City Trip Tokio

© Matt Munro
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Alte Teehäuser und Tempel, Neonlichter, Manga-Teens und Grillgassen unter U-Bahn-Gleisen – Tokio ist die Stadt der Kontraste. Das war schon zu Zeiten der Samurai so, als sich Edo, wie Tokio einst hieß, aus zwei Städten entwickelte. Tauchen Sie ein in Japans faszinierende Megametropole.

Rushhour in Shinjuku

Die Station ist der helle Wahnsinn. Fahrgastverdichter (die heißen wirklich so) mit weißen Handschuhen drücken Pendler in überfüllte Züge, über drei Millionen Menschen schieben und drängeln sich jeden Tag durch den betriebsamsten Bahnhof der Welt. Wer aus diesem Labyrinth wieder herausfindet, landet im größten Wolkenkratzer-Viertel Tokios, vor gigantischen Shoppingmalls oder in dem verwinkelten Straßengewirr des Vergnügungs- und Rotlichtbezirks Kabukicho, wo es deftig nach Gegrilltem duftet und ein Meer aus blinkenden Neonreklamen an den Häusern leuchtet. Japans abgefahrene 9-Millionen-Metropole erscheint chaotisch und ist ständig in Bewegung. Doch eines prägt seit jeher den Charakter der Stadt: das faszinierende Nebeneinander von Tradition und Moderne, aber auch von Glanz und Bodenständigkeit. Denn Edo, wie Tokio einst hieß, entwickelte sich sozusagen aus zwei Städten: In Yamanote, der höher gelegenen Oberstadt im Westen, residierten die Daimyo (Fürsten) mit ihren Samurai- Kriegern um die Burg der Shogune, die japanischen Militärherrscher, die bis zum Jahr 1867 an der Macht waren.

Shitamachi, die Unterstadt, wuchs an der sumpfigen Flussmündung im Osten, um die Feudalherren zu versorgen. Hier lebten einfache Handwerker und Händler dicht gedrängt in engen Holzhütten, die immer wieder von verheerenden Erdbeben und Feuersbrünsten zerstört wurden. Schon bald verschmolzen Ober- und Unterstadt zur größten Metropole der Welt. Wer in beide Welten eintauchen will, entdeckt die Stadt am besten über die Yamanote-Bahnlinie, die das westliche Zentrum Tokios ringförmig umkreist.

Sightseeing: alte Tempel und Hochzeitsprozessionen

Den Shitamachi-Charme vergangener Zeiten saugt man im Viertel Asakusa (östlich der Station Ueno) auf. Genauer gesagt in der Fußgängerzone Nakamise-dori, die zum Senso-ji-Tempel führt. Gläubige und Touristen drängen sich hier zwischen unzähligen kleinen Läden, die Kitsch und Kunsthandwerk verkaufen. Vor dem Tor zum Tempel wabert der Qualm von Weihrauchstäbchen, mit dem sich die Besucher reinigen. Senso-ji ist alles andere als ein Ort der Ruhe. Vom benachbarten Vergnügungspark Hanayashiki – seit 1853 in Betrieb – hört man die Fahrgäste der Achterbahn kreischen. Das Viertel galt einst als eine Art Montmartre von Tokio.

Die Geschichte des Tempels selbst reicht bis in das Jahr 628 zurück. Der Legende nach zogen Fischer eine kleine Kannon-Statue aus dem nahen Fluss. Die Figur der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit erachtete man als derart heilig, dass sie als „hibutsu“ – eine verdeckte Buddha-Statue – vor öffentlichen Blicken geschützt wurde, mittlerweile seit 13 Jahrhunderten.

Feudaler geht es in der weitläufigen Anlage des Meiji-Jingu-Schreins im alten Yamanote zu (Station Harajuku). Der prächtige Bau zu Ehren des Kaisers Meiji wurde ohne Nägel fast vollständig aus Holz errichtet und liegt in einem Park mit über 100.000 Bäumen. Im Hof des Schreins findet gerade eine Hochzeitsprozession statt. Die Braut trägt ein weißes Kleid mit Kapuze, ein Träger eilt mit einem roten Sonnenschirm herbei. Auf dem Parkplatz vor dem Gelände wedelt ein Shinto-Priester mit einem Stab mit Papierstreifen über die Karossen der Hochzeitsgäste. Die rituelle Reinigung sorgt für eine gute Fahrt.

taito-culture.jp, senso-ji.jp, meijijingu.or.jp

Text: Rory Goulding, Deutsche Bearbeitung: Olaf Heise, Fotos: Matt Munro

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