Las VegasErst aufdrehen,... dann abschalten!

© Kris Davidson
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Es einmal auf dem Strip so richtig krassen lassen? Oder lieber in spektakulären Bergschluchten und menschenleerer Wüstenlandschaft die Einsamkeit genießen? In Las Vegas kriegen Sie zweimal Wildlife - auf ziemlich unterschiedliche Art

Aufdrehen: Im Schleudergang über die Stadt

Normal ist in Las Vegas nichts – nicht mal die Stratosphäre. Im "The Stratosphäre" kann man neben so unnötigen Dingen wie schlafen (144 Hotelzimmer) und essen (im "Top of The World"-Drehrestaurant auf 250 Metern Höhe) auch zocken (im nördlichsten Casino auf dem Strip) oder – viel besser – kurz vor Sonnenuntergang auf die Spitze des Aussichtsturms fahren und sich ein fantastisches Spektakel ansehen. Denn dann werden nach und nach die Neonreklamen und Lichter der Wolkenkratzer angeknipst, während drumherum die Wüste und die Bergspitzen des Grand Canyon im Dunkeln versinken – bis am Ende eine blinkende, unwirkliche Neonlichter-Insel aus dem schwarzen Nichts aufersteht. Wem das noch nicht reicht, der kann an Deck des Turms sein Nervenkostüm testen. Zur Auswahl stehen eine Fahrt mit "Insanity", einer Art Kettenkarussell, bei der man von einem gigantischen grünen Greifarm 350 Meter über dem Erdboden durch die Luft geschleudert wird, oder mit dem "X-Scream", einer Wippe, auf der man Vegas mal kopfüber aus einem Achterbahnwagen baumelnd sehen kann. Auch nicht schlecht: Der "Big Shot" katapultiert Fahrgäste 40 Meter am Turmmast entlang nach oben, um sie anschließend im freien Fall erfahren zu lassen, was Fliehkraft wirklich bedeutet. Aber keine Sorge: Sie dürfen auch einfach nur auf dem Observation Deck stehen bleiben und staunen. Besonders hübsch sind übrigens die  iegenden Bräute mit Schleiern anzusehen, die direkt aus einer der vielen Hochzeitskapellen am Fuß des Turms ihre Eheschließung mit einem Schuss Adrenalin besiegeln.

Eintritt zum Observation Deck: ca. 18 €, inklusive drei Fahrten ca. 32 €, stratospherehotel.com

Abschalten: Mit dem Hubschrauber über den Grand Canyon

"Wenn jemand ein Büro mit einer besseren Aussicht hat, würde ich es gern sehen", sagt Pilot John Harvey und deutet mit einem Kopfnicken auf die Landschaft unter ihm. Dort leuchtet die Mojave-Wüste in Kupfertönen, ihr trockener, rissiger Boden ist wellenförmig gefaltet wie ein gewaltiger Blätterteig aus Ton, der darauf wartet, in der glühenden Sonne knusprig gebacken zu werden. Gestreifte Felswände bauen sich auf, dann plötzlich faltet sich die Sache wieder dreidimensional auseinander, bis man zwischen den Rändern des Canyons das schlammbraune Wasser des Colorado Revers erspäht, der sich tief in die Wüste gefressen hat. Ab und zu leuchten Seen wie türkisfarbene Fata Morganen. Weiß umrandet liegt der Mead Lake in der Landschaft, der seit der Dürreperiode immer mehr schrumpft. Irgendwo hier wohnt Steffi Graf, mag es einem durch den Kopf gehen, doch dann kommt man nicht mehr zum Denken, denn John taucht plötzlich mit der Helikopter-Spitze steil nach unten. Auf einem Felshügel landet er schließlich. Sanft - wie auf Watte. "Alles Übungssache" erklärt er den atemlosen Passagieren und lässt einen Sektkorken knallen. Picknick-Time! Hubschrauber dürfen hier mit freundlicher Genehmigung der Hualapai-Indianer landen. Für die ist das heiliges Land. Erstaunlich, dass man bei dem Anblick trotzdem ein paar Bissen aus dem köstlichen Picknickkorb, den John auspackt, runterbekommt. Später, erst viel später, auf der Rückfahrt ins Hotel, wird einem bewusst, was man gerade erlebt hat.

Die Grand Canyon Picnic Tour dauert inkl. Stretch-Limo-Transfer von und zum Hotel etwa 3,5 Stunden und kostet ca. 435 € p. P., sundancehelicopters.com

Text: Orla Thomas, deutsche Bearbeitung: Miriam Collée, Fotos: Kris Davidson

Die vollständige Reportage zu den besten Tipps rund um Las Vegas finden Sie in der Dezember-Ausgabe des Lonely Planet Traveller.

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Direkt nach Las Vegas kommt man nur mit Condor ab Frankfurt a. M. (ab ca. 800 €, Dauer: 12 Stunden, condor.com). Ab Zürich geht's z. B. via London mit British Airways (britishairways.com), ab Wien via Chicago per United Airlines (united.com). Der McCarran Flughafen liegt nur wenige Kilometer vom Strip entfernt, alle 10 Minuten verkehren Shuttle-Busse. Ab zwei Personen rentiert sich ein Taxi ins Zentrum (ca. 18 €).

Vor Ort

Der berühmte Strip ist 6,8 Kilometer lang. Kürzere Strecken erkundet man am besten zu Fuß, längere mit der Monorail (lvmonorail.com) oder dem Taxi. Die meisten Tourunternehmen bieten einen Transfer ins Umland an. Wer lieber unabhängig ist, der bucht einen Mietwagen (ab ca. 30 € pro Tag, dollar.com) oder fährt mit dem Wohnmobil durch Las Vegas und Nevada.

Lesestoff

Nichts ist so alt wie ein Vegas-Reiseführer aus dem letzten Jahr. Der Lonely Planet Pocket Guide Las Vegas (z. Z. nur auf Englisch) wurde frisch überarbeitet (ca. 10 €).

Hoteltipps

Für Hipster: Cosmopolitan - Dem typischen Vegas-Kitsch entkommt man im Cosmopolitan. Puristisches Design, originelle Zigarettenautomaten: Für 5 Dollar spucken sie moderne Kunst aus. Und das Frühstücksbuffet ist ein Knaller (DZ ab ca. 135 €, cosmopolitanlasvegas.com).

Für Beach-Freunde: Delano - Das Delano ist für Vegas-Verhältnisse eine Ruheoase - für Ohren UND Augen. Das Design ist in Weiß und Beige gehalten, eigentlich fehlt nur noch Meeresrauschen. Als Entschädigung gibt es einen fantastischen Pool (DZ ab ca. 180 €, delanolasvegas.com).

Für Italien-Fans: Palazzo - Die römischen Statuen, Springbrunnen und opulenten Marmorbäder lassen schnell erahnen, wer die große Schwester dieses Hotels ist: das "Venetian Resort". Der Rummel ist hier etwas moderater, die Preise sind's leider nicht (DZ ab ca. 230 €, palazzo.com).

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