Zu Gast bei Clooneys Nachbarn

Die Köchin

Fernab der teuren Restaurants am Seeufer gilt die regio­nale Küche Oberitaliens als einfach, aber lecker. Laden Tessiner einen zum Essen in ein Grotto ein, speist man jedoch nicht in einer Höhle, sondern in einem meist abgelegenen, rusti­ka­len Gasthaus, wo man draußen an Steintischen sitzt und in dem an kühleren Tagen ein Feuer brennt. Der Name kommt aber tatsächlich von Felshöhlen, in denen man einst Vorräte kühlte. In Grotti werden gewöhnlich Wein, Käse und Wurst sowie eine kleine Auswahl an Tessiner Gerichten serviert. 

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Maria Cassina serviert regionale Gerichte

Das „Grotto Pierino“ thront auf einer grünen Terrasse oberhalb der Stadt nahe Luganos Hausberg Monte Brè (tolles Wandergebiet!). Der verstorbene Pierino Cassina eröffnete das Lokal vor 43 Jahren neben der örtlichen Kapelle. Heute führt es seine Schwiegertochter Maria. „Ich komme aus Portugal“, erzählt sie, während sie den Tisch unter schattigen Bäumen mit Tellern und Weingläsern eindeckt. Aber ihr Mann sei von hier und so habe sie von der Schwiegermutter die alten Rezepte gelernt. 

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Ein grandioses Kaninchen-Ragout

Das Grotto ist mittlerweile rappelvoll mit Gästen. Die meisten sind Nachbarn und Freunde aus dem Ort. Alle scheinen sich mit Namen zu kennen, lachen und klopfen sich zur Begrüßung auf die Schulter. Zum Mittagessen serviert Maria die Polenta heute mit Kaninchen-Ragout und in Rotwein geschmortem Rindfleisch. Zur Verdauung gibt es einen köstlichen Nocino, ein teerfarbener Likör aus in Grappa eingeleg­ten Walnüssen.

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Der Fischer

Es ist früh am Morgen, dichter Nebel hängt über dem spiegelglatten See. Daniele Ruffoni steuert sein blaues Fischerboot aus dem kleinen Hafenbecken von Belgirate. Nicht weit vom Ufer entfernt greift sein Kollege Stefano bei einer Boje ins Wasser und zieht ein ausgelegtes Netz an  Bord. In den feinen Maschen zappelt der Fang der Nacht: Felchen, Schleien, dann ein stattlicher Barsch, den Stefano nach einem kräftigen Schlag in den Bootsrumpf wuchtet. 

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Eine taufrische Schleie aus dem Lago Maggiore

„Die Zeiten ändern sich eben“, sagt Daniele, als er sein Boot am Kai von Belgirate festmacht. „Heute wird der meiste Fisch in Farmen gezüchtet.“ Dann steigen die Männer aus dem Boot und tragen ihren Fang zu einem Schuppen unterhalb der Uferstraße. „Amici della barca“ steht darauf – „Freunde des Bootes“. In der Nacht treffen sich Daniele, Stefano und die anderen Fischer aus dem Ort hier auf ein Bier und erzählen sich Geschichten aus alten Zeiten.

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Der Bildhauer

Seeaufwärts und hinein in die Berge Richtung Ossola-Tal floriert ein anderes, uraltes Handwerk der Region. Der edle rosa, weiß und grau durchzogene Candoglia-Marmor wird hier seit Jahrhunderten unterirdisch abgebaut. Im Jahr 1387 gestattete der Mailänder Herrscher Gian Galeazzo Visconti die Nutzung des Steinbruchs bei Mergozzo für den Bau des Mailänder Doms. Die drittgrößte Kirche der Welt ist erst nach unvorstellbaren 579 Jahren Bauzeit im Jahr 1965 fertiggestellt worden. Seitdem benötigt man fortwährend Marmor für die Instandhaltung der Kathedrale

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Lino Rossini in seinem Atelier

Im Dorf Candoglia sitzt Lino Rossini in seinem Atelier zwischen marmornen Statuen und Ornamenten. Hier eine Fiale, porös durch Abgase, dort ein gotischer Bogen mit  einst filigran gearbeiteten Weinblättern, nun verrußt zu schwarzen Klumpen. „Siehst du das?“, sagt Lino und klopft mit einem Meißel sanft auf die jahrhundertealte Verzierung. Sogleich bricht ein Brocken heraus, als sei der Stein aus Zucker. Lino zerbröselt das Stück zwischen den Fingern. „Keine Sorge, ich mache einen neuen“, sagt er und deutet auf eine halbfertige Nachbildung. 

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Die gesamte Reportage

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Die vollständige Reportage mit weiteren Infos zu den traditionsbewussten Einheimischen Oberitaliens finden Sie in der November-Ausgabe des Lonely Planet Traveller.

 

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