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10 coole Stadtviertel der Welt
Kaum einer, der das Reisen liebt, gerät ins Stolpern, wenn es um die größten Städte der Welt geht – London, New York City oder Rio de Janeiro gehören einfach dazu. Doch zu verstehen, was das Leben in diesen Orten so aufregend macht, erfordert einen Blick jenseits der Sehenswürdigkeiten – in jene Viertel, in denen Trends entstehen, Nachbarn sich treffen und Geschichten geschrieben werden.
Unsere Lonely‑Planet‑Autoren rund um den Globus verraten ihre Lieblingsviertel – von charmanten Altbaugegenden bis zu aufstrebenden Kreativquartieren – und zeigen, warum genau jetzt der beste Moment ist, sie zu besuchen.
1. Borgo San Frediano, Florenz
Auf der Südseite des Arno glitzern die Dächer von Florenz in der Sonne, doch unter ihnen herrscht in Borgo San Frediano ein anderes Tempo. Der Bezirk im alten Oltrarno war immer ein Viertel der Handwerker und kleinen Werkstätten. Heute ist er zugleich Werkbank, Treffpunkt und Bühne. Zwischen jahrhundertealten Palazzi, winzigen Läden und Kopfsteinpflaster führen neue Generationen von Gastronomen und Künstlern ihre Stadt in die Zukunft. Der Duft von Espresso, Leder und frischem Gebäck hängt in der Luft, Mopeds knattern vorbei, und überall laden kleine Bars zu einem schnellen Glas Vino ein.
Abends wird aus der Handwerkergegend ein vibrierendes Ausgehviertel. In der Bar Gesto genießt man italienische Tapas unter freigelegten Ziegelgewölben, während sich im Mad Souls & Spirits zwei der bekanntesten Barkeeper der Stadt in Improvisationskunst übertreffen. Um die Ecke verbindet das winzige Kawaii Sake Bar die Eleganz japanischer Trinkkultur mit florentinischer Leidenschaft. San Frediano ist erdig, elegant und eigensinnig zugleich – ein Stück altes Florenz, das wieder jung geworden ist.
Georgette Jupe ist eine amerikanische Autorin, die seit vielen Jahren in Florenz lebt. Auf ihrem Blog „Girl in Florence“ schreibt sie über das Leben zwischen Geschichte und Gegenwart der Stadt. Online findet man sie unter @girlinflorence.
2. Seongsu‑dong, Seoul
Noch vor wenigen Jahren war Seongsu‑dong ein Viertel, in dem vor allem Maschinen ratterten und Druckerschwärze in der Luft lag. Heute ist es ein Musterbeispiel für Seouls Fähigkeit, sich ständig neu zu erfinden. Zwischen alten Ziegelbauten und stillgelegten Fabriken haben Cafés, Galerien und Ateliers Einzug gehalten. Das industrielle Erbe bleibt sichtbar: Graue Betonpfeiler, Metalltüren und unverputzte Wände erzählen von der Vergangenheit, während sie die Kulisse für moderne Kunst, Mode und Gastronomie bilden.
Highlight und Wegbereiter dieser Entwicklung ist das Daelim Changgo, ein lichtdurchflutetes Café mit Ausstellungshalle, das die Transformation vor mehr als einem Jahrzehnt anstieß. Seither sind unzählige Orte gefolgt: das populäre Onion Café für fein gerösteten Kaffee, das alternative Zagmachi mit wechselnden Kunstprojekten, die experimentelle Bar OR.ER. Was Seongsu‑dong besonders macht, ist seine Balance – nicht glatt gebügelt, sondern ehrlich und lebendig. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart in einem großartigen urbanen Experiment.
Hahna Yoon ist eine zweisprachige Verlegerin und Autorin in Seoul. Sie schreibt über Design, Gesellschaft und Stadtentwicklung in Korea. Online ist sie unter @hahnay zu finden.
3. Triângulo, Lissabon
Zwischen Chiado und Santos, dort wo sich die berühmte Tram 28 durch die engen Gassen windet, liegt ein kleines, aber faszinierendes Viertel, das von Einheimischen einfach Triângulo genannt wird. Die drei Straßen Poço dos Negros, São Bento und Gaivotas waren lange vom Verfall bedroht, bevor eine junge Szene begann, sie mit neuen Ideen zu füllen. Hinter alten Fliesenfassaden verstecken sich heute Teegeschäfte, Buchhandlungen und kleine Cafés, die den ursprünglichen Reiz Lissabons bewahren.
Ein Spaziergang durch das Triângulo erzählt Geschichten: über Nachbarschaftsläden wie die Reiseliteratur‑Buchhandlung Palavra de Viajante, über die Companhia Portugueza do Chá, wo man sich durch duftende Tees trinkt, und über Feinkostläden wie Mercearia Poço dos Negros, in denen man lokale Spezialitäten probiert. Zum Entspannen laden The Mill oder das minimalistische Café Hello Kristof ein. Hier ist Lissabon noch echt, fern von Touristenhektik, mit einem langsamen, herzlichen Puls, den man überall spürt.
Sandra Henriques Gajjar ist Reisebloggerin, leidenschaftliche Portugal‑Kennerin. und berichtet vor allem über Kultur, Menschen und die Lebensart Lissabons.
4. Vesterbro, Kopenhagen
Vesterbro war einst der raue, laute Teil Kopenhagens – ein Arbeiterviertel voller Spelunken und Geschichten. Heute ist es ein Magnet für Kreative, Gourmets und Nachtschwärmer. Trotzdem hat es seinen unverwechselbaren Charakter behalten. Zwischen bunten Altbauten, Zwischennutzungen und Street‑Art entwickelt sich eine Szene, die stolz auf ihre Wurzeln ist.
Morgens locken die Brunch‑Adressen Mad & Kaffe und Granola mit frischem Gebäck, Obst und dänischem Filterkaffee. Danach geht es durchs frühere Schlachthofviertel Kødbyen, wo Galerien, Designer und Street‑Food‑Markets Seite an Seite arbeiten. Am Abend füllen sich Bars wie Fermentoren und Mikkeller, in denen Craft‑Beer nicht nur Getränk, sondern Philosophie ist. Vesterbro ist Kopenhagen im Kleinen: weltoffen, sozial und voller kreativer Energie.
Caroline Hadamitzky lebt in Kopenhagen und arbeitet als Autorin und Stadtführerin. Sie schreibt über skandinavisches Design, Küche und Kultur und teilt ihre Eindrücke auf @lovelivetravel
5. Business Bay, Dubai
Am südlichen Ende des Dubai Creek liegt ein Viertel, das gerade neu erfunden wird. Business Bay – der Name klingt nach Banken, tatsächlich aber ist hier ein urbanes Freizeitquartier entstanden, das Dubai von einer neuen Seite zeigt. Dort, wo einst nur Glasfassaden und staubige Straßen waren, blühen heute Cafés, Parks und Galerien entlang des glitzernden Dubai Canal.
Am Ufer verläuft eine zwölf Kilometer lange Promenade. Jogger, Familien und Street‑Food‑Fans teilen sich den Blick auf den Burj Khalifa, der in der Ferne leuchtet. Die Bay Avenue hat sich mit einfachen Restaurants, Boutiquen und einem Wochenmarkt zum Herz der Gegend entwickelt. Immer mehr Hotels, Spielplätze und kleine Parks machen das Viertel zu einem der lebenswertesten der Stadt. Business Bay verbindet Glamour mit Gelassenheit – eine seltene Kombination in Dubai.
Lara Brunt ist eine australische Journalistin und Lifestyle‑Autorin, die in Dubai lebt. Sie schreibt über Kultur und Stadtentwicklung in den Golfstaaten. Online findet sie sich unter @larabrunt.
6. Damansara Heights, Kuala Lumpur
Kuala Lumpur ist eine Stadt, die Widersprüche liebt – und Damansara Heights verkörpert sie perfekt. Das Viertel, lange eine ruhige Wohngegend, zieht seit einiger Zeit kreative Gastronomen und Designer an. Zwischen eleganten Häusern eröffnen Bars, Concept Stores und Restaurants, die internationale Küche mit malaysischem Geschmack verbinden.
Besonders beliebt ist die Jalan Batai, wo Sitka moderne Fusion‑Gerichte serviert und Torii feine Grillkunst mit Whiskey‑Bar‑Flair kombiniert. Ben’s Independent Grocer ist gleichzeitig Markt und Treffpunkt, mit frischem Kaffee und lokalen Produkten. Der Plaza Damansara gilt als Herz des neuen Viertels. Hier liegen die Konditorei Huckleberry, die Kneipe Skullduggery und das nordindische Restaurant Flour, bekannt für sein aromatisches Biryani. Damansara Heights ist elegant, aber zugänglich – das neue Gesicht von Kuala Lumpur.
Kong Wai Yeng ist Journalistin in Kuala Lumpur und schreibt über Literatur, Lifestyle und Gastronomie in Südostasien.
7. Sunset Park, New York City
Sunset Park liegt etwas südlich der bekannten Brooklyn‑Viertel Park Slope und Borough Park – und war lange fast unsichtbar. Doch der Wandel kam mit dem riesigen Komplex Industry City, einem Netz aus Fabrikhallen, das heute zu Galerien, Boutiquen und Start‑ups umgestaltet wurde. Zwischen Betonwänden duftet es nach geröstetem Kaffee, neben Mode‑Lofts verkaufen Street‑Food‑Köche Tacos und Ramen.
Sein Herz hat Sunset Park aber behalten. Im Osten liegt Brooklyns Chinatown mit kleinen Läden, Teestuben und Märkten, im Westen sorgen lateinamerikanische Bars für Musik bis spät in die Nacht. Über allem thront der Park selbst – eine grüne Zuflucht und einer der besten Aussichtspunkte der Stadt, besonders wenn die Sonne über Manhattan untergeht. Sunset Park ist authentisch New York: vielfältig, kreativ, in Bewegung.
Robert Balkovich ist Kultur‑ und Reiseliteraturautor aus New York. Er schreibt über Theater, Musik und urbane Trends.
8. Botafogo, Rio de Janeiro
Zwischen Copacabana und Centro liegt ein Viertel, das Rio neu erfindet: Botafogo. Es hat die Lässigkeit der Stadt, aber mit intellektuellem Einschlag. Junge Köche, Künstler und Unternehmer verwandeln alte Gebäude in Bars, Kunsträume und Gastrolabore. Die Gassen sind tagsüber verschlafen, doch abends wachen sie mit Musik auf, die aus jeder Tür klingt.
In Bars wie Comuna mischen sich Ausstellungen, Lesungen und Clubnächte. Die legendäre Bukowski ist Kult für Rockfans – nicht nur wegen der Musik, sondern wegen des Gefühls echter Spontaneität. Im CoLAB und im Void House of Food kochen internationale Gäste, Wein‑Liebhaber treffen sich im WineHouse und im South Ferro gibt es knusprige Pizza vom Holzofen. Botafogo ist laut und ungeschliffen, jung und stolz – ein Sinnbild des modernen Rio.
Tom Le Mesurier ist Food‑ und Reiseautor sowie Gründer von Eat Rio Food Tours. Er lebt in Rio de Janeiro und teilt seine Eindrücke unter @eatrio_net
9. Frelard, Seattle
Zwischen Fremont und Ballard, zwei der beliebtesten Stadtteile Seattles, liegt ein Gebiet, das erst seit Kurzem einen eigenen Namen trägt: Frelard. Früher war es eine unscheinbare Verbindung aus Straßen und Lagerhäusern, heute ist es Symbol für die Gastfreundschaft und den Erfindergeist des Nordwestens. Kleine Läden, Brauereien und Restaurants prägen die Nachbarschaft.
Im Leary Traveler wird hausgemacht gekocht, in Hale’s Ales riecht es nach Malz und Geschichte – eine der ältesten Brauereien der Stadt. Wer Hunger hat, findet in der Frelard Pizza Company und im Giddy Up Burgers unkomplizierte Küche, die perfekt zu einem Pint passt. Frelard ist Seattle ohne touristische Filter, ein Ort, an dem Handwerk und Nachbarschaft gleich wichtig sind.
Valerie Stimac ist Reiseliteraturautorin und Verlegerin aus Seattle. Sie betreibt den Blog Valerie & Valise und schreibt über Kultur und Natur im amerikanischen Nordwesten.
10. Tooting, London
Im Süden Londons, zwischen Balham und Wimbledon, liegt Tooting – ein Viertel, das über Jahrzehnte vom restlichen Stadtgeschehen unbeachtet blieb. Heute steht es für die Vielfalt und Energie der Metropole. Die Hauptstraße zwischen den U‑Bahn‑Stationen Tooting Bec und Tooting Broadway ist berühmt als „Curry Corridor“. Der Duft von Gewürzen und Brot zieht durch die Luft, während Läden und Restaurants dicht an dicht stehen.
Im Tooting Market entdeckt man Vintage‑Stores, Obststände, Designer, Street‑Food‑Ecken und kleine Bars. Abends beleben Pubs wie The Castle und The Antelope die Straßen, während The Little Bar mit Wohnzimmercharme punktet. Wer Ruhe sucht, findet sie in den weiten Tooting Commons, der grünen Lunge des Viertels. Hier liegt auch das Tooting Bec Lido, das größte Freibad Großbritanniens. Tooting ist ganz London in Miniatur: ehrlich, rau, bunt und herzlich.
Will Jones ist britischer Journalist und Autor aus London. Er schreibt über Kultur, Musik und Stadtentwicklungen.