IndienDelhis Umland: Landschaft, Kultur und Entspannung erleben

Hunderte von Figuren aus Keramikscherben stehen im Nek Chand Rock Garden - (Foto: ©EstrellaBuena/Istock.com)
Hunderte von Figuren aus Keramikscherben stehen im Nek Chand Rock Garden - (Foto: ©EstrellaBuena/Istock.com)

Indiens Hauptstadt ist laut und hektisch. Wem das zu viel wird: Nicht verzweifeln. In der Umgebung von Delhi gibt es Ausflugsziele, die entspannt und interessant sind.

Delhi kann schnell mal an den Nerven zehren. Das geht nicht nur Besuchern, sondern auch den Bewohnern so, die den vielfältigen Charme ihrer Stadt lieben. Trotz Delhis unglaublichem kulturellen und architektonischen Erbe, den lebhaften Vierteln und spannenden Gegensätzen, fühlt sich jeder irgendwann von der riesigen Menschenmenge überfordert. Dann wird es Zeit für einen Ausflug aufs Land.

Glücklicherweise ist es bei all dem Chaos, dem unglaublichen Verkehr und der Luftverschmutzung leicht, mal eine Pause einzulegen. Wir haben die interessantesten Tagesausflüge samt Übernachtungstipps zusammengestellt. Wer von solch einem Ausflug erfrischt zurückkommt, wird auch Delhi wieder lieben.

Le Corbusiers Planstadt Chandigarh kennenlernen

Belebte Boulevards, blumengeschmückte Karussells und farbenfrohe Gärten mit unzähligen Statuen und Skulpturen laden dazu ein, sich im kleinsten urbanen Wunder Indiens aufzuhalten. Chandigarh wurde nach der Teilung Indiens vom Architekten Le Corbusier als erste unabhängige Planstadt Indiens entworfen. Ihr Status ist der eines eigenen Unionsterritoriums, das von der Zentralregierung verwaltet wird. Sie ist zugleich die Hauptstadt der beiden indischen Bundesstaaten Punjab und Haryana, auf deren Grenze sie liegt. Chandigarh zeigt sich gern wohlhabend, bequem und kosmopolitisch. Der Capital Complex gilt als einer der genialsten Entwürfe Le Corbusiers. Er beherbergt heute die Legislativversammlung von Haryana, das Sekretariat, den Obersten Gerichtshof und das berühmte Open-Hand-Monument, das offizielle Symbol der Stadt. Der Komplex ist als UNESCO-Weltkulturerbe erhalten. Wer da ist, sollte keinesfalls versäumen, das Le Corbusier Centre in Sektor 19 zu besuchen.

Die Fußgängerzone in Sektor 17 ist ein beliebter Ort zum Shoppen und für eine schnelle, gute Mahlzeit zwischendurch. Auf dem Rückweg lohnt sich ein Spaziergang durch den Rosengarten in Sektor 16. Er gilt als einer der schönsten Gärten der Stadt und verblüfft seine Besucher mit über 1.500 duftender und wunderbar blühender Rosenarten.

Der Sukhna Lake ist ein wunderschöner künstlicher See, der im Städteplan von Le Corbusier eine wichtige Rolle als Naherholungsgebiet spielt. Er liegt nördlich von Chandigarh und lädt zum Spazierengehen ein, zu Fitness und Romantik. Der See ist unbestritten der beliebteste Erholungsort für die Bewohner von Chandigarh. Besucher können durch Ziergärten wandeln, während sich die Kinder gern auf dem großzügigen Kinderspielplatz vergnügen. Es gibt jede Menge Möglichkeiten zum Essen und Trinken und Tretboote laden dazu ein, auf dem See herum zu gondeln.

Zwischen Chandigarh und dem Sukhna Lake befindet sich der außergewöhnliche Nek Chand Roc Garden. In diesem surrealen Gartenpark befinden sich etwa 2.000 Skulpturen sowie zahlreiche Pavillons, Amphitheater und Wasserfälle. Seine Entstehungsgeschichte ist so ungewöhnlich wie der Garten selbst: Neck Chand, ein städtischer Arbeiter und künstlerischer Autodidakt, hatte ihn zunächst im Stillen und Geheimen aus Schutt und Resten von Baumaterial, welche bei der Erbauung Chandigarhs anfielen, errichtet. Heute gilt der Nek Chand Roc Garden, der in Le Corbusiers Masterplan nicht vorgesehen war, als eine der Hauptattraktionen der Gegend.

Unser Reisetipp: Es lohnt sich, mit dem Shatabdi Express am frühen Morgen vom Bahnhof New Delhi zu starten. Die Fahrt nach Chandigarh dauert etwa drei Stunden. Dort angekommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Stadt zu erkunden. Am einfachsten ist es, sich für einen ganzen Tag ein Taxi, eine Fahrrad- oder Auto-Rickscha zu mieten, bevor man mit einem der späteren Shatabdi-Zügen nach Delhi zurückkehrt.

Das fürstliche Patiala erkunden

Als Punjabs bestgehütetes Geheimnis war Patiala einst die Hauptstadt eines unabhängigen Sikh-Staates, der von einer extravaganten Familie von Maharajas beherrscht wurde. Als das Moghul-Reich unterging, kooperierten die Machthaber von Patiala mit den Briten und füllten ihre Stadt mit verschwenderischen Palästen und architektonischen Verrücktheiten. Nach der Unabhängigkeit und der darauffolgenden Abschaffung Königlichen Privatschatulle ging das Vermögen zurück und die einstige königliche Stadt wurde langsam zum Schatten ihres früheren Selbst.

Heute sind die großen Monumente alle zerfallen, aber die Altstadt, die von 10 historischen Toren umgeben ist, ist immer noch eindrucksvoll. Die Basare laden zum stundenlangen Bummel ein. Ihre Stände sind gefüllt mit Braut- und Küchenutensilien sowie heimischen Handwerk, beispielsweise den traditionellen Ledersandalen. In Patiala bietet sich auch die Gelegenheit, echte Phulkari-Kunstwerke zu kaufen, beispielsweise feine Blumenstickereien. Heute ist die Mischung aus neuen und Gebäuden und historischen Palästen einen architektonischen Ausflug wert. Die Chancen, dabei über eine Filmcrew stolpern, ist ziemlich groß.

Unser Reisetipp: Busse nach Patiala fahren den ganzen Tag vom ISBT am Kashmere Gate aus. Die Fahrt dauert ungefähr sechs Stunden, daher ist es sinnvoll, eine Übernachtung einzuplanen. Hotels gibt es für jedes Budget. Das Neemranas Baradari Palace befindet sich in einem ehemaligen Sommerpalast eines Maharajas. Die Mitarbeiter an der Rezeption helfen gern bei der Organisation vor Ort, zum Beispiel beim Bestellen einer Auto-Rikscha.

Wilde Tiere im Chambal Sanctuary beobachten

Obwohl das Chambal früher Heimat zahlreicher berüchtigter Banditen war, ist es heute besser bekannt für seine friedliche Naturlandschaft. Dazu gehören auch die beeindruckende Population von Krokodilen – sowohl Sumpfkrokodile als auch Gaviale mit ihren langen Schlünden – und indische Delfine. Im Winter lassen sich an den sandigen Ufern des Chambal-Flusses unzählige Arten heimischer Vögel sowie zahlreiche Zugvogelarten beobachten. Am besten lässt sich die raue Schönheit der mit Akazien bewachsenen Schluchten und ihre reiche Tierwelt von einem Boot aus erkunden.

Das Chambal Wildlife Sanctuary ist auch die Heimat der seltenen Hirschziegenantilopen. Ihre anmutigen und prächtigen Hörner sind beliebte Fotomotive, ebenso wie die großen Schwärme von eleganten Sarus-Kranichen. Sie zählen zu den am höchsten fliegenden Vögeln weltweit.

Von Chambal aus lohnt ein kurzer Ausflug in die Tempelstadt Bateshwar. Dort findet jeweils im Oktober und November die zweitgrößte Viehmesse Indiens statt. Die ansonsten angenehm relaxte und verschlafene Stadt beherbergt auch eine Reihe alter Schreine, welche die Göttin Shiva an einem Ufer des heiligen Flusses Yamuna ehren. Dort versammeln sich daher auch regelmäßig zahlreiche Sadhus und Anhänger.

Unser Reisetipp: Der Bhopal Shatabdi-Zug vom Bahnhof New Delhi braucht nur etwas mehr als zwei Stunden nach Agra. Von dort lassen sich bequem Taxis zum Chambal Sanctuary mieten. Die Fahrt dauert noch einmal etwa zweieinhalb Stunden. Übernachtungen bietet die Chambal Safari Lodge. Alternativ gibt es unzählige preisgünstige Hotels in Agra.

Panipats Vergangenheit und Gegenwart erleben

Die geschäftige Industriestadt etwa 90 Kilometer nördlich von Delhi hat eine reiche Geschichte. Sie ist eine von fünf Städten, von denen angenommen wird, dass sie von den Pandavas gegründet wurden. Die fünf Söhne des Königs Pandu sind die großen Helden des Hindu-Epos Mahabharata. Panipat war auch der Schauplatz entscheidender Schlachten im 16. Jahrhundert. Zu den zahlreichen islamischen Relikten zählt sich das verlassene, sockelgekrönte Grab des Unglückliche Sultan, das sich neben den städtischen Ämtern befindet. Lebendige Kultur findet man in den Tempeln der Stadt, um die Kabuli Bagh Moschee herum und am Grab von Bu-Ali Shah Qalander. Das Panipat Museum erzählt Wissenswertes von der bewegten Vergangenheit der Stadt. Der Eintritt ist frei. Obwohl die endlosen Reklameschilder entlang der Straßen hauptsächlich für Pickles werben, ist Panipat heute eher für die Textilherstellung bekannt.

Unser Reisetipp: Lokale Busse verkehren regelmäßig zwischen Delhis ISBT am Kashmere Gate und dem Panipat Busbahnhof. Die Fahrt dauert ungefähr zwei Stunden, um die 90 Kilometer entfernte Stadt zu erreichen. Panipat selbst lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden, alternativ per Auto-Rickscha. Bequem zurück nach Delhi geht es dann per Nachmittagsbus.

Kulturelle Kuriositäten in Meerut & Sardhana entdecken

Meerut ist ein geschäftiger Industriestandort etwa 80 Kilometer nordöstlich von Delhi. Hier begann der berühmte Aufstand von 1857 gegen die British East India Company. Obwohl die Kolonialzeit längst vorbei ist, kann man immer noch einen schwachen Fußabdruck der Briten sehen. Wer an der Geschichte interessiert ist, kann die St. John's Church und den angrenzenden Friedhof besuchen, in dem der Aufstand begann. Die zwischen 1819 und 1821 erbaute Kirche ist vermutlich die älteste Kirche in Nordindien.

Anschließend geht es 19 Kilometer nordwestlich von Meerut weiter zur “Basilika Our Lady of Graces” in Sardhana. Diese hübsche Kirche aus dem frühen 19. Jahrhundert wurde von Begum Samru erbaut. Die muslimischen Tänzerin am Hofe heiratete einen französischen Söldner, konvertierte und erbte das Lehen des Adligen nach seinem Tod. Begum Samru wird als einzige katholische Herrscherin Indiens gefeiert, sie wurde in einem schönen Marmorgrab innerhalb der Kirche begraben.

Unser Reisetipp: Wer Meerut und Sardhana an einem einzigen Tag erkunden möchte, mietet am besten bereits in Delhi ein Taxi für den Tagesausflug. Da es nur wenige Transportmöglichkeiten nach Sardhana gibt, spart ein Taxi Zeit und ermöglicht individuelle Zwischenstopps für Mahlzeiten und Fotoaufnahmen. Pro Strecke dauert die Fahrt etwa drei Stunden.

Lonelyplanet-Reisführer Indien

Es gibt so viel zu entdecken in Indien und Lonenyplanet zeigt Dir, was.

Den Reiseführer findest du hier.

Deutsche Fassung: Ines Wagner
Original-Artikel: Sarah Reid/Lonely Planet international

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