Wo stecken Sie denn gerade?Der Sound Islands

© Soundtracking Iceland
© Soundtracking Iceland

Für ihren Blog „Soundtracking“ reisten Jan und Madeline auf die Atlantik-Insel, wo sie sechs Monate die lokale Musikszene dokumentierten.

Bis zum Frühjahr lebten wir in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung in Hamburg-St. Pauli und träumten von einem Leben in weiter, ungezähmter Natur. In unseren Jobs als Inhaber einer Musikschule und Redakteurin gönnten wir uns gerade mal vier Wochen Urlaub im Jahr. Die haben wir immer voll ausgekostet und sind mit unserem kleinen Wohnwagen losgezuckelt, unter anderem nach Schweden. Je mehr wir reisten, desto mehr wuchs der Wunsch, ungebunden und frei zu leben. Finanzielle Sorgen, soziale Verpflichtungen und Leistungsdruck haben uns in der Großstadt ständig begleitet. Sie brachten uns schließlich zu der Entscheidung, für eine Weile das Weite zu suchen: Wir kündigten unsere Wohnung, packten unsere Siebensachen und machten uns auf den Weg nach Island. Was uns reizte? Die einzigartige Landschaft und die spannende, vielseitige Musikszene. Die wollten wir näher kennen lernen und sie für unseren Blog ,Soundtracking‘ dokumentieren. Klar, Island ist teuer, doch wir hatten Ersparnisse. Außerdem warf Jans Musikschule weiterhin Geld ab, und ich konnte auch aus der Ferne als freie Journalistin arbeiten. Wenn es doch einmal knapp wurde, jobbten wir auf den Campingplätzen, auf denen wir mit unserem Wohnmobil ,Willi‘ Halt machten.

Durch einen Freund hatten wir bereits einen Draht zu der bekannten isländischen Band ,Dikta‘. Dadurch konnten wir schnell viele weitere Kontakte knüpfen. Jan ist als Gitarrist schon im Vorprogramm von The Baseballs, Christina Stürmer und Marianne Rosenberg aufgetreten. Doch nicht die großen Bühnen waren uns für unser Projekt wichtig. Wir sahen uns vor allem in den kleinen Gemeinden um. Das war allerdings harte Recherche, wir haben viele spannende Gespräche geführt. Die zeigten uns, dass die Arbeit der Künstler in Island weit weniger von Konventionen geprägt ist, als wir es von zu Hause her kennen. Musik spielt dort im täglichen Leben eine große Rolle. Ob Chor, Band oder Soloprojekt: Jeder macht Musik. Schon im Kleinkindalter werden die Menschen hier musikalisch gefördert. Man lernt auf natürliche Weise, vor Publikum aufzutreten. Die Leute bringen einem so viel Respekt entgegen, dass sich auch Jan bei seinen Auftritten sofort pudelwohl fühlte.

Den schönsten Empfang haben uns die Bewohner des kleinen Ortes Hvammstangi im Nordwesten Islands bereitet. Da durfte Jan auf dem jährlich stattfindenden Kulturfestival spielen. Toll war auch, dass wir uns mit den Kreativen dort austauschen konnten. Aber natürlich war nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Das Projekt stellte unsere Beziehung auch auf eine Probe, denn plötzlich waren wir rund um die Uhr auf engstem Raum zusammen. Es war eine Herausforderung, die wir aber überraschend gut gemeistert haben. Wir sind ein echtes Team. Wir haben versucht, Rückschläge und Hürden mit Humor zu nehmen.

Letzteren braucht man übrigens auch für den Umgang mit Islands unberechenbarem Wetter. Das macht einem oft einen Strich durch die Rechnung, wie wir gleich zu Beginn unseres Abenteuers erfahren durften. Nach 66 Stunden Überfahrt von Seyðisfjörður saßen wir damals drei Tage lang wegen meterhohem Schnee in Egilsstaðir fest, eingepfercht zwischen Rentnergruppen. So haben wir schnell gelernt, uns nach den Nachrichten der isländischen Wetterstation zu richten – ausnahmslos!

Zurück in Hamburg, sind wir erst einmal bei Verwandten untergekommen. Wir arbeiten jetzt an der filmischen Dokumentation unserer Erlebnisse, die wir dann auf unserem Blog zeigen werden. Hängen geblieben ist besonders die Leidenschaft der Isländer für ihre Heimat. Die Menschen sind so begeistert von der Magie der Insel, das hat uns angesteckt. Unser nächstes Ziel? Wir wissen es noch nicht, aber es sollte ein ebenso besonderes Land sein wie Island.

Mehr unter sound-tracking.com.

Protokoll: Nina Heinrich, Bilder: Madeline Jost/Soundtracking

Dieser Artikel ist in der Januar-Ausgabe des Lonely Planet Traveller erschienen. Dort finden Sie außerdem eine Reportage über Florida, die besten Reiseziele 2017 und Ideen für Kurztrips im Winter.

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Weitere Informationen

Island
  • Essen: Die Burger im „Sjávarborg“ in Hvammstangi sind der Hit: frisch und einfallsreich! Experimentierfreudig? Kaninchensuppe bestellen (Hauptspeise ab ca. 20 €, sjavarborg-restaurant.is).
  • Kultur: Vom 16. bis 18. Februar 2017 findet in der Konzerthalle Harpa in Reykjavík das Elektronik-Festival Sónar auf fünf Bühnen statt (Early Bird Ticket ca. 93 €, sonarreykjavik.com).
  • Outdoor: Im Januar und Februar sind die Nordlichter unterwegs und faszinieren leuchtend grün in den langen Nächten (Touren können gebucht werden unter katla-travel.is).
  • Nicht verpassen: Das saftig grüne Tal Gjáin ist das berühmte Landschaftssetting der Serie „Game of Thrones“. Es beeindruckt mit seiner reichhaltigen Vegetation inmitten einer Lava-Sandwüste.
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