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Alaska
9 kulturelle Erlebnisse in Alaska
Übersetzung: Ines Wagner, überarbeitet von Digital Redaktion
Neben der atemberaubenden Landschaft und den darin lebenden Wildtieren ist es vor allem die reiche Kultur der Ureinwohner Alaskas, die eine Reise in den hohen Norden Amerikas so spannend macht. Lonely Planet liefert dir intensive Erlebnisse.
Obwohl der nördlichste US-amerikanische Bundesstaat Alaska vor allem für seine schneebedeckten Berge, undurchdringlich dichten Wälder und eine faszinierende Tierwelt aus Bären, Elchen und Buckelwalen bekannt ist, zieht auch die reiche Kultur der Ureinwohner viele Reisende an. Ihre traditionsreiche Geschichte, ihre Weltanschauungen, die Sprache sowie die reiche Gesangs- und Tanztradition, ja ihre ganze Lebensweise, wurden über die Jahrtausende von diesem wild natürlichen, rauen Land geprägt.
Deshalb spielen sie eine nicht wegzudenkende Rolle dabei, wie Besucherinnen und Besucher Alaska heute erleben. Denn wer in den hohen Norden der USA reist, lernt die Traditionen und Bräuche kennen, die die Ureinwohner seit Tausenden von Jahren aufrechterhalten.
1. Fahren mit dem Hundeschlitten
Fairbanks liegt im traditionellen Territorium der Lower Tanana Athabascans. Heute leben viele Alaska Natives in der Region Fairbanks, wobei die größte Gruppe aus verschiedenen Athabascan-Völkern besteht: Gwich'in, Koyukon, Lower Tanana und andere. Auch Iñupiaq sind hier ansässig.
Das Hundeschlittenfahren ist eine jahrtausendealte Tradition der Ureinwohner Alaskas, die in dieser Region tief verwurzelt ist. Die Technik und Kultur des Mushings wurde von Generation zu Generation weitergegeben und prägt bis heute das Leben in Alaska.
Im Spätwinter und zu Beginn des Frühjahrs versammeln sich Fans, um ihre Favoriten bei den Sprint-Hunderennen anzufeuern. Höhepunkt sind die dreitägigen Open North American Championships Mitte März. Hundeschlittenführer und Zuschauer verfolgen gleichermaßen gespannt die Sprintzeiten, wählen ihre Lieblingsteams aus und genießen das nach den dunklen Wintermonaten dringend ersehnte Tageslicht.
2. Festival of Native Arts
Etwas später, meist Anfang März, lassen sich beim Festival of Native Arts an der University of Alaska Fairbanks die Gesänge und Tänze der Ureinwohner Alaskas miterleben und mehr über deren reiche Kulturen und Erzählungen erfahren. Besonders beliebt sind die Auftritte der Dena' Intertribal Dancers, welche die Lieder und Tänze der Athabascan aufführen.
Die traditionellen Kleidungsstücke der Athabascan, wie Westen aus Elchfell oder mit Perlenstickerei verzierte Kleider, sind eine Augenweide für sich. In der Regel laden die Tanzgruppen gegen Ende der Aufführungen auch die Zuschauenden zum Mittanzen ein, damit auch diese die Kraft der Tänze und der Trommeln spüren können.
3. World Eskimo-Indian Olympics
Hundeschlittenfahrten sind nicht der einzige Sport, der bei den Ureinwohnern Alaskas beliebt ist. Im Juli finden die World Eskimo-Indian Olympics (WEIO) statt – eine Veranstaltung, die indigene Völker aus Alaska und dem arktischen Kanada zusammenbringt. Der historische Name wird beibehalten, obwohl heute respektvollere Begriffe wie "Inuit" und "Alaska Native" bevorzugt werden.
Bei diesen einzigartigen Spielen geht es hauptsächlich darum, traditionelle Fähigkeiten und die Vorbereitung auf das Überleben in der Arktis unter Beweis zu stellen. Zu den Disziplinen gehören praktische Fertigkeiten wie das Filetieren von Fischen oder spektakuläre Kraftakte wie der Two-Foot-High-Kick, bei dem Athleten mit beiden Füßen gegen einen an einem Seil hängenden Ball aus Robbenfell treten müssen.
Obwohl es sich um einen ernsthaften Wettbewerb handelt, bei dem Beweglichkeit, Kraft und Geschicklichkeit gefragt sind, steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt: Sportler feuern einander an und teilen ihr Wissen – eine Tradition, die das Überleben in der unwirtlichen Arktis seit Jahrtausenden ermöglicht hat.
Das Event wird durch traditionelle Tanzaufführungen und kulturelle Präsentationen bereichert, einschließlich der Wahl der Miss WEIO, die als Botschafterin der Alaska Native-Kultur fungiert.
4. Athabaskische Fiddle-Musik
Noch mehr Tanz und Musik erleben Besucher später im Jahr bei zwei bedeutenden traditionellen Festen. Beim Athabascan Fiddlers Festival im November treten Dutzende von Künstlerinnen und Künstlern aller Generationen auf – von kleinen Kindern bis zu Elders, die ihre Traditionen weitergeben. Gäste aus aller Welt reisen an, um die reiche Kultur, jahrhundertealten Traditionen und die einzigartige Musik der Athabascan zu erleben.
Etwa zur gleichen Zeit findet der Gwich'in Athabascan Fiddle Dance statt, bei dem die Gemeinschaft traditionelle Tanzformen wie Jig, Two-Step und weitere überlieferte Stile zelebriert. Viele der Gwich'in-Tänzerinnen und -Tänzer tragen dabei kunstvolle, perlenbesetzte Mukluks – die traditionell handgefertigten Stiefel aus Elch- oder Karibu-Fell – sowie andere aufwändig verzierte, oft familienerbstückartige Gewänder.
Diese Feste sind mehr als Aufführungen: Sie sind lebendige Übertragungen kulturellen Wissens, bei denen Elders ihre Geschichten, Lieder und Tänze an jüngere Generationen weitergeben und die Gwich'in-Identität stärken.
5. Exponate der Alaska-Indianer
Ein Besuch im Landesinneren wäre nicht komplett ohne einen Besuch im Morris Thompson Cultural & Visitors Center. Hier befinden sich zahlreiche Exponate zum Lebensstil der Alaska-Indianer, Kunstwerke wie ein Torbogen aus Elch- und Karibu-Geweihen sowie geschichtliche Zeugnisse aus dem Landesinneren.
Es lohnt sich, genügend Zeit mitzubringen, um die innovativen und handwerklich aufwändigen Perlenarbeiten der indigenen Künstler zu betrachten. Die kunstfertige Verarbeitung von Fischhäuten hat in den letzten 20 Jahren einen erneuten Aufschwung erlebt. So lässt sich zum Beispiel miterleben, wie Lachsleder zu Schmuck, Taschen und Körben wird, neben der Herstellung vieler anderer einzigartiger Gebrauchsgegenstände und Schmuckstücke.
6. Walfang beim Nalukataq-Fest
Wer im Frühsommer nach Utqiagvik (ehemals Barrow) reist, kann das Nalukataq erleben – ein bedeutsames Fest zu Ehren des Grönlandwals. Das Fest findet statt, wenn die Iñupiaq-Walfangmannschaften erfolgreich von der traditionellen Frühjahrsjagd zurückgekehrt sind. Es ist vor allem ein Fest des Teilens und der Dankbarkeit: Die Walfangteams versorgen die gesamte Gemeinde großzügig mit muktuk (Walhaut und -speck) und anderen Teilen des Wals, ergänzt durch hausgemachtes Brot, Karibu- und Gänsesuppe sowie weitere traditionelle Köstlichkeiten.
Nalukataq bedeutet wörtlich "auf einer Robbenfelldecke geworfen werden". Für die spektakuläre Hauptattraktion wird eine große Decke aus Walross- oder Robbenfell wie ein Trampolin gespannt. Gemeinschaftlich werden mutige Teilnehmer hoch in die Luft katapultiert – eine Tradition, die ursprünglich Jägern half, Wild in der Ferne zu erspähen oder nach Eisbären Ausschau zu halten.
Die Iñupiaq demonstrieren dabei beeindruckende Athletik und vollführen in ihren traditionellen parkas waghalsige Sprünge und Tricks. Ein weiteres Highlight ist das Werfen von Süßigkeiten und kleinen Geschenken für die Kinder – ein Zeichen der Großzügigkeit und Gemeinschaft. Traditionelle Tänze und Gesänge beschließen dieses bedeutsame kulturelle Ereignis.
7. Tänze auf dem Yup'ik-Fest
Der Tanz ist für viele Gemeinschaften der Alaska Natives von zentraler Bedeutung. Er ist ein lebendiger Weg, mündliche Traditionen, Kultur, Sprache und lebenswichtige Überlebensfertigkeiten von Generation zu Generation weiterzugeben – und gleichzeitig eine freudvolle Feier der Gemeinschaft.
In Mamterilleq (dem traditionellen Yup'ik-Namen für Bethel) findet jeden März das Cama-i Dance Festival statt. Dieses dreitägige Fest mit seinen vielfältigen Tänzen ehrt die Yup'ik-Tradition der Qasgiq – der traditionellen Winterversammlungen in den Gemeindehäusern. Der Name leitet sich vom herzlichen Yup'ik-Gruß "Cama-i!" ab, der "Hallo" oder "Willkommen" bedeutet.
Die Tänzerinnen und Tänzer der Yup'ik, Cup'ik und der St. Lawrence Island Siberian Yupik tragen dabei prachtvolle traditionelle Gewänder: leuchtende, oft geblümte qaspeqs (leichte Parkas), kunstvolle mukluks und aufwändigen Kopfschmuck aus Fell, Federn und Perlen.
Die Lieder und Tänze erzählen Geschichten – von der Robbenjagd über das Sammeln von Beeren bis hin zu historischen Ereignissen und spirituellen Überlieferungen. Das Festival bietet auch eine wunderbare Gelegenheit, an den Verkaufsständen handgeschnitzte Masken, traditionellen Schmuck und anderes authentisches Kunsthandwerk der Region zu entdecken.
8. Southeast Alaska's Celebration
Alle zwei Jahre findet Anfang Juni eine der bedeutendsten Versammlungen der Alaska Natives in Südostalaska statt: Celebration – ein Festival, bei dem die reichen Kulturen der Tlingit, Haida und Tsimshian gefeiert werden. Dieses viertägige Festival verwandelt die Straßen von Juneau in eine lebendige Bühne, auf der Tausende von Alaska Natives ihr kulturelles Erbe in den prächtigen regalia (traditionellen Gewändern) ihrer jeweiligen Clans präsentieren.
Celebration bietet weit mehr als Aufführungen: Besucher erleben traditionelle Speisen, authentische Kunst und meisterhaftes Kunsthandwerk. Das Festival findet in den angestammten Gebieten der Áakʼw Kwáan und Taakú Kwáan statt, deren Kunsttraditionen jahrhundertealt sind.
Juneau selbst ist ein Zentrum für die Künste der Südost-Alaska Natives: Hier wird das kunstvolle Verarbeiten von Fichten- und Zedernholz gepflegt, die komplexe Webtechnik der berühmten Chilkat-Roben praktiziert und die Schnitzkunst monumentaler Totempfähle weitergeführt. Diese Kunstformen sind nicht nur ästhetisch beeindruckend, sondern erzählen die Geschichten, Legenden und Stammesgeschichte der jeweiligen Clans.
Das Festival ist eine seltene Gelegenheit, diese lebendigen Traditionen hautnah zu erleben und die tiefe spirituelle Verbindung zwischen den Menschen und ihrer Heimat zu verstehen.
9. Alaska Native Heritage Center
Viele Besucher Alaskas verschlägt es nach Anchorage, auch bekannt als Dena'ina ełnena, der traditionellen Heimat des Dena'ina-Volkes. Das Alaska Native Heritage Center, eine der größten Kultureinrichtungen des Bundesstaates, ist ein Muss für jeden, der hierherkommt. Das Center umfasst traditionelle Häuser, Versammlungsorte und Bauwerke der Alaska Natives, die man besichtigen kann. Die Guides erzählen Geschichten zu den Artefakten, die ihre Lebensweise erläutern.
Es gibt immer wieder Veranstaltungen, die sich mit den Traditionen des Tanzes und Geschichtenerzählens der Ureinwohner befassen. Ein kleines Kino zeigt Filme, die Einblicke in die traditionellen Handwerkstechniken geben – von der Fertigung von Kajaks bis zu aufwändig gearbeiteten, farbenfrohen Totempfählen.