EuropaCamping, Clamping, Tipis, Hütten – Die aufregendsten Spots für's Draußenschlafen

Immer mehr Menschen zieht es hinaus in die Natur – für einen Tag, ein Wochenende oder für mehrere Wochen. Dabei kann selbst die Übernachtung unter freiem Himmel zum Erlebnis werden.

Perfekte Outdoor-Erlebnisse können ganz unterschiedlich aussehen. Für die einen ist es eine Hüttenwanderung, anderen geht das Herz auf beim Bikepacking oder auf einem Paddeltrip mit Wildcampen. Wieder andere träumen von einem Glamping-Wochenende im Wald. Alle spüren eines deutlich: Je öfter man in die Natur eintaucht, desto größer wird die Sehnsucht nach Wiederholung. Für Wildnis-Trips und erst recht die besten Schlafplätze in der Natur braucht es allerdings gute Tipps. Diese fasst "Unter freiem Himmel" zusammen.

Mit zweiundzwanzig Kapiteln widmet sich dieses Buch je einem europäischen Land, in dem es sich besonders gut unter freiem Himmel schlafen lässt: von Camping und Glamping bis hin zu ganz ungewöhnlichen Schlafplätzen im Freien. Dazu gibt es Informationen über die jeweils landestypischen Regeln zum Wildcampen, zu Sicherheitsaspekten sowie Budget- und Einkaufs-Tipps für die Ausrüstung und alles Nötige für die Übernachtung im Freien. 

Aus den 203 Topzielen haben wir acht der spannendsten und ungewöhnlichsten herausgepickt.

Anti-Stress-Hütten in Dalsland, Schweden

Es war ein wissenschaftlich begleitetes Anti-Stress-Experiment. Es belegte, dass bereits nach 72 Stunden Outdoorleben sowohl Stresspegel als auch Blutdruck sinken, während die Kreativität steigt. Heute kann man die puristischen Hütten buchen - als Erholungspause aus dem Hamsterrad des Alltags. Die verglasten Wände und Dächer lassen das klare Licht des Nordens herein fluten. In Hausnähe gibt es eine Feuerstelle, eine Outdoor-Toilette, ein Ruderboot sowie eine Badestelle. Gäste erhalten ein Überlebenspaket mit Streichhölzern, Wasserflasche, Besteck und Taschenlampe. Ganz in der Nähe bietet Dalslands Aktiviteter außerdem Duschen, Leitungswasser und Aktivangebote wie Kajaktouren, eine Goldwäscherei und einen Hochseilgarten mit Seilrutsche.

Malerischer Postindustrialismus in Cornwall, England

Der ehemalige Schiefersteinbruch aus dem 19. Jahrhundert ist heute Cornwalls originellste Unterkunft in der Natur. Kudhva bedeutet "Versteck" - eine kreative Modeschöpferin hat es erschaffen. Vier Hütten stehen auf Stelzen in einem Dickicht aus Bäumen, die geometrischen Wunderwerke sind minimalistisch mit Holz ausgestattet. Eine dänische Holzhütte versteckt sich zudem im dichten Wald, außerdem gibt es Baumzelte und Tipis. Für die perfekte Entspannung sorgen ein Whirlpool, ein Lagerfeuer und am Wochenende Leckereien aus der Pop-up-Küche. Im gefluteten Steinbruch kann man baden, es gibt eine Höhle und einen Wasserfall und die Küste ist nur knapp drei Kilometer entfernt. Dort kann man surfen, baden und auf dem England Coast Path wandern.

Tipis im "Kolosseum der Natur" in den Pyrenäen, Frankreich

Auf dem Campingplatz Tipis Indiens im Nationalpark Hautes-Pyrénées warten handgefertigte Tipis auf Wanderer und besonders gern kommen auch Familien hierher. Die Tipis sind ausgestattet mit Betten und Doppel-Klappsofas sowie einem Zugang zu einem Schafstall mit Küche, Bad und Lounge. Wer noch nachhaltiger übernachten möchte, wählt ein 4er-Öko-Tipi mit Campingkocher, Freiluft-Duschkabine und Trockentoilette. Zum Sonnenaufgang lockt das drei Kilometer entfernte Plateau de Saugué mit tollem Ausblick auf den Cirque de Gavarnie. Den gewaltigen Felsenkessel beschrieb Victor Hugo einst als "Kolosseum der Natur". Von Luz-St-Sauveur führen markierte Wege zu malerischen Bergdörfern und Bergseen.

Minimalismus mit Kuhgeläut im Appenzell, Schweiz

Bei diesem ungewöhnlichen Schlafplatz gibt es nichts, was die Verbindung zur Natur stört oder den Blick auf die Sterne trübt. Auf einer Holzplattform mitten auf einer Almwiese des Appenzells stehen ein Bett mit gestärktem, schneeweißem Leinen, zwei Nachttischchen und Lampen. Sonst gibt's nichts, außer der Duft der Wildblumen, das Geläut der Kuhglocken, in den Lüften kreisende Greifvögel. Toiletten befinden sich nur fünf Gehminuten entfernt. Ein privater "Butler" bringt morgens das Frühstück ans Bett. Bei Schlechtwetter kann man stornieren oder umbuchen. Mit dem Zero Real Estate und seinen nur sieben weitläufig verteilten Betten bieten die Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin und der Hotelexperte Daniel Charbonnier unvergessliche Nächte.

Biofrühstück im rustikalen Himmelbett im Ennstal, Österreich

Fast wie beim Schlager "Ein Bett im Kornfeld…" – herrlich! Man zieht perfekt ausgeschlafen die Vorhänge auf, während über Weizenfeldern die Morgensonne aufgeht und es nach Heu duftet. Der Blick fällt auf Felder, Obstgärten und Berge, die sich bis zur tschechischen Grenze ziehen. Das Himmelbett und eine Holzhütte für zwei Personen gehören zum familiengeführten Biohof Hofhubergut auf 640 Meter Höhe oberhalb des Ennstals, das für seinen Most berühmt ist. Eine Flasche gibt’s gratis und zum Frühstück einen Korb mit hoffrischem Brot, Eiern, Obst und Käse. An den Flüssen des Ennstals verlaufen idyllische Radwege. Zum Wandern, Biken und Klettern laden die Kalksteingipfel, Schluchten und Hochmoore des nahen Nationalparks Kalkalpen ein.

Nachhaltiges Glamping in der Sierra de Segura, Spanien

Nachhaltig, mit entsprechenden Duschen, Komposttoiletten und 100 Prozent Solarstrom bietet dieser abgeschiedene Glampingplatz im Kiefernwald, wie der Name sagt, eine "andere Welt". Die retro-rustikalen Kuppelbauten von Otro Mundo sind hell und kühl, mit alten Möbeln und gemütlichen Kissennischen zum Lesen und Relaxen eingerichtet. Ein Pool mit Bergquellwasser verlockt zum Abkühlen. Es gibt einen Spielbereich und eine Gemeinschaftsküche zum Kochen mit Biogemüse vom Hof. Die Frühstückskörbe sind gefüllt mit hausgemachten Produkten, zweimal wöchentlich gibt’s veganes Abendessen. Die Gegend ist ideal zum Baden, Wandern, Biken, Kajaken und fürs Canyoning. Ganz in der Nähe gibt es prähistorische Höhlenmalereien, Festungen und weiße Dörfer.

Sternegucken in Jurte, Lodge und Zelten in der Serra da Estrela, Portugal

Serra da Estrela bedeutet "Stern-Gebirge". Kein Wunder, dass dieser 888 Quadratkilometer große Nationalpark ideal ist, unterm Sternenhimmel zu schlafen. In Portugals ältestem und größtem Schutzgebiet mit dem höchsten Gipfel des Landes, dem 1.993 Meter hohen Torre, bilden die Glocken von Schafen und Ziegen die einzige Klangkulisse. Der nachhaltige Campingplatz Senses am Nordostrand des Parks bietet neben geräumigen traditionellen Stellplätzen unter Obstbäumen auch Glampingunterkünfte wie Rundzelte, rustikale Safari-Lodges und eine handgefertigte mongolische Jurte mit Feuerstelle. Im Fluss kann man baden, im Pool plantschen und die Zwischenzeit mit Yoga verbringen – es werden regelmäßig Retreats angeboten. Der Nationalpark lässt sich gut zu Fuß oder per Pferd erkunden.

Blick zum "Heiligen Berg" auf Chalkidiki, Griechenland

Das Armenistis auf dem mittleren Zinken der dreifingrigen Halbinsel Chalkidiki punktet mit erstklassiger Lage am pulverweichem Sandstrand der azurblauen Ägäis. Versteckt unter Pinien und Platanen bietet der Campingplatz Meerblicke für Gäste, die mit Zelten und Wohnwagen anreisen oder ein hölzernes Strandhaus mit Bett, Bad und Veranda mieten. Am schönsten schläft es sich jedoch in den in Erdtönen gehaltenen Safarizelten direkt am Meer – mit umwerfendem Blick übers Wasser auf den 2.033 Meter hohen "Heiligen Berg" Athos auf der Nachbarhalbinsel. Das familienfreundliche Artemistis bietet Freizeitspaß von Beachvolley- und Basketball bis zum Kanufahren und Stand-Up-Paddeln, dazu Yoga und geführte Wanderungen in den Bergen und Wäldern ringsum. Läden, Strandbars und Restaurants mit frischem Fisch und Wein aus der Region runden das Angebot ab.

Unter freiem Himmel Europa

Unser neuer Reiseführer zeigt 203 Topziele in Europa, um in freier Natur zu übernachten.

Schau ihn dir doch hier einmal an.

Text: Ines Wagner

 

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