Der perfekte TripVietnam

© Matt Munro
© Matt Munro

Von der wunderschönen Ha-Long-Bucht im Norden bis zum Mekong-Delta im Süden gibt es in dem Küstenstaat viel zu entdecken. Das Beste: Überall begegnet man überaus freundlichen Menschen und findet eine köstliche Suppe …

Ha-Long-Bucht

Leinen los!
Einst lebte im Himmel über der Ha-Long-Bucht ein freundlicher Drache. Als dann Eroberer Vietnam von der Seeseite aus bedrohten, baten die Götter das Monster, zum Schutz ein natürliches Hindernis zu erschaffen. Es zertrümmerte der Legende nach mit dem Schwanz die Landschaft. Seitdem bewachen Felsen die Küste. Die Bedrohung ist dahin, aber die Bucht zählt heute zu den bekanntesten des Landes. Ha-Long heißt übrigens „wo der Drachen ins Meer steigt“. Wie wahr! „In der vietnamesischen Kultur gelten die Fabelwesen als Beschützer der Menschen“, erklärt Vo Tan, der seit 20 Jahren als Guide in der Gegend arbeitet. „Auf einer Luftaufnahme habe ich mal gesehen, dass die Bucht von oben sogar der Form eines Drachens ähnelt.“ Doppelt so groß wie Berlin ist sie und in Wahrheit haben Wasser und Wetter die Landschaft geschliffen. Klingt nur langweiliger. Unstrittig wirkt das bezaubernde Ergebnis: Aus dem türkisfarbenen Meer erheben sich mehr als 2000 Felsen, sie reihen sich wie Dominosteine aneinander, einige mit besorgniserregender Schieflage. Dazwischen kreuzen Dschunken mit drachenförmigen Segeln. Die nahezu unbesiedelten Inseln beherbergen harmlose Kreaturen: Von oben schießen See­adler hinab, um Fische aus dem Wasser zu picken. In der Tiefe treiben Quallen zwischen den Klippen. Ha-Long-Stadt, Startpunkt vieler Boots­touren, ist eher ein trostloses Pflaster. Wer abseits der Touristenmassen schippern möchte, sollte die 50 Kilometer entfernte Cat-Ba-Insel ansteuern und von dort in See stechen. Diese ist das größte Eiland in der Bucht. Hier kann man gut klettern, Vögel beobachten und Wandertouren durch den Regenwald starten (etwa mit Cat Ba Ventures, catbaventures.com). Einer Legende nach lauert übrigens ein weiteres Monster in der Bucht: eine riesige Seeschlange namens Tarasque. Das „Nessie“ Vietnams soll sich im 19. Jahrhundert dreimal französischen Seeleuten gezeigt haben. Die Boulevardpresse berichtet, wenn jemand das Biest gesehen haben will, und Touristen können auf Verfolgungsjagd gehen (damit es dem Monster nicht zu langweilig wird und es nicht noch davonschwimmt!). Welches Ungeheuer wohl gewinnen würde, wenn der Drache die Seeschlange bekämpfen sollte?! „Natürlich der Drache“, sagt Vo Tan grinsend. „Die Guten verlieren in viet­namesischen Geschichten nie.“ Soso!

Hanoi

Auf ins Getümmel!
Es ist Rushhour in Hanoi. Hunderte Motorroller verstopfen die Altstadt. Bürgersteige bieten in diesem Chaos keine Zuflucht. Zebrastreifen sind nur auf eigenes Risiko begehbar. Wo sich Großmütter auf ihren Rollern blindlings in die Flutwelle des Gegenverkehrs stürzen, wären selbst Stuntmänner für Regeln dankbar. Hanoi weigert sich, in Würde zu altern. Die 1000-jährige Hauptstadt der bröckelnden Pagoden verwandelt sich wie ein Werwolf in eine Metropole des 21. Jahrhunderts. In der Altstadt liegen Karaokeclubs neben alten Tempeln. Kunsthandwerker-Dynastien betreiben ihren Handel Seite an Seite mit Läden, die kitschige Stofftiere in Grizzlybärengröße feilbieten. Eine Leninstatue zeigt vorbeirollenden Teenagern auf Skateboards die Faust. Ganz sicher verläuft man sich mindestens einmal beim Schlendern durch die vollen, labyrinthartigen Gassen der Altstadt. Doch wenn man die Ruhepole der 6,5-Millio­nen-­Metropole kennt, lässt es sich gut aushalten. Mehr als einmal sollte man an einem der vielen Straßenstände stoppen, um entspannt eine Pho bo (Nudelsuppe) zu löffeln. Außerdem lohnt sich der Besuch eines Wasserpuppen­theaters. Ein Geheimtipp ist der Literaturtempel zwei Kilometer westlich des Hoan-Kiem-Sees. Am besten besucht man ihn im Morgennebel, wenn hier die Tai-Chi-Profis in den Tag starten. Das Gebäude ist ein Relikt traditioneller Architektur. Vor dem Haupteingang weist ein Schild darauf hin, dass man vor dem Betreten vom Pferd steigen muss. Herrlich, diese Zeitreise! Wenige haben das sich rasant wandelnde Gesicht der Stadt so eingehend studiert wie der Street-Art-Künstler Do Hien. Er zeigt uns in seiner Werkstatt Skizzen des Stadtlebens: Walzer tanzende Paare unter den Weiden am Hoan-Kiem-See und Händler, die in den Gassen Schüsseln mit dampfender Suppe servieren. „Hanoi ist wahnsinnig inspirierend“, sagt Hien. Mit überkreuzten Beinen sitzt er zwischen abgebrannten Räucherstäbchen und Pinseln. Einige Bilder erinnern an dunkle Kapitel der Geschichte. Seine Karriere begann als Maler für die vietnamesischen Kommunisten. Er pinselte und eilte zwischendurch an die Front, um im Vietnamkrieg gegen die USA zu kämpfen. Weihnachten 1972 war er Zeuge der Bombardierung Hanois. Hien zeigt verstörende Propaganda-Farbdrucke: Wie King Kong greift ein vietnamesischer Soldat einen B-52-Bomber mit den Händen aus der Luft. Unter Sammlern sind die Poster begehrt, aber Hien kostet es Kraft, sie mit dem Schwung von damals zu malen. „Mir fehlt die Wut aus Kriegszeiten.“ Wie Hiens Kunst hat sich Hanoi entwickelt. Neben der Tür hängt ein Ölgemälde der Long-Bien-Brücke, ein Symbol für die Anpassungsfähigkeit Hanois. Die vor 40 Jahren von den Amerikanern mehrmals zerbombte Brücke wurde stets wieder aufgebaut. Heute knirscht sie unter dem Gewicht der zahlreichen Motorroller, die täglich über sie hinwegknattern.
Die vollständige Reportage finden Sie im Lonely Planet Traveller Magazin, Ausgabe November/Dezember 2013. Zum Magazin
Text: Oliver Smith
Das Wichtigste Hinkommen Ab Frankfurt a. M. geht‘s nonstop mit Vietnam Airlines (vietnamairlines.com) nach Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi. Ab Wien und Zürich fliegt via Dubai Emirates (emirates.com) nach Ho-Chi-Minh-Stadt . Via Bangkok geht‘s mit Thai Airways (thaiairways.com) nach Hanoi. Herumkommen Flugverbindungen zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt bietet u. a. Vietnam Airlines an. Zwischen den beiden Städten fahren auch Züge (vietnam-railway.com). Mehr Infos Lonely Planet „Vietnam“ (MairDumont, 24,99 €).
Drei Touren durchs Land Intrepid Travel hat über  40 organisierte Vietnam-Reisen im Programm – von den Stränden von Nha Trang bis zu den Bergen von Sa Pa. Die zehntägige Gruppenreise „Vietnam Express Southbound“ führt z. B. nach Hanoi, in die Ha-Long-Bucht, nach Ho-Chi-Minh-Stadt und Hoi An (ab ca. 841 € p. P., ohne Flug). Mehr Infos: intrepidtravel.com
So können Sie Nordvietnam einmal anders entdecken: Mehrtägige Reisen auf altmodischen russischen Motorrädern (für Anfänger und fortgeschrittene Fahrer) bietet Explore Indochina an. Die Touren führen ins Hochland, in die Dörfer der Bergvölker und z. T. über den Ho-Chi-Minh-Pfad (2 Tage ab ca. 257 € p. P.). Mehr Infos: exploreindochina.com
Wer Vietnam abseits der klassischen Routen kennenlernen möchte, kann z. B. die 17-tägige Tour „Abenteuer Vietnam. Auf den Spuren der Bergvölker“ bei dem Veranstalter Auf und Davon Reisen buchen. Die abenteuerliche Route führt u. a. in das Gebirge rund um Sa Pa (ab ca. 2365 € p. P., inklusive Flug). Mehr Infos: auf-und-davon-reisen.de
nach oben