Wo stecken Sie denn gerade?Licht spenden in der Ferne

© Anne Duchstein, Sebastian Haffner
© Anne Duchstein, Sebastian Haffner

Anne Duchstein (27) und Sebastian Haffner (30) aus Saarbrücken machen ihre Hochzeitsreise zur Mission: Auf seiner Tour rund um die Welt will das Paar 100 Solaranlagen in Entwicklungsländern installieren.

Seit März 2014 haben Sebastian und ich ein "Baby": den gemeinnützigen Verein "SunHelp International e.V.". Die Idee dazu entstand, weil Sebastian durch seinen Job als Unternehmensberater im Bereich erneuerbarer Energien einen Kunden dabei unterstützte, ein Waisenhaus in Kenia mit Solarenergie auszustatten. Das war nicht nur für ihn, sondern auch für mich ein Schlüsselerlebnis! Die Vorstellung, schnelle und effiziente Hilfe für Menschen ohne Stromversorgung leisten zu können, ließ uns nicht mehr los. Wir beschlossen, gemeinsam Solarenergie-Hilfsprojekte umzusetzen. Aus diesem Plan entstand die Idee einer Weltreise, auf der wir insgesamt 100 Solaranlagen in Entwicklungsländern installieren wollen. Dass daraus ein ganz besonderes Abenteuer werden würde, konnte ich damals noch nicht ahnen. Doch als wir Ende 2014 in Nepal auf dem Annapurna-Treck wanderten, machte mir Sebastian in einem magischen Moment einen Heiratsantrag!

Vor Beginn unserer Reise ohne Rückkehrdatum standen zunächst noch Monate intensiver Vorbereitung und Planung. Wir arbeiteten damals beide in Vollzeit: Sebastian in seinem Berater-Beruf und ich als Consultant in der Wirtschaftsprüfung. Das ermöglichte uns, jeden Monat Geld zurückzulegen, wofür wir unsere alltäglichen Ausgaben allerdings auch auf ein absolutes Minimum herunterschraubten.

Los ging es endlich im Sommer 2016. Kurz nach dem Start unserer Reise haben wir am 10. Juli in einem idyllischen Bergdörfchen in der Provence im engsten Familien- und Freundeskreis geheiratet. Dann führte uns das erste Solarprojekt in ein kleines kambodschanisches Dorf zu einer notdürftig zusammengeschraubten Wellblechhütte mit einem Boden aus brüchigen Bambusstäben. Im Inneren gab es weder eine Matratze noch Kleider, Toilette oder Licht. Die Bewohnerin war von ihrem Mann verlassen worden und konnte ihre drei kleinen Kinder kaum mehr durchbringen. Als wir ihr erklärten, dass wir ihr helfen und eine Solaranlage installieren würden, brach sie in Tränen aus. Das berührte uns sehr, nun wussten wir erst recht: Eine Quelle für elektrisches Licht bedeutet mehr, als nur ein Tropfen auf den heißen Stein für Menschen, die in großer Armut leben. Wenn wir an einen neuen Ort kommen, spricht sich unser Besuch meist in Windeseile herum. In Kambodscha mussten wir uns jeweils erst die Zustimmung und den Segen des Dorfältesten einholen. Traditionen und Kultur sind hier noch stark miteinander verankert, und es gilt, sie auf jeden Fall zu respektieren.

Wenn wir dann mit dem Bau einer Anlage fertig sind und das Licht angeht, kichern die Kinder aufgeregt und die Erwachsenen wissen, dass sich dadurch einiges in ihrem Leben zum Besseren ändern wird. Statt für teure Kerzen und umweltschädliche Petroleumlampen kann das Geld von nun an für Essen, Schulbücher oder einen Arztbesuch ausgegeben werden. Außer auf Privathäusern installieren wir die Anlagen vor allem an Schulen, kleinen Kranken- und Waisenhäusern.

Diese Einsätze sind der rote Faden unserer Weltreise. Aber natürlich erleben wir auch privat viel Aufregendes. Wir waren in Sankt Petersburg und Moskau und fuhren von dort aus mit der Transsibirischen Eisenbahn durch die unendlichen Weiten der sibirischen Taiga bis an den Baikalsee. Weiter ging es nach Thailand, wo wir die paradiesische Insel Koh Mak entdeckten. Nach dem Besuch der größten Tempelanlage der Welt in Kambodscha und acht installierten Solarprojekten landeten wir in Laos. Momentan erkunden wir Vietnam per Motorrad. Von dort aus möchten wir nach Sri Lanka und dann nach Indien fliegen – darauf freuen wir uns schon sehr! Wie es dann weitergeht? Mal sehen. Myanmar vielleicht. Oder Kirgistan. Oder doch lieber Kolumbien?

Protokoll: Nina Heinrich, Bilder: privat

Dieser Artikel ist in der Mai-Ausgabe des Lonely Planet Traveller erschienen. Dort finden Sie außerdem eine Reportage über Taiwan, Tipps für einen Segeltörn an der kroatischen Adriaküste und viele weitere spannende Kurztrips und Reisenews.

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Unsere Tipps für den Annapurna-Trek, Nepal
  • Erleben: Vom Bergdörfchen Manang aus sollte man unbedingt einen Tagesausflug zum Ice-Lake machen: ein eisblauer See, umgeben von dem majestätischen, schneebedeckten Gebirge und mit einem umwerfenden Ausblick auf den Annapurna-Gipfel.
  • Schlafen: Annapurna ist ein „Teahouse-Trek“, was bedeutet, dass man in „Tea-Guesthouses“ nächtigt. Die gibt’s in jedem Dorf, und sie bieten saubere, wenn auch rustikale Zimmer. Sehr gemütlich!
  • Essen: Die Reise endet für viele in der kleinen Stadt Pokhara. Dort erwarten die Gäste des „Freedom Café & Bar“ statt des klassischen Restaurant-Stils kleine Bambushütten am Wasser. Fast jeden Abend gibt’s zusätzlich Live-Musik (Lakeside 6).
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