Reise-TippsFotografieren auf Reisen: So gelingen deine Smartphone-Fotos

Handgewebte Teppiche, über einem Geländer aufgehängt: Dank der Drittel-Regel ein einfacher aber eindrucksvoller Rahmen für die Gipfel der Anden in Peru.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Die hochentwickelten Kameras unserer Smartphones verändern das Fotografieren auf Reisen: Nie ging es einfacher und schneller, Bilder zu machen und inzwischen ist es normal für uns, die Bilder auch sofort über Social Media mit anderen zu teilen.

Dass das Fotografieren mit dem Smartphone so unkompliziert ist, geht aber leider oft auch zu Lasten der Bildqualität und immer häufig sind die Urlaubsbilder, die wir auf unseren Smartphone- und Computerbildschirmen sehen, eher langweilig und einfallslos. Aber das muss nicht so sein! Wenn du unsere praxiserprobten Tipps befolgst, werden deine Reisefotos zukünftig nicht weiter einfach weggeklickt, nein, sie werden dir Likes einbringen und deine Freunde und Follower werden mehr davon wollen.

Gute Gewohnheiten etablieren

Das perfekte Motiv finden

An einem neuen Ort angekommen, wird man oft von Reizen überflutet; dieses Übermaß an Reizen ist aber auch eine tolle Gelegenheit, Motive für herausragende Bilder zu finden. Achte während deiner Reise immer und überall auf Details und du wirst schon bald einzigartige Momente entdecken, die es wert sind, in einem Bild festgehalten zu werden.

Fotos von touristischen Highlights sind schön und gut, mach dir aber bewusst, dass es immer eine Vielzahl von Perspektiven und Blickwinkeln gibt. Mit einem geschulten fotografischen Auge gelingt es dir, die vorhersehbaren 08/15-Bilder zu vermeiden und stattdessen verblüffende Gegensätze, einzigartige Formen, leuchtende Farben, beeindruckende Schatten und überraschende Reflexionen zu entdecken. Strecke dich, bücke dich, werde kreativ, bewege dich, um neue Blickwinkel zu entdecken.

Strahlende Farben, scharfe Schatten und viele verschiedene Strukturen zeichnen dieses Portrait aus, das in der Andenregion Cusco in Peru aufgenommen wurde.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Die Stimmung eines Ortes einfangen

Großartige Reisebilder zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie die Kultur einer Destination auf fesselnde Art und Weise wiedergeben – und die Kameras unserer Smartphones, die jederzeit griffbereit, sofort aufnahmebereit und vor allem unauffällig sind, machen es leicht, einen ehrlichen Moment lokalen Alltagslebens einzufangen.

Nimm dir die Zeit, das Verhalten der Menschen um dich herum zu beobachten, wäge ab, ob das, was du sieht, das Potenzial für ein aussagekräftiges Bild hat. Überschreite aber auf keinen Fall die Grenze: Wenn deine Anwesenheit bemerkt wird, solltest du unbedingt um Erlaubnis fragen, bevor du auf den Auslöser drückst. Und egal in welcher Sprache oder Kultur: Nein heißt nein, also bitte respektiere es, wenn die Menschen dich bitten, ihre Privatsphäre zu wahren und stelle dich darauf ein, ohne Bild weiterzuziehen.

Die von Missionaren erbauten Kirchen auf der chilenischen Insel Chiloé beeindrucken durch ihre Architektur. Der vorbeifliegende Vogel bringt Bewegung in das statische Bild und vermittelt ein Gefühl für den Ort.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Den Moment erleben und erfahren

Oft ergeben sich die besten Chancen für ein Bild, wenn wir gar nicht damit rechnen. Mit wachsamen Augen durch die Welt zu gehen ist natürlich wichtig, du solltest aber nicht so darauf fixiert sein, ein potentielles Motiv zu entdecken, dass du dich völlig vom Hier und Jetzt entfernst. Natürlich ist es toll, eine Reihe von Bildern zu haben, die dich an deine Reise erinnern; du solltest aber auch akzeptieren, dass es Bilder und Situationen gibt, die nicht mit der Kamera festgehalten werden können. Erkenne Momente, in denen du einfach nur aufsaugen musst, was um dich herum geschieht. Der perfekte Zeitpunkt für ein Bild tritt vielleicht genau dann ein, wenn du am wenigsten damit rechnest.

Das Flatiron Building gehört zu den bekanntesten und meistfotografierten Gebäuden Manhattans. Hier bringen das Licht der „Goldenen Stunde“ und die außergewöhnliche Perspektive die Details toll zur Geltung.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Technische Tipps und Tricks

Das Licht lesen lernen

Im Vergleich zu herkömmlichen Kameras haben wir bei den Kameras unserer Smartphones nur begrenzt die Möglichkeit, Blende, Belichtungszeit und anderen Einstellungen anzupassen. Zu wissen, wie man das verfügbare Licht richtig „liest“ ist trotzdem eine wichtige Fähigkeit, um schöne Bilder aufnehmen zu können.

Beginne damit, das Licht mit dem bloßen Auge zu untersuchen, dann schaue auf das Display deines Smartphones und achte darauf, wie sich das Licht auf Schatten auswirkt, wie es die Aufmerksamkeit lenkt und besonders wie es Farben verändert. Mach dir darüber hinaus bewusst, dass Farben nur selten genau so auf dem Display abgebildet werden wie wir sie mit dem bloßen Auge wahrnehmen.

Licht beeinflusst die Qualität, Stimmung und Sättigung von Farben. So ist das Licht mittags zwar stark aber gleichzeitig neutral und die Schatten sind scharf, da die Sonne im Zenit steht. In den Goldenen Stunden, den Stunden vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang, macht das Licht die Farben warm, satt und weich und verleiht so selbst den alltäglichsten Szenen einen ätherischen Touch.

Innenaufnahmen können aufgrund der Lichtverhältnisse schwierig sein, sei es durch Lichtmangel, das flackernde Strahlen von Glühbirnen oder – ganz besonders ungünstig - den blaugrünen Farbstich von Leuchtstoffröhren. Aber die Farbverschiebungen durch künstliches Licht tragen auch das Potential in sich, Atmosphäre zu kreieren und eine bestimmte Stimmung zu transportieren. Wenn du dieses Wissen im Hinterkopf behältst und für deine Bilder zu nutzen weißt, kannst du dich von tollen Ergebnissen überraschen lassen.

Für Innenaufnahmen - wie beispielsweise von dieser Kochstunde in der chilenischen Region de los Lagos - solltest du den HDR-Modus statt des Blitzes wählen. Das weichere Licht bringt feine Details deutlicher hervor.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

HDR statt Blitz bei schwachen Lichtverhältnissen

Durch den integrierten Blitz unserer Smartphones kann es dazu kommen, dass Motive verwaschen wirken, dass das Fokussieren beeinträchtigt wird - der Fokus sollte eigentlich gestochen scharf sein, außer man zielt auf einen Weichzeichnereffekt ab - und dass der gefürchtete Rote-Augen-Effekt auftritt. Nutze statt des Blitzes die HDR-Funktion: Diese erfasst eine Serie von Bildern mit verschiedenen Belichtungszeiten und fügt die besten Bereiche dieser Bilder zu einem Bild zusammen, sodass Licht und Details ausgeglichener sind als bei einem mit Blitz aufgenommenen Bild.

Lass dir von einem Freund helfen, wenn du ein Bild bei schwachem Licht und mit künstlicher Beleuchtung aufnehmen möchtest. Bitte ihn, den Blitz seines Smartphones (oder, wenn verfügbar, ein richtiges Blitzlicht) auf das Objekt zu richten, das du fotografieren möchtest. Wenn du einen noch saubereren, weicheren Effekt erzielen möchtest, nimm eine Lage einer weißen Serviette oder eines Papiertaschentuchs und bitte deinen neuen Assistenten darum, diese vor den Blitz zu halten. So schaffst du dir eine Art mobiles Fotostudio.

Die großartigen architektonischen Details des Hotels Casa Gangotena in Quito, Ecuador sind eine Augenweide. Hier wandert das Auge über die organische Struktur des Treppengeländers zum Oberlicht, dem Schwerpunkt des Bildes.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Das Display als Sucher nutzen

Das Potenzial einer Szene oder eines Objekts zu erkennen ist erst der Anfang – erst wenn du es auch schaffst, dieses Potenzial auf dem Display deines Smartphones (dem Äquivalent zum Sucher einer herkömmlichen Kamera) in eine fesselnde Komposition umzuwandeln, wird das Auge des Betrachters gezielt geführt, dein Bild erzeugt Interesse und transportiert eine Botschaft.

Die Drittel-Regel ist die erste Regel, die Fotografen lernen, wenn es um Bildkomposition geht. Stelle dir dazu zwei vertikale und zwei horizontale Linien vor, die dein Bild in neun gleich große Teile teilen. Wenn du jetzt das Hauptmotiv beziehungsweise den Schwerpunkt deines Bildes auf eine der Linien oder den Schnittpunkt zweier Linien setzt, wirkt der Aufbau deines Fotos weit interessanter und harmonischer als wenn du das Objekt in der Mitte des Bildes platzierst.

Bei Nahaufnahmen von Lebensmitteln und Speisen ist weniger oft mehr: In dieser Abbildung eines Suppentellers erzeugen Schnitt und Farbkomposition die visuelle Harmonie.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Quadratisch praktisch gut

Auch wenn die Drittel-Regel die wichtigste Regel der Bildkomposition ist, ist es in Ordnung, sie auch ab und an zu brechen. So hat Instagram das quadratische Bildformat, das an Polaroidbilder und die 120 mm-Rollfilme alter Mittelformat-Kameras erinnert, wieder populär gemacht. Bei diesem Format kannst du durchaus einen schönen Effekt erzielen, wenn du dein Hauptmotiv in der Mitte platzierst. Hilfreich ist die Drittel-Regel aber auch hier, besonders bei horizontalen Linien. Durch die Anordnung dieser Linien kannst du Vordergrund, Zentrum und Hintergrund deines Bildes definieren und so Tiefe erzeugen.

Leider bieten bisher nur wenige Smartphones die Möglichkeit, die Schärfentiefe – also den Bereich eines Bildes, der vom Auge als scharf wahrgenommen wird – kameraintern einzustellen, aber es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändert. Und bis dahin können wir uns glücklicherweise mit Apps und Filtern behelfen.

Die markanten Bauwerke des Architekten Oscar Niemeyer sind für ihre moderne Ästhetik bekannt. In diesem Foto des Ibirapuera-Auditoriums in São Paulo führen die Einfachheit und Symmetrie sowie die Silhouette eines Freundes das Auge.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Deine Fotos in den sozialen Medien

Wo und wie teilen?

Nachdem du dein Foto aufgenommen und mithilfe der Kamera oder deiner Liebling-App bearbeitet und optimiert hast, stellt sich dann die Frage, wo du es am besten teilst. Überlege dir, auf welchen sozialen Plattformen du posten möchtest und ob es besser ist, ein einzelnes Bild einzustellen oder eine Auswahl von Bildern, die gemeinsam eine Geschichte erzählen, ein bestimmtes Gefühl transportieren oder ein Thema präsentieren.

Für unterschiedliche Plattformen funktionieren unterschiedliche Methoden, generell solltest du es aber vermeiden, zu viel zu posten. Egal wie toll deine Fotos sind, wenn du deine Follower damit bombardierst, werden die meisten deiner Bilder keine Beachtung finden. Timing, Abfolge und Verlinkungen sind der beste Weg, um deine Freunde und Follower zu aktivieren und das Interesse an deinen Bildern zu wecken.

Mehr als 55 Maissorten gibt es in Peru – die unterschiedlichen Farben, Formen und Größen der Kolben auf diesem Foto stehen stellvertretend für die landwirtschafliche Vielfalt des Landes.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Die Feinheiten des Cross-Postings

Auf Instagram solltest du deine Posts auf drei bis vier pro Tag beschränken, am besten im Abstand von mehreren Stunden. Wenn du Bilder im Sekundentakt teilst, verärgerst du deine Follower nur, weil sie beim Scrollen nichts anderes als deine Beiträge sehen.

Die Verknüpfung deines Instagram-Accounts mit anderen Social Media-Account macht es dir leicht, deine Bilder über Instagram auch dort zu teilen. Du solltest aber nicht außer Acht lassen, dass sich die Wirkung deiner Bilder aufgrund der unterschiedlichen Oberflächen der verschiedenen Apps verändern kann. Beispielsweise kann die Zeichenbegrenzung bei Twitter dazu führen, dass deine Bildunterschriften abgeschnitten werden. Außerdem werden deine Bilder nicht direkt im Tweet angezeigt sondern nur verlinkt. Wenn du möchtest, dass dein Bild auf Twitter sichtbar ist, solltest du es direkt bei Twitter hochladen. Auf diese Weise hast du auch die Möglichkeit, mehrere Bilder zusammenzufügen, sodass die Feeds für deine Freunde und Follower einheitlicher wirken.

Wenn du deine Instagram-Fotos bei Facebook teilst, sehen sie dort genauso aus wie bei Instagram und auch deine Bildunterschriften bleiben erhalten. Aber auch bei Facebook solltest du darauf achten, deine Freunde nicht mit Bildern zuzuschütten. Für gelegentliche Postings ist das Teilen deiner Instagram-Bilder über Facebook auf jeden Fall geeignet, wenn du aber vorhast, mehrere Bilder zu teilen, solltest du diese direkt bei Facebook posten indem du sie entweder zu einer Collage zusammenfügst oder ein Album erstellst, dem du auch später noch Bilder hinzufügen kannst.

Als grundsätzliche Regel gilt: Überlege dir genau, wo du welche Bilder teilst. Wenn deine Follower und Freunde auf den verschiedenen Social Media-Plattformen dieselben sind, läufst du Gefahr sie zu langweilen, wenn du überall die gleichen Bilder postest. Wenn du die gleichen Inhalte mehrfach verwenden willst, dann verteile deine Postings zumindest über mehrere Tage. Oder aber verwende auf den verschiedenen Kanälen zwar ähnliche aber nicht identische Bilder, um so neue Perspektiven und frische Eindrücke zu vermitteln.

Um Bekanntes aus einer anderen Perspektive zu zeigen, kannst du dein Foto von einem Gebäude aus - und somit erhöht – aufnehmen. Unser Beispiel zeigt gleich zwei Highlights in einem Bild: Den Washington Square Arch im Vordergrund sowie im Hintergrund das Empire State Building.
© MaSovaida Morgan / Lonely Planet

Nutze die Bildunterschriften, um Informationen zu teilen oder eine Geschichte zu erzählen. Das ist der perfekte Weg, um ein Gespräch in Gang zu bringen. Scheu dich nicht, dich an der Unterhaltung zu beteiligen und verlinke deine Follower in deinen Kommentaren – sie werden das auf jeden Fall zu schätzen wissen, selbst wenn es sich nur um Likes, ein Hallo oder ein Emoji handelt.

Die Verwendung von Hashtags kann dabei helfen, die Reichweite auf den verschiedenen Plattformen zu erhöhen und mehr Interesse zu wecken. Achte hier aber auf deine Privatsphäre-Einstellungen, eventuell können deine Hashtags nur von deinen eigenen Followern und Freunden gefunden werden.

Schnapp dir Reisepass, Koffer und Smartphone...

... und los geht's! Mit unseren Tipps solltest du nun bestens für dein nächstes Abenteuer gerüstet sein und wirst dich dank deiner stimmungsvollen und aufregenden Bilder auch noch lange und gerne an deine Reiseerlebnisse erinnern!

Veröffentlichung: Oktober 2016, deutsche Bearbeitung: Franziska Kammleiter / Lonely Planet Deutschland

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