Belgien

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Belgiens übermächtige Nachbarn Frankreich, Deutschland und Großbritannien hielten Belgien lange Zeit für einen netten kleinen Ort, an dem man sich die Köpfe einschlagen kann. Nachdem Belgien zunächst von germanischen Stämmen erobert wurde, erfolgte im siebten Jahrhundert die Christianisierung, gefolgt von der Eingliederung in das Frankenreich um 1100. Eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebte Belgien unter der Herrschaft der Burgunder im 14. Jahrhundert. Einen Aufschwung erlebten vor allem die flämischen Städte Ypern, Brügge und Gent, deren Wirtschaft vor allem auf dem Stoffhandel beruhte. Während Brügge seine führende Stellung aufgrund der britischen Konkurrenz und der Verschlammung des Flusses nicht lange halten konnte, stieg Antwerpen zu einer bedeutenden Handelsstadt mit dem damals größten Hafen Europas auf.

Das goldene Zeitalter begann zu verblassen, als die damaligen Niederlande (heute Belgien, die Niederlande und Luxemburg) Mitte des 15. Jahrhunderts durch die damals übliche Heiratspolitik an Spanien fiel, wodurch ein langer Kampf gegen die Herrschaft des katholischen Spaniens ausgelöst wurde. Philipp II., ein fanatischer Katholik, schickte die Inquisition, um den Katholizismus in den Niederlanden durchzusetzen. Tausende waren bereits eingekerkert oder hingerichtet, als 1566 die Erhebung gegen die spanischen Herrscher begann. Sie fand ihren nahtlosen Öbergang in den 30-jährigen Krieg und endete 1648 mit der Aufteilung des Gebiets in die heutigen Niederlande und Belgien. Während die Niederlande ihre Unabh ängigkeit erlangten, blieben Belgien und Luxemburg unter spanischer Herrschaft. Nach Napoleons berühmter Niederlage bei Waterloo in der Nähe von Brüssel wurden die Gebiete als Ergebnis des Wiener Kongresses wieder zu einem einheitlichen Staat, dem Vereinigten Königreich der Niederlande, zusammengefasst. Damit wiederum konnten sich die katholischen Belgier nicht abfinden und setzten nach dem Aufstand von 1830 ihre Unabhängigkeit durch.

Obwohl das Land sich eine Politik strikter Neutralität auferlegte, marschierten 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs die Deutschen ein. Grund hierfür war der im Schlieffen-Plan vorgesehene Versuch, die französische Front zu umgehen. Bis zum Ende des Kriegs blieb Belgien Frontgebiet. Die Geschichte wiederholte sich 1940, als erneut die Deutschen das Land überfielen und es in nur drei Wochen vollständig besetzten. König Leopold III., dem vorgeworfen wurde, sich gar zu schnell mit den Besatzern arrangiert zu haben, trat 1950 zu Gunsten seines Sohnes, König Baudouin, zurück. Der beliebte Herrscher verstarb 1993 ohne Kinder zu hinterlassen. Nachfolger auf dem belgischen Thron wurde sein Bruder, König Albert II.

Das Belgien der Nachkriegszeit erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, welcher später vor allem durch die Wahl Brüssels als Standort für die Zentralbehörden der EU und der NATO verstärkt wurde. Das heutige Belgien beheimatet eine gewaltige Armee von Diplomaten, welche dem Land eine ganz eigene Art internationalen Flairs verleihen. Das gilt zumindest für die Hauptstadt, die zügig ausgebaut wurde, um sich ganz auf ihre neue Bestimmung einzustellen - nüchterne Hochhausburgen blieben dabei nicht aus. Die Belgier selbst bleiben nonchalant - der wahre Geist Belgiens wird immer in seinem Volk und seiner Vergangenheit leben.

Im Dezember 1999 heiratete der 39-jährige belgische Thronfolger Prinz Philippe eine Sprachtherapeutin mit sowohl flämischen als auch wallonischen Wurzeln, womit das Jahrhundert mit einer versöhnlichen Geste abgeschlossen wurde, wie viele Belgier fanden. In den 90er Jahren war Belgien durch Enthüllungen über die inkompetente Handhabung der Untersuchungen der Morde an mehreren Kindern erschüttert worden. 300 000 Belgier gingen in Brüssel aus Protest gegen das nicht funktionierende Polizei- und Justizsystem des Landes auf die Straße. Im Jahre 2004 wurde gegen Marc Dutroux wegen der Vergewaltigung und Ermordung der jungen Mädchen schließlich eine lebenslange Haftstrafe verhängt.

Im Jahr 2003 wurde ein umstrittenes Gesetz, das belgischen Gerichten die Befugnis gegeben hätte, nichtbelgische Staatsangehörige für Kriegsverbrechen und Verletzungen der Menschenrechte anzuklagen, nach intensivem Lobbying u.a. durch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld fallen gelassen; Rumsfeld hatte angedeutet, dass durch dieses Gesetz die Rolle Brüssels als Sitz der NATO gefährdet werde.

Preisniveau

Mahlzeiten

  • Billigunterkunft: 11-45 €
  • Hotel mittlerer Kategorie: 45-120 €
  • Luxushotel: ab 180 €

Übernachtung

  • Einfache Mahlzeit: 5-8 Euro €
  • Restaurant mittler Kategorie: 8-20 €
  • Luxusrestaurant: ab 60 €

Währung

Euro


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