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5 wunderbare Wochenend-Trips in Europa
Neues ganz nah erleben
Wenn der Alltag drückt und das Fernweh ruft, braucht es nicht immer die große Weltreise. Manchmal reichen schon ein paar gestohlene Stunden zwischen Freitagabend und Sonntagnacht um sich in einer anderen Welt zu verlieren. Oder noch besser eines der verlängerten Wochenenden. Europa hält dafür einen unerschöpflichen Vorrat bereit: zerklüftete Adriaküsten, böhmische Brauereien, flämische Pflastersteine, sturmgepeitschte Atlantikinseln und sanfte Schwarzwaldhügel.
Fünf Wochenenden, fünf Stimmungen und fünfmal das Versprechen am Sonntagabend ein bisschen reicher zurückzukommen. Wir haben dir 5 wunderbare Wochenend-Trips aus jeder Region Europas rausgesucht, die (noch) nicht hoffnungslos überlaufen und teuer sind.
Warum nicht dieses Mal das Unbekannte in Europa erleben? Ein Glas Bier in Pilsen, dort getrunken, wo es seit 1842 gebraut wird. Ein Spaziergang über die Pflastersteine von Gent, wo moderne Street-Art der Mittelalter-Architektur einen neuen Anstrich verpasst. Der Wind auf den Färöer-Inseln, der einem jegliche Erinnerungen an Großstadt-Stress und Hektik erfolgreich aus dem Kopf bläst. Oder ein herrlicher Sonnenuntergang über der Bucht von Kotor.
Übrigens sind die folgenden Trips aus dem Lonely Planet Bildband „100 Weekends in Europa“.
Wochenende im Süden Europas: Montenegros Küste
Wer Montenegro zum ersten Mal sieht, reibt sich verwundert die Augen. Die Bucht von Kotor wirkt, als hätte jemand einen norwegischen Fjord ans warme Mittelmeer verpflanzt. Steile Berge stürzen ins tiefblaue Wasser, mittelalterliche Städtchen kleben an den Hängen, und über allem wacht das Lovćen-Massiv, der „schwarze Berg“, der dem Land seinen Namen gab.
Kotor selbst ist ein Märchen aus Stein. Hinter den massiven venezianischen Befestigungsmauern verliert man sich in einem Labyrinth aus Gassen, in denen unzählige Katzen schnurrend die Treppenstufen besetzen – nicht umsonst gibt es hier sogar das Katzenmuseum Cattaro. Wer Mut zur Höhe und stramme Waden hat, klettert die 1.350 Stufen zur Festung San Giovanni hinauf.
Hoch hinaus geht es auch auf der Serpentinenstraße zum Lovćen-Nationalpark: 25 Haarnadelkurven auf 17 Kilometern, kühler Kopf erforderlich, aber jede Kurve ein neues Postkartenmotiv. Oben thront das Mausoleum des Fürstbischofs Petar II. Petrović-Njegoš auf einem Felsvorsprung, der den Blick über das halbe Land freigibt.
Wer es ruhiger mag, fährt nach Sveti Stefan, dieser hinreißend kitschigen Halbinsel, die einst Fischerdorf war und heute Luxusresort ist. Abends sitzt man am Hafen, isst gegrillten Fisch, der morgens noch im Wasser schwamm, trinkt einen Vranac, den robusten Rotwein des Balkans und hört das Meer leise rauschen. Mehr braucht es nicht, oder?
Wochenende in der Mitte Europas: Reiche Natur Tschechiens
Manche Reiseziele riechen nach Salzwasser, andere nach Lavendel. Pilsen riecht nach Hopfen und Malz. Hier, im Westen Tschechiens, wurde 1842 das erfunden, was heute weltweit als „Pils“ bekannt ist. Eine Führung durch die Pilsner Urquell Brauerei ist Pflicht, ebenso ein Abstieg in das elf Kilometer lange Kellerlabyrinth unter der Stadt, wo das Bier seit Jahrhunderten gelagert wird. Wer ganz tief eintauchen will, gönnt sich im Kurbad Purkmistr sogar ein echtes Bad in warmem Bier oder kann sein Wissen im Biermuseum vertiefen.
Doch Pilsen ist mehr als die Wiege des hellen Lagers. Die St.-Bartholomäus-Kathedrale mit dem höchsten Turm Tschechiens (103 Meter!) belohnt den Aufstieg mit einer Aussicht, die bis nach Bayern reicht. Die Große Synagoge im maurischen Stil ist die zweitgrößte Europas.
Wer die Stadt verlässt, versinkt in das sanft hügelige Böhmen. Die Burg Křivoklát, eine ehemalige königliche Jagdresidenz aus dem 13. Jahrhundert, versteckt sich in dichten Wäldern. Karlsbad lockt mit Belle-Époque-Eleganz und schwefelhaltigen Heilquellen, die schon Goethe, Zar Peter den Großen und Kaiser Franz Joseph empfingen. Der Slavkov-Wald, ein fast unbewohntes 610 Quadratkilometer großes Biosphärenreservat, ist durchzogen von herrlichen Wanderwegen, in denen man stundenlang keiner Menschenseele begegnet.
Wochenende im Westen Europas: Städtetrip nach Gent
Brügge ist berühmt. Brügge ist überlaufen. Gent dagegen ist das, was Brügge gerne wäre: eine flämische Hafenstadt voller Charme, mit einer mittelalterlichen Altstadt und einer progressiven Energie, die nur junge Universitätsstädte haben können. Schon der erste Spaziergang entlang der Leie verrät, warum Gent im Mittelalter zu den reichsten Städten Europas gehörte.
Die kopfsteingepflasterten Gassen, die hohen Stufengiebel, die Spiegelung der Fassaden im Wasser – das alles wirkt, als sei jemand mit einem Pinsel durch die Stadt gegangen und hätte die Vergangenheit liebevoll restauriert. Die Grafenburg, eine echte Ritterburg mitten im Stadtzentrum, lässt sich mit einem Audioguide erkunden, der einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringt. Auf den 91 Meter hohen Belfried zu steigen belohnt mit einem Blick über die Dächer der Stadt sowie einer Begegnung mit dem berühmten Drachen.
Wer das junge, kreative Gent kennenlernen will, biegt in die Werregarenstraat ein, eine schmale Gasse, in der Streetart-Künstler die Wände regelmäßig neu bemalen dürfen. Ein lebendes Kunstwerk, jeden Tag anders. Dabei bleibt die Umgebung stets angenehm ruhig, denn Gent und insbesondere das historische Zentrum sind autofrei bzw. verkehrsberuhigt.
Hunger? In der Brasserie Pakhuis, einem 600 Quadratmeter großen ehemaligen Lagerhaus, isst man französisch-belgische Klassiker unter minzfarbenen Stahlträgern. Natürlich darf das traditionelle Cuberdon nicht fehlen, dieses violette, himbeerduftende Bonbon, das man am besten direkt auf dem Groentenmarkt kauft.
Wochenende im Norden Europas: Färöer-Inseln
Es gibt Reisen, die vielleicht nicht für jeden gemacht sind. Die Färöer gehören dazu. Wer hierherkommt, sollte den Wind lieben, das Grau nicht fürchten und eine echte Sehnsucht nach Stille mitbringen. Wer das tut, erlebt eines der eindrucksvollsten Wochenenden, die Europa zu bieten hat.
Die 18 Inseln des Archipels, mitten im Nordatlantik zwischen Schottland und Island gelegen, sind extrem dünn besiedelt. Hier leben nur 52.000 Menschen, dafür rund eine halbe Million Schafe. Schon der Anflug auf Vágar, die Hauptinsel mit dem Flughafen, offenbart smaragdgrüne Klippen, die senkrecht ins Meer abfallen, eingehüllt in tiefhängenden Nebel.
Moment, das Bild kenn ich doch! Der berühmte Wasserfall Múlafossur bei Gásadalur, ein beliebtes Foto-Motiv, stürzt direkt von der Klippe ins Meer. Auf Mykines, der westlichsten Insel, lassen sich im Sommer Tausende Papageitaucher beobachten, diese tollpatschigen, bezaubernden Vögel mit ihren bunten Schnäbeln. In Tórshavn, der wohl gemütlichsten Hauptstadt Europas, schlendert man durch das alte Viertel Tinganes mit seinen tiefroten Holzhäusern und grasbewachsenen Dächern.
Wer mag, wandert zum Sørvágsvatn, dem größten See der Färöer, der durch eine optische Täuschung über dem Meer zu schweben scheint. Oder du traust dich an ræst, die färöische Spezialität aus luftgetrocknetem, fermentiertem Fisch oder Lamm. Wie gesagt, nicht für jeden. Die Färöer lehren einen das Staunen und das Aushalten. Und beides ist gut für die Seele.
Wochenende um die Ecke: Baden-Württemberg
„Nett hier, aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“ Die Sticker dieser Marketing-Kampagne finden sich bekanntlich auf der ganzen Welt an den entlegensten Orten wieder. Manchmal liegt das schönste Wochenende näher, als man denkt. Hier wechseln sich dichte Tannenwälder mit sanften Weinhängen ab, romantische Burgen mit avantgardistischen Museen, schwäbische Gemütlichkeit mit weltoffener Eleganz.
Von vielen unterschätzter Ausgangspunkt ist Stuttgart. Die Staatsgalerie sowie das Kunstmuseum gehören zu den besten Adressen Deutschlands. Dazu ziehen das Mercedes- und das Porsche-Museum Auto-Fans aus aller Welt an. Wer aktiv werden will, schwingt sich auf den Radel-Thon, eine 83 Kilometer lange idyllische Rundtour durch Weinberge und Wälder, die einmal um Stuttgart herumführt. Oder paddelt im Kanu auf dem Neckar bei Esslingen, dessen mittelalterliche Altstadt mit ihren bunten Fachwerkhäusern wie aus einem Märchen wirkt.
Vom Stadtleben in die Natur ist es nur ein Katzensprung: Der Schwarzwald lockt mit 24.000 Kilometern markierter Wanderwege, mit dichten Tannenwäldern, rauschenden Wasserfällen und Dörfern, in denen Kuckucksuhren noch von Hand gefertigt werden. Karlsruhe, das deutsche Versailles mit seiner einzigartigen fächerförmigen Stadtanlage, ist dabei nur eine Stunde mit dem Zug entfernt. Und das Naturschutzgebiet Rastatter Rheinaue, direkt am Rhein gelegen, bietet ein zusätzliches Paradies für Vogelbeobachter und Radfahrer.
Zur Belohnung gibt es Maultaschen, jene große schwäbische Spezialität, die je nach Lust mal in Brühe, mal mit Kartoffelsalat, mal mit Zwiebeln und Eiern serviert wird. Oder, in der Nähe des Schwarzwaldes, ein Glas Riesling vom Kaiserstuhl.
