Good MorningLaos

© Simon Urwin

Lange war das kleine Binnenland am Mekong ein Spielball fremder Mächte. Doch die Zeiten haben sich geändert, und Laos entwickelt sich zu einem der beliebtesten Reiseziele in Südostasien. Seine Trümpfe: eine abenteuerliche Natur und tiefenentspannte Menschen.

In den Open-Air-Bars am Fluss sitzen Traveller bei einem kühlen Beerlao

Wie flüssiges Gold glitzert der Mekong in der Abendsonne. Ein leichter Wind raschelt in den Palmen und verweht die drückende Hitze des Tages. In den Open-Air-Bars am Fluss sitzen Traveller bei einem kühlen Beerlao und blicken andächtig auf den trägen Strom. Oberhalb des Ufers haben sich ein paar Männer zu einer Partie Pétanque versammelt. Metallkugeln klackern. Diese Variante des französischen Boule-Spiels ist in Luang Prabang, der alten Königsstadt im bergigen Dschungel von Nord-Laos, so beliebt wie in der fernen Provence. „Das spielt hier jeder“, sagt Som Phon, einer aus der Runde. „Wir vergessen dabei den Alltagsstress.“

Von Letzterem spüren Besucher des 70 000-Einwohner-Städtchens erst mal wenig. Luang Prabang wirkt wie der friedlichste Ort auf Erden, ein Tropen­paradies wie aus dem Backpacker-Bilderbuch. Doch Laos zählt zugleich zu den ärmsten Staaten Südostasiens. Immer wieder fielen die Nachbarreiche in das Land ein. Später herrschte die Kolonialmacht Frankreich. Und während der blutigen Indochinakriege hinterließen die Sowjetunion und die USA ihre Spuren.

Doch langsam emanzipiert sich das kleine Binnenland zwischen Thailand und Vietnam, das ohne Frage zu den schönsten und ursprünglichsten Reisezielen Asiens gehört: Von Norden nach Süden fließt der mächtige Mekong durch eine atemberaubende Landschaft mit schroffen Karstklippen (bei Vang Vieng), Höhlen und Wasserfällen wie dem Tad Kuang Si, der bei Luang Prabang in türkisfarbene Badebecken rauscht. Bis sich der Fluss vor der Grenze zu Kambodscha im gewaltigen Archipel Si Phan Don mit seinen Tausenden Mini-Inseln weitet.
Ein Traumrevier für Trekking- und Kajak­touren oder Flussfahrten im Langboot. Und mittendrin in diesem Naturwunder entdeckt man verträumte Städte wie das ­Unesco-Welterbe Luang Prabang.

Dort zieht Bäcker Pon Panyatip gerade ein Blech köstlich duftender Baguettes aus seinem Holzfeuerofen. Pons kleiner Betrieb läuft gut, unglaubliche 3000 Laibe knetet er tagein, tagaus – wobei er selbst scheinbar einer seiner besten Kunden ist: „Ich liebe Baguette“, erzählt er, während er die knusprigen Brote in einem Flechtkorb stapelt. „Manchmal esse ich sie sogar morgens und abends; mit Butter, mit Chili, mit getrocknetem Rindfleisch oder Shrimp-Paste.“

Er kam, um zu kämpfen. Aber er verliebte sich in das Land

Das Essen, die Gebräuche, die ­Architektur – das französische Erbe spürt man in jedem Winkel der Stadt. Bis Laos 1954 offiziell unabhängig wurde, war das Land über ein halbes Jahrhundert ein Protektorat von Französisch-Indochina. Und Luang Prabang ein verschlafenes Provinznest im Urwald. Im alten Zentrum säumen zweigeschossige Kolonialbauten mit gemütlichen Cafés und Restaurants die Straßen, auf denen kaum Autos unterwegs sind. Dazwischen stehen von  Palmen beschattete Wats, reich verzierte buddhistische Tempel. Und überall riecht man den süßen Blütenduft der Frangipanibäume.

Luang Prabang hat einen tropischen Charme, der schon die Franzosen verzauberte. Yannick Upravans Großvater Henri etwa stammte aus Marseille und diente als Soldat im ersten Indochina­-Krieg. „Er kam, um zu kämpfen. Aber er verliebte sich in das Land“, erzählt der Mittvier­ziger mit den grünen Augen. ­Yannick ist Chef-Patron des „L’Elephant“ im Zen-trum von Luang Prabang. Das ­Restaurant ­befindet sich in einem Art-­déco-Gebäude gleich gegenüber dem Wat-Nong-Sikhoun-­muang-Tempel und gehörte einst seiner Großmutter, einer ­Laotin. Sie heiratete Henri und brachte in den Jahren ihrer Ehe sechs Kinder zur Welt. Wie viele seiner Landsmänner ­kehrte Yannicks Opa nie wieder nach Frankreich zurück.

An der vertäfelten Decke des zur Straße offenen Restaurants wälzen träge Ven-ti­latoren die schwüle Nachmittagsluft. Yannick sitzt an einem der schweren ­Kolonialstil-Tische  und zeigt stolz seine Speisekarte. Die liest sich wie das Angebot eines Sternelokals irgendwo in Paris: Es gibt Entenbrust in Grand Marnier, ­Jakobsmuscheln in Dillsauce, aber auch scharfe Cross-over-Gerichte mit Zitronen- gras und Bananenblättern. Schnecken, Wein und Käse importiert der Patron ­direkt aus Frankreich. „Die Frösche kommen allerdings aus Laos“, schwört er und lacht. „Die essen wir Laoten nämlich auch. ­Allerdings samt Haut und Kopf und nicht bloß die Schenkel.“

Text: Marcel Theroux, deutsche Bearbeitung: Olaf Heise, Fotos: Simon Urwin

Die vollständige Reportage über Laos finden Sie in der April-Ausgabe des Lonely Planet Traveller.

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Das Wichtigste

Hinkommen

Ab Frankfurt fliegen Qatar Airways (qatarairways.com) und Bangkok Airways (bangkokair.com) via Doha und Bangkok nach Luang Prabang. Ab Zürich startet Thai Airways (thaiairways.com) via Bangkok. Ab Wien heben Air France (airfrance.com) und Bangkok Airways via Paris und Bangkok nach Luang Prabang ab. Vientiane steuern Austrian Airlines (austrian.com) und Thai Airways ab Wien via Bangkok an.

Herumkommen

Lao Airlines pendelt regelmäßig zwischen Luang Prabang und Vientiane (ab ca. 80 €; laoairlines.com). Alternativ nimmt man für die gut 340 Kilometer sowie für entlegenere Orte einen Mietwagen (ab ca. 50 € pro Tag, z. B. ab Vientiane; avis.de). Der relativ ruhige Verkehr macht Laos auch zu einem der besten Radfahrländer Asiens. Viele Hotels bieten Fahrräder für etwa 1 € am Tag an.

Organisierte Touren

Travel Service Asia bietet verschiedene Rundtrips durch das südostasiatische Land an. „Geheimnisvolles Laos“ führt z. B. von der Hauptstadt Vientiane zu den Karstklippen von Vang Vieng, zur geheimnisvollen Ebene der Tonkrüge bei Xieng Khouang und in die Königsstadt Luang Prabang.
8 Tage inkl. Inlandsflüge etc. bei 2 Pers.
ab ca. 1021 € p. P.; travel-service-asia.de

Auf der Rundreise „Durch das ursprüngliche Indochina“ von world insight Erlebnisreisen stehen neben Laos auch Thailand und das Welterbe Angkor Wat in Kambodscha auf dem Programm.
23 Tage inkl. internationaler Flüge
ab ca. 2550 €; world-insight.de

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