Flower PowerDie schönsten botanischen Gärten der Welt

Ein Baumwipfelpfad über dem Kirstenbosch National Botanical Garden in Kapstadt - (Foto: ©EcoPic /Istock.com)
Ein Baumwipfelpfad über dem Kirstenbosch National Botanical Garden in Kapstadt - (Foto: ©EcoPic /Istock.com)

Botanische Gärten ziehen jährlich Millionen von Besuchern an und verzaubern sie mit Flora und Fauna. Wir zeigen die schönsten davon weltweit.

Was macht einen wirklich großartigen Garten aus? Laut Gartenarchitekt Luis Barragán muss er "das Poetische und das Rätselhafte mit einem Gefühl von Gelassenheit und Freude verbinden". Botaniker und leidenschaftliche Gärtner würden dieser blumigen Beschreibung vermutlich noch Etiketten mit lateinischen Namen und spektakuläre Raritäten hinzufügen. Dabei genügt es vollauf, sich als Besucher mit wachen Sinnen auf die Wunder der Natur und Gartenkunst einzulassen.

Die Landschaftsgärten, deren Besucherzahlen heute ebenso prächtig gedeihen wie ihre botanischen Raritäten, haben oftmals zusätzliche Attraktionen geschaffen: Luftige Baumkronenwege, abwechslungsreiche Freiluftkonzerte, spektakuläre Kunstinstallationen, Themenrestaurants, einladende Spiel- und Lernbereiche und vieles mehr. Manchmal ist es aber auch die grüne Stille, die lockt.

Hier sind einige der spannendsten Botanischen Gärten der Welt.

Kirstenbosch National Botanical Garden, Kapstadt

In Südafrika liegen gleich zwei spektakuläre Nationalparks in unmittelbarer Nachbarschaft. Neben dem Nationalpark Table Mountain bietet der Kirstenbosch National Botanical Garden Naturliebhabern eine traumhafte Kulisse. In dieser über 1.300 Hektar großen Gartenlandschaft sind weniger als 10 Prozent der Fläche bewirtschaftet, der Rest ist wild und ursprünglich. In diesem naturbelassenem Gebiet kann sich die einheimische Fauna natürlich entfalten und erhalten.

Dazu gehört insbesondere Südafrikas einzigartige buschige Vegetation Fynbos, ein Afrikaans-Begriff, der ursprünglich aus dem holländischen (fijn bosch) stammt. Zu den Fynbos gehören insbesondere die charakteristischen Hartlaubgewächse. Auch die bei Teetrinkern bekannten Sträucher Rooibos und Honigbusch wachsen im Kirstenbosch National Botanical Garden üppig.

Wanderwege führen die Besucher aus dem kultivierten Gartenbereich hinaus in die Wildnis, zwei dieser Routen führen auf den Tafelberg. Ebenfalls interessant: Der Garten beherbergt eine Sammlung von Statuen. Darunter befinden sich eine Büste von Nelson Mandela, zahlreiche afrikanische Steinskulpturen sowie lebensgroße Dinosaurier, die zwischen den Bäumen zu wandeln scheinen.

Gardens by the Bay, Singapur

Wie sieht die Zukunft des "Green Building" aus? Singapurs Gardens by the Bay sind sicherlich eine mögliche Antwort darauf – sie sind grün und ziemlich futuristisch. Für nicht weniger als eine Milliarde US-Dollar wurden die riesigen überdachten Gartenlandschaften erbaut, in denen unterschiedliche Klimazonen nachempfunden sind. So gehen die staunenden Besucher durch trockene, mediterrane Klimabereiche, einen Nebelwald mit donnerndem Wasserfall und über einen spektakulären "Skyway", der sich in den Wipfeln der gigantischen architektonischen "Supertrees" schlängelt.

Für Kinder gibt es einen herrlichen Wasserpark und eine schillernde Lichtershow verzaubert Abend für Abend die Besucher. Wer es traditioneller mag: Nur anderthalb Kilometer entfernt befinden sich die Singapore Botanical Gardens mit dem berühmten Orchideengarten.

Jardim Botânico, Rio de Janeiro

Unterhalb des Wahrzeichens von Rio de Janeiro, der 38 Meter hohen Christusfigur, liegt an den Hängen des Berges Corcovado der Rio Jardim Botânico mit einer Fläche von 345 Hektar. Zum Teil ist dieser märchenhafte Botanische Garten bewirtschaftet, zum Teil naturbelassener Dschungel, was einen besonderen Reiz ausmacht. Seine Hauptattraktion ist die Avenue of Royal Palms, die viel fotografierte Allee aus 134 prachtvollen grünen Riesen, die von einem Baum aus der Gründungszeit des Botanischen Gartens im Jahr 1808 abstammen.

Orchideenfreunde erfreuen sich im Orquidário an rund 600 unterschiedlichen Arten, von denen eine eindrucksvoller als die andere ist. Eine weitere Attraktion sind die etwa 15.000 Bromelien, die im sogenannten Bromeliário und auf dem gesamten Gelände verteilt zu entdecken sind.

Kew Gardens, London

Die weitläufigen Kew Gardens haben alles, was einen großartigen botanischen Garten ausmacht: spannende Geschichte, große Vielfalt, seltene Pflanzen, imposante Gewächshäuser, klare Beschilderung, feinsinnige Landschaftsgestaltung und jede Menge weitere Attraktionen.

Nur eine kurze Zugfahrt vom Zentrum Londons entfernt, ist Kew ein entspanntes grünes Wunderland, dessen Erkundung durchaus auch Tage dauern kann. Am beeindruckendsten ist das neu restaurierte Temperate House, das größte viktorianische Glashaus der Welt. Auch spannend: der 200 Meter lange, 18 Meter hohe Baumkronenpfad. Aber das ist längst nicht alles. The Hive ist eine multisensorische Skulptur, die Einblick in das Leben der Kew-Bienen bietet.

Wer den Garten im Frühling besucht, wird verzückt sein vom Anblick der abertausenden Glockenblumen, die auf dem ganzen Gelände blühen. Auf den 121 Hektar blühender Gärten befindet sich umfassendste botanische Sammlung der Welt, deren Ursprünge in das Jahr 1758 zurückreichen. Weiteres Superlativ der UNESCO Welterbestätte ist die weltweit größte Orchideensammlung.

Butchart Gardens, Vancouver Island

Manche Gärten haben eine ganz erstaunliche Geschichte. Die Butchart Gardens, nur eine kurze Autofahrt von Victoria entfernt, waren einst ein Steinbruch, der ein Zementwerk belieferte. Nachdem die Kalksteinvorkommen erschöpft waren, ließ die Besitzerin Jennie Butchart das Gelände in eine der beliebtesten Attraktionen von Vancouver Island umgestalten.

Die Gärten sind für ihre umfangreiche Rosenkollektion ebenso berühmt wie für die Herbstfarben des japanischen Ahorngartens. Viele Besucher lieben es, dort gemütlich ihren Nachmittagstee einzunehmen. Die Lage am Wasser bietet die Möglichkeit, mit einem Boot oder sogar mit dem Wasserflugzeug anzureisen. Dieser "Hintereingang" zu den Butchart Gardens ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern umgeht praktischerweise auch die Besuchermassen am Haupteingang.

Saihō-ji, Kyoto

In Japan gibt es hunderte außergewöhnlicher Gärten mit Tempeln und zauberhaft gefärbtem Ahornlaub oder zartgrünem Bambus. Die Gärten von Saihō-ji sind für etwas viel Kleineres berühmt: Moos. Sagenhafte über 120 unterschiedliche Moosarten wachsen auf dem Gelände und sogar auf den Gebäuden des über 1.200 Jahre alten Tempels und UNESCO-Weltkulturerbes.

Daher stammt auch der Name "koke-dera", das bedeutet Moss-Tempel. Beschilderungen mit lateinischer Schrift sucht man vergebens, sie sind jedoch gar nicht so wichtig. Viel entspannter ist es, den Garten einfach auf sich wirken zu lassen. Dann lassen sich mit wachem Auge die zauberhaften Veränderungen der Landschaft erkennen, die abwechslungsreichen Texturen und Farben des Mooses. Natur und Landschaftsgestaltung haben hier im Laufe der Jahrhunderte eine unvergleichliche ästhetische Harmonie erreicht.

Im Voraus zu planen empfiehlt sich: Saihō-ji beschränkt strikt die Anzahl der Besucher, um die religiöse Atmosphäre des Tempels aufrechtzuerhalten. Wer den Garten besuchen möchte, muss per E-Mail mindestens drei Wochen im Voraus eine Reservierung anfordern.

National Tropical Botanical Garden, Kaua'i, Hawaii

Mit seinem Hauptsitz in Kaua’i sichert der National Tropical Botanical Garden mit mehreren Standorten die Vielfalt tropischer Pflanzen und schützt vom Aussterben bedrohte Arten. Die meisten Besucher strömen zu den Allerton und McBryde Gardens an der South Shore in der Nähe von Po'ipu.

Der Allerton Garden wurde im Lawaʻi Valley als Vision eines Landschaftsarchitekten mit einem eigenen Fluss und Strand angelegt. Der Garten und insbesondere die Feigenbäume der Moreton Bay wurden in zahlreichen Filmen und Fernsehsendungen verewigt, eines der prominentesten Beispiele ist "Jurassic Park".

Für eine selbstgeführte Tour können Besucher einen Shuttle zum McBryde Garden nehmen. Von dort lassen sich die rund 50 Hektar Gelände mit spezifischen hawaiianischen und ethnobotanischen Arten erkunden. Unter ihnen sind auch tropische Gewürzpflanzen aus aller Welt und Kanupflanzen, die von den frühen polynesischen Siedlern mitgebracht wurden.

Der Limahuli Garden an der Nordküste ist eine fast mystische Zeitreise in die ersten Gärten der Siedler.

Isola Madre, italienische Seen

Manchmal dreht sich in einem tollen Garten einfach alles um die Lage. Und da gibt es kaum eine romantischere als die der Isola Madre, einer der winzigen Borromäischen Inseln im italienischen Lago Maggiore. Vor dem Hintergrund der schneebedeckten Alpen befindet sich dieser üppige Garten, der einen Palazzo aus dem 16. bis 18. Jahrhundert umgibt. Im Inneren des Palazzo ist die umfangreiche Puppensammlung von Countess Borromeo ausgestellt, einschließlich einer ziemlich beängstigenden Auswahl diabolisch aussehender Puppen.

Im Garten schreiten majestätisch weiße Pfauen zwischen einer bemerkenswerten Sammlung von Rhododendren, Kamelien und anderen exotischen Blütenpflanzen umher. Die nahe gelegene Isola Bella bietet noch mehr Gärten, Pfauen und einen der fantasievollsten Palazzi in ganz Italien. Mit einem kombinierten Fährticket lassen sich beide Inseln besuchen.

Denver Botanic Gardens, Colorado

Die Denver Botanic Gardens gehören zu den meistbesuchten Gärten Nordamerikas. Sie beweisen, dass die Höhenlage kein Hindernis für das prächtige Gedeihen von Fauna und Flora ist. Im Gegenteil, die Highlights der Gärten sind alpine Pflanzen und heimische Gewächse des amerikanischen Westens.

Der Mordecai Children’s Garden innerhalb der Botanischen Gärten ist weit mehr als ein Kinderspielplatz. Er führt durch sechs Ökosysteme, die Kindern und ihren Eltern die Wunder der Natur näher bringen. Neben den spannenden botanischen Erlebnissen gibt es jede Menge Musik und Kunst zu entdecken.

Im Sommer findet beispielsweise eine Konzertserie mit namhaften internationalen Musikern statt. Außerdem sind regelmäßig Installationen weltbekannter Künstler ausgestellt. Vom Erntedankfest bis zum Silvesterabend verwandelt sich der York Street Garden bei der alljährlichen Blossoms of Light-Feier in einen glitzernden Farbwald.

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Deutsche Fassung: Ines Wagner
Original-Artikel: Andy Murdock/Lonely Planet international

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