausgangspunkt für einige der fantastischsten Erzählungen der Nordpolexpeditionen. Auch wenn sich die Gefahren einer Reise durch Svalbard in gleichem Maße vermindert haben, wie der Komfort für Reisende, die sich auf das Eis trauen, gestiegen ist - die Inspiration, hierher zu kommen, ist weitgehend unverändert: in eine gefrorene Wildnis einzutauchen und den echten Pioniergeist einer Reise an den Nordpol zu erleben.
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