Antarktis – weiß, öde, langweilig? Von wegen!

Bis ins 16. Jahrhundert gehen die Aufzeichnungen über die Antarktis zurück, doch der 16. Januar 1820 gilt als der Tag, an dem das antarktische Festland das erste Mal durch Forscher gesichtet wurde. Seitdem hält die Faszination für den südlichsten Kontinent an. Eine Gesamtfläche von 52 Mio. km², eine Eisdecke von bis zu 4,5 km Stärke, die rund 75 Prozent der irdischen Süßwasserreserven lagert, eine Oberfläche, die bis zu 96 Prozent nur aus Eis besteht, und Pinguine, soweit das Auge reicht – soweit die harten Fakten.

Doch über die Antarktis gibt es weit mehr zu erzählen. Wusstest Du zum Beispiel schon, dass sie mit dem Laubert-Gletscher den längstenund größten Gletscher der Erde beherbergt oder dass sie mit einer Landfläche von 21,2 Mio. km² der zweitkleinste Erdteil ist – also noch größer als Australien?

Was ist der Antarktis-Vertrag?

Der Antarktisvertrag wurde im Jahr 1991 aufgesetzt, heute haben ihn bereits 50 Länder unterschrieben. Sein Ziel ist es, menschliche Eingriffe zu begrenzen und den Ressourcenabbau von Bodenschätzen wie zum Beispiel Eisenerz, Chrom, Kupfer oder Gold in der Antarktis zu untersagen. Das Schriftwerk legt zudem ein Verbot militärischer Aktivitäten und der Beseitigungen radioaktiver Abfälle fest. In 14 Artikeln regelt es unter anderem auch territoriale Ansprüche, den Umweltschutz, den Umgang mit historischen Stätten und Denkmälern, die Erhaltung der Meeresschätze sowie den Schutz der Robben.

Mehr Infos gibt’s hier:
Den Antarktisvertrag kannst Du online beim Umweltbundesamt oder beim BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) downloaden. Das Umweltbundesamt hat außerdem einen Besucher-Leitfaden in das Dokument aufgenommen, in dem Du hilfreiche Tipps zu Deiner Reise findest.

Wem gehört die Antarktis?

Wer einen Urlaub plant, weiß meist, wem das Land rechtlich gehört. Bei der Antarktis ist das aber gar nicht so einfach, denn sie wird in verschiedene Territorien unterteilt, auf die wiederum verschiedene Nationen Anspruch erheben. So halten Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neuseeland, Norwegen und Großbritannien Teile der Antarktis. Der 1961 in Kraft getretene Antarktisvertrag untersagt zwar auf der einen Seite Gebietsansprüche, fror bestehende Ansprüche aber lediglich ein und regelte so nur, dass südlich des 60. Breitengrads keine neuen Ansprüche mehr erhoben werden dürfen. Deutschland hat übrigens nie Gebietsansprüche erhoben.

Vulkane in der Antarktis – ernsthaft?

In der Tat. 20 Unterwasser-Vulkane wurden bislang in der Antarktis entdeckt, von denen sieben sogar über die Wasseroberfläche hinausragen. Forscher gehen davon aus, dass die Vulkane immer noch aktiv sind. Gewiss ist dies bei den Marie Byrd-Seamounts, deren besondere Entstehungsgeschichte erst im Jahr 2013 aufgedeckt wurde: Weder durch aneinandergrenzende Erdplatten noch innerhalb der Erdplatten ist dieser Vulkan entstanden, sondern durch Temperaturunterschiede unter der Erdkruste. Heißes Gesteinsmaterial ist unter die ozeanische Platte gelangt, verschaffte sich durch Risse und Spalten seinen Weg nach draußen, wandelte sich in Magma – und legte vor rund 60 Mio. Jahren den Grundstein für die Marie Byrd-Seamounts.

Wie kalt ist es eigentlich in der Antarktis?

-89,2° C: So kalt ist es bislang nur 1983 in der Antarktis geworden. Doch auch sonst empfiehlt sich warme Kleidung. Zwischen Dezember und Januar können auf dem Thermometer zwar kleine Plusgrade abgelesen werden, dies aber auch nur in der wärmsten Region, der Antarktischen Halbinsel. Im Inneren beschert der Sommer den Bewohnern -20 °C. Wer zum Höhepunkt des antarktischen Winters, also zwischen Juni und Juli, eine Reise wagt, muss sich auf bis zu -70° C einstellen. Die Temperaturen sind aber nicht nur eine Herausforderung für den Menschen: Auch die Tiere verlassen die Antarktis, sobald der Winter anbricht. Lediglich die heimischen Pinguine sind aufgrund der Isolierfunktion ihres Körpers in der Lage, Wärme für die wichtigsten Organe zu speichern. So können sie sich sogar um ihren Nachwuchs kümmern. Der Urpinguin hatte hier wohl besonders viel zu tun, er war immerhin so groß wie der heutige Mensch.

Wer wohnt in der Antarktis?

Ureinwohner sucht man in der Antarktis vergebens. Es leben hier neben zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, bestehend aus Moosen, Flechten oder auch Algen, lediglich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus allen Ecken der Erde, die das raue Klima, die ständige Helligkeit zur Zeit des Polartages sowie die Dunkelheit der Polarnacht und die Abgeschiedenheit ohne Radio, Fernsehen oder Telefon auch über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg nicht scheuen. Rund 1.000 Personen sind es im Winter, etwa 4.000 im Sommer. Dem gegenüber stehen übrigens zirka 600.000 Pinguine.

Abenteuerspielplatz Antarktis

Die Antarktis ist inzwischen zu einem großen Abenteuerspielplatz geworden. Dies berichten Umweltschützer, die sich zunehmend Sorgen darüber machen, dass Aktivitäten wie Wasserski, Tauchen oder Fallschirmspringen der Natur nachhaltigen Schaden zufügen. Die Sorge ist nicht ganz unbegründet: Jährlich reisen etwa 35.000 Besucher in das eisige Gebiet, meist in einer mehrtägigen Reise per Schiff von Argentinien, Chile, Neuseeland oder Australien aus. Betrieben werden diese zwar nicht mehr mit Schweröl, aber auch die erforderliche Menge leichtes Öl kann zu Wasserverschmutzungen führen. Interessant daran ist, dass es neben dem Verbot von Schweröl inzwischen zahlreiche UN-Regeln für Antarktisreisen gibt, kaum eine allerdings verbindlich ist. Geplant ist deshalb ein Polarkodex, um die Sicherheitsstandard der Schiffe ein für alle Mal zu regeln. Dessen Umsetzung kann allerdings dauern.

 

Was kann man in der Antarktis unternehmen?

Antarktis-Reisende haben trotz der Diskussion um Umweltschäden nach wie vor die Möglichkeit, auf dem Eisland aktiv zu werden – und das, ohne Schäden zu hinterlassen. So bieten Veranstalter zum Beispiel Segeltörns oder Kajaktouren an, Hartgesottene können zudem statt in einer beheizten Schiffskabine auch unter freiem Himmel nächtigen. Das Zeltlager Patriot Hills bietet hier eine spannende Alternative. Wer das Festland betreten möchte, schließt sich am besten Anbietern an, die Expeditions-Seereisen mit Ausflügen oder Bergsteigen im Programm führen. Sportlich extrem geht es beim jährlichen Antarktis-Marathon zu, der nur eine begrenzte Anzahl Teilnehmer zulässt. Außerdem findet jeden Sommer das Musikfestival IceStock auf der Station McMurdo statt. Wer es lieber klassisch mag, konzentriert sich auf die Beobachtung von Walen, Pinguinen, Robben und Eisbergen, erkundet Gletscher und Naturschutzgebiete oder besucht Forschungsstationen.

Ein Kanalsystem in der Antarktis?

Eine spannende Entdeckung haben britische Forscher erst im Oktober 2013 gemacht: Unter dem Schelfeis, also den schwimmenden Eisplatten, die per Gletscher mit dem Land verbunden sind, zeichnet sich ein eigenes Kanalsystem ab. Dieses wird durch wärmeres Meerwasser und das damit entstehende Schmelzwasser geformt und wirkt sich so auch auf das Eisschild aus. Aus den Ergebnissen erhoffen sich die Wissenschaftler nun Erkenntnisse über das Verhalten des Eisschildes und die Veränderungen des Meeresspiegels in der Zukunft.

Mehr Informationen zu den Top-Reisezielen für 2014 gibt's hier:

Lonely Planet's Best in Travel 2014

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