SchottlandColonsay: Schottlands kaum besuchtes Inselparadies

Der Tràigh Bàn in der Bucht von Kiloran auf Colonsay - (Foto: Stephan Goldmann)
Der Tràigh Bàn in der Bucht von Kiloran auf Colonsay - (Foto: Stephan Goldmann)

Die Insel Colonsay gehört zu Schottlands Geheimtipps. Dabei bietet sie riesige Sandstrände, anregende Wanderungen und großartiges Essen. Ein Inselausflug.

Schottland ist mittlerweile touristisch gut erschlossen. An einigen Orten vielleicht sogar zu gut. Und doch bietet Schottland auch Gegenden, die noch das Lonelyplanet-Feeling versprechen und geradezu vor einsamer Schönheit sprühen. Einer dieser Orte ist die Insel Colonsay. Ihr Wahrzeichen ist ein riesiger weißer Sandstrand, an dem sich die wilden Wellen des türkisblauen Atlantik malerisch brechen. Eingerahmt von typischen Highland-Hügeln, auf denen Schafe und Rinder friedlich grasen. Vor allem Naturgenießer und Wanderfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten.

Colonsay ist nur per Fähre zu erreichen und die fährt gerade einmal am Tag. Die Unterkünfte auf der Insel sind begrenzt. Ein Campingplatz für Wohnmobile nicht vorhanden. Auf Colonsay kann es also kaum zu voll werden. Und so bleibt, wer hier her kommt, gerne auch etwas länger.

Warum sich das lohnt? Unser kleiner Ausflug in Wort und Bild zeigt es.

Wunderbare Inselnatur

Zunächst ist Colonsay natürlich eine Insel mit entsprechend schnell wechselndem Wetter, Meer, Strand und grünen Hügeln. Berühmt ist die Kiloran Bay im Westen der Insel. Doch es gibt weitere Strände, die oft nur zu Fuß erreicht werden können, wie etwa der Strand von Balnahard im Norden. Genau diese Wanderungen sind Teil des Insel-Feelings.

Zusätzlich weist Colonsay einige ganz besondere Merkmale auf. Da wäre zunächst eine Bienenart, die es nur hier gibt. Es ist gesetzlich verboten, andere Bienenarten auf die Insel zu bringen. Und natürlich produziert diese Biene auch einen Honig, den der Besucher beim Frühstück oder zum Dessert serviert bekommt.

Dank der Schutzgebiete fühlen sich auch viele Vögel auf der Insel sehr wohl . Sie finden zwischen Heide, Farnen und den im Sommer am Strand blühenden Wiesen Schutz. Wer hierzu mehr lernen will, bucht den Guide Kevin Byrne. Er bietet Rundfahrten in seinem Auto an oder - für ganz Interessierte - Ausflüge in die Farne der Insel, von denen es viele Arten gibt. Gebucht werden kann er im Bookshop am Hafen, der von seiner Frau betrieben wird.

Sehr kultiviert präsentiert sich die Natur in den Gärten von Colonsay House. Ein großer gepflegter Garten mit Rosen, Hortensien, riesigen Bäumen und einer uralten Quelle mit heiligem Stein beschäftigen den Besucher einige Stunden. Der Garten und das angeschlossene Café sind allerdings nur an einigen Wochentagen zugänglich. Mittwoch und Freitag von 12:00 bis 17:00 und samstags von 14:00 bis 17:00 Uhr. Mehr Infos gibt es auf der Webseite.

Kunst, Kultur und Geschichte

Auf Colonsay gibt es keine mittelalterlichen Burgen, das bedeutet aber nicht, dass die Insel in der Vergangenheit ab vom Schuss lag und uninteressant war. Ganz im Gegenteil! Denn die schottischen Inseln gehörten zunächst zum urkeltischen Reich, dann eroberten die Wikinger die Inseln und schließlich gehörten sie dem Reich der Lords of the Isles an, die unabhängig vom schottischen König bis ins 15. Jahrhundert hinein regierten. Unter ihnen ließen sich auf den Inseln Mönche nieder, die wesentlichen Einfluss ausübten. So zum Beispiel vom Kloster auf Oronsay aus, der kleineren Nachbarinsel Colonsays. Diese kann bei einer spannenden Wanderung bei Ebbe erkundet werden.

Weitere Infos zur Geschichte, die im zweiten Weltkrieg tragisch mit einem deutschen U-Boot-Kommandanten verbunden war - der damalige "Kriegsheld" Günther Prien torpedierte ein Schiff, das gefangene Deutsche und Italiener transportierte - führt das Heritage Center der Insel vor Augen. Offen ist es immer, Eintritt kostet es nicht. Wer dann noch nicht genug weiß und mehr lesen will, besucht am besten das Buchgeschäft der Insel. Es ist aber nur zwischen 15:00 und 17:30 Uhr geöffnet.

Auf der Insel wird heute übrigens allerlei Kunst fabriziert - die der Besucher kaufen kann. Gleich am Pier befindet sich die Old Waiting Room Gallery und der Kunstladen Christine's Den liegt nicht weit davon.

Essen und Trinken

Eine Insel im Atlantik? Das bedeutet natürlich Meeresfrüchte zu genüge: Jakobsmuscheln, Austern, Hummer und Lachs finden sich auf den Speisekarten wieder. Daneben aber auch schottisches Rind oder Huhn.

Zwei Restaurants gibt es auf der Insel: Das eine im Hotel, das sich auch mit sehr guten Nachspeisen hervortut. Etwa Eis mit dem Honig der heimischen Bienenart. Und beim Pier liegt die Colonsay Pantry (Pantry heißt Speisekammer). Sie bietet zusätzlich Meeresfrüchten und Fleisch auch vegane Gerichte an. Für beide Restaurants gilt: Plätze reservieren.

Zwar gibt es keine Whisky-Destillerie auf Colonsay, doch Freunde des feinen Tropfens können stattdessen auf einen der beiden Gins umschwenken, die auf der Insel gebrannt werden. Da wäre der Wildthyme, der - wie der Name verrät - Thymian enthält. Hier können auch Tastings für Gruppen gebucht werden.

Auch gleich neben dem Buchgeschäft der Insel hat sich Hochgeistiges einquartiert: Hier werden die Wild Island Gins gebrannt, die die heimischen Wildkräuter repräsentieren. Wenn der Eigentümer gerade Zeit hat, zeigt er einem dort auch kurz, wie der Gin entsteht. Auch einen eigenen Wodka mit Inselflair haben die Betreiber ersonnen. Und nebenbei brauen sie auch noch das Inselbier, das es in den Restaurants gibt.

Anreise, Unterkunft und Fortbewegung

Vom schottischen Küstenort Oban verkehrt die Autofähre einmal täglich zu unterschiedlichen Zeiten. Die genauen Termine finden sich auf der Webseite des Fährbetreibers Calmac. Die Überfahrt dauert zirka zwei Stunden, die Fähren sind mit Restaurant ausgestattet. Beim Verlassen der Fähre liegt gleich links die Old Waiting Room Gallery. Sie ist offen, wenn die Fähre an- und ablegt. Hier bekommt der Besucher der Insel auch wertvolle Hinweise, wie zum Beispiel den Gezeiten-Kalender, der einem sagt, wann man zur Nachbarinsel wandern kann. 

Colonsay hat auch einen Flughafen, den eine Propellermaschine des Hebridean Air Service einmal pro Woche anfliegt. Mehr Infos dazu auf deren Webseite.

Wohl der Ort, an dem die meisten Besucher unterkommen, ist das Colonsay Hotel - es empfiehlt sich deshalb, sehr frühzeitig zu buchen.

Neben einigen Ferienhaus-Anbietern (Cottages genannt) ist das Gin-Lovers-Retreat von Wildthymespirits hervorzuheben. Hier können sich Insel-Touristen einquartieren, die sich mit Essen und Cocktails verwöhnen lassen wollen. Der Betreiber fährt seine Gäste auch auf der Insel herum und empfiehlt, das eigene Auto gar nicht mitzubringen, um den Verkehr auf der Insel möglichst gering zu halten.

Preisbewusste Besucher mit einer Vorliebe für Jugendherbergs-Flair buchen sich in der Backpackers Lodge ein. Diese liegt allerdings in der Inselmitte, sodass man am besten im voraus einen Abholservice vereinbart.

Auf Wohnmobil-Reisende ist Colonsay derzeit leider noch nicht eingerichtet. Weder gibt es einen Campingplatz, noch sind die Straßen besonders geeignet.

Colonsay ist nur zirka 13 Kilometer lang und maximal fünf Kilometer breit. Eine Ringstraße führt um die Insel, von der einige Stichstraßen abgehen, die alle sogenannte Singletrack-Roads sind. Das bedeutet einspurige Straßen mit Ausweichbuchten. Ein "Runde" um die Insel dauert mit dem Auto etwa eine halbe Stunde. Darum erkunden viele Besucher die Insel auch auf Rädern, die sie sich zum Beispiel bei Archie's Bike Hire ausleihen können.

Ansonsten lassen sich fast alle Orte Colonsays eben auch erwandern - und dann erlebt der Reisende wirklich einen Lonelyplanet mit Meerblick. 

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Text & Fotos: Stephan Goldmann

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