RadtourenAbenteuer per Rad

© Sarah Benett
© Sarah Benett

Drei radverrückte Lonely-Planet-Autoren stellen ihre spektakulärsten Touren rund um den Globus vor – von den schönsten Naturparadiesen Neuseelands über die idyllische Île de Ré in Frankreich bis hin zu Mai Chau in Vietnam.

Neuseeland

Alps 2 Ocean Cycle Trail

Neuseelands längster Radweg führt durch atemberaubende Landschaften von den Neuseeländischen Alpen bis zum Städtchen Oamaru an der Pazifikküste.

Neuseeland galt unter Mountainbikern schon immer als Paradies. Und seit die Regierung 2009 umgerechnet rund 53 Millionen Euro in den Ausbau des nationalen Radwegenetzes gesteckt hat, darf sich das Land zu Recht als die ultimative Off-Road Cycling Destination der Welt bezeichnen.

Rad-Fans aus aller Welt haben vor allem die 23 Great Rides des New Zealand Cycle Trails (nzcycletrail.com) im Visier, ein- bis mehrtägige Strecken, die teils entlang alter Nebenstraßen verlaufen oder aber neu angelegt wurden und nun durch Wildnisse führen, die zuvor unpassierbar waren. Eine der besten ist der Alps 2 Ocean Cycle Trail (kurz A2O). Er zählt schon heute zu den Klassikern und ist von Fahrern aller Klassen leicht zu bewältigen. Die rund 300 Kilometer lange Route verläuft von den Neuseeländischen Alpen bis zum Pazifik und ist in neun Sektionen unterteilt, die man entweder am Stück innerhalb von vier bis sechs Tagen, aber auch einzeln absolvieren kann. Spektakulär ist es von Anfang an: Der Startpunkt des Trails liegt am Fuße von Neuseelands höchstem Berg, dem 3724 Meter hohen Aoraki/Mount Cook inmitten der herrlichen Neuseeländischen Alpen. Von dort führt der A2O zunächst durch das verwunschene Hooker Valley und mündet bald danach an einer Sackgasse am Tasman River. Von dort ist es nur ein kurzer Helikopter-Flug hinüber ans andere Ufer, wo der Weg zunächst durchs felsige Gelände des Tasman Deltas verläuft. Die von weit verzweigten Flussarmen durchzogene Landschaft vor dem Hintergrund der Ben Ohau Range ist ein fantastischer Anblick. Nun geht es zunächst abwärts zum Lake Pukaki, von wo aus der Trail auf der Braemar Road in Richtung Twizel verläuft. Ganz in der Nähe, am Lake Tekapo mit seinem unglaublich intensiv türkisfarbenen Wasser, beginnt eine alternative Route. Hier, oberhalb des Sees, steht übrigens das Mount John Observatory (earthandskynz.com), das Astronomen und Sternegucker aus der ganzen Welt anzieht, denn dort liegt das Aoraki Mackenzie International Dark Sky Reserve – eines der besten Areale, um Sterne zu beobachten.

Für die Bewohner des 1968 ursprünglich für die Arbeiter eines Wasserkraftwerks errichteten Örtchens Twizel (twizel.info), ist der A2O ein Segen. Noch bis vor Kurzem schien die Kleinstadt dem Untergang geweiht, doch heute erlebt die in der Nähe wichtiger Kreuzungen des Trails gelegene Ortschaft einen Mini-Boom. Genau hier beginnt nämlich einer der schönsten Abschnitte der A2O-Route, die Ein-Tages-Tour von Twizel bis zur „Lake Ohau Lodge“ (ohau.co.nz). In dem gemütlichen Restaurant bekommt man zur gebratenen Ente Bergpanoramen der Extraklasse serviert.

Von dort verläuft der Weg weiter über eine Gletschermoräne und anschließend entlang der Quailburn Road bis nach Omarama (discoveromarama.co.nz). Zwar ist dieser Streckenabschnitt sehr schweißtreibend, aber er belohnt einen mit einem grandiosen Blick über eine der schönsten Landschaften Neuseelands. In Omarama legen die meisten Radler ein Päuschen ein. Entweder, um sich einen Kurztrip in einem Segelflugzeug oder ein Bad in einer der heißen Quellen zu gönnen.

Im Anschluss führt der A2O dann sanft bergab durch das Waitaki Valley, das sich Richtung Meer trichterförmig verengt. Dabei kommt man an drei künstlichen Seen vorbei, darunter am Benmore Lake, der ein toller Ort für ein Picknick ist, und am pittoresken Lake Aviemore. Dahinter folgen der kleinere Lake Waitaki und die Ortschaft Kurow (kurow.org.nz), wo man in zauberhaften Logdes nächtigen und die berühmte „Ostler Winery“ (ostlerwine.co.nz) besuchen kann.

Nahe Kurow wird der Waitaki River aus seinem Betonbecken entlassen und darf wieder auf natürlichen Wegen über die Ebenen fließen, bis er im Ozean mündet. In Duntroon wird der Alps 2 Ocean Cycle Trail allerdings zunächst vom Fluss weg durch hügeliges Terrain geleitet, vorbei an den Elephant Rocks, von denen aus es dann nur noch 50 Kilometer bis Oamaru sind. Dort angekommen ist es höchste Zeit, das Rad zur Seite zu stellen und nach einem Bad im Pazifik den erfolgreichen Abschluss der Reise mit einem kühlen Bier zu feiern.

Sarah Bernett und ihr Mann Lee Slater haben bereits 21 der 23 Great Rides der New Zealand Cycle Trails absolviert.

Frankreich

Rund um die Île de Ré

Die vor La Rochelle gelegene Atlantik-Insel ist mit ihrem gut ausgebauten und gepflegten Radwegenetz durch flaches Gelände ein echtes Familien-Fahrradparadies.

Das schwierigste Stück Arbeit auf einer Radtour rund um die Île de Ré besteht darin, überhaupt vorwärtszukommen. Denn hinter jeder Kurve erwarten einen neue, atemberaubende Aussichten. Romantische Dörfer mit weiß getünchten Häusern und grünen Fensterläden, über die Marschlande hinwegsegelnde Vogelschwärme, hölzerne Fischerbötchen, die sich in einem kleinen Inselhafen aneinanderschmiegen, und in der Sonne flimmernde Salzpfannen. Ich wäre am liebsten an jeder Ecke abgestiegen und hätte meine Kamera herausgekramt. So wären wir allerdings kaum vorangekommen, also trat ich fleißig in die Pedale und begnügte mich damit, meinen fünfjährigen Sohn, dessen Kinderfahrrad per Tandem-Stange an meinem Rad befestigt war, auf die Schönheiten der Natur hinzuweisen.

Schon drei Minuten nachdem wir mit unseren Rädern im kleinen Hafenstädtchen La Flotte losgefahren waren, verstand ich, warum unsere Freunde uns eine Familien-Fahrradtour auf der nur 30 Kilometer langen und fünf Kilometer breiten Île de Ré empfohlen hatten: Wer auch immer für die Wegführung des rund 100 Kilometer langen Radwegenetzes auf der Insel zuständig gewesen ist, hatte ganz offensichtlich ein Herz für Kinder. Die Touren lassen sich nämlich problemlos auch von den Kleinsten bewältigen.

Einen ersten Stopp machten wir in der Inselhauptstadt Saint-Martin-de-Ré, deren Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Im Parc de la Barbette packten wir unser Picknick aus, das wir auf dem Markt in La Flotte gekauft hatten: Brot, Oliven, Salami, Käse und Obst. Danach spendierten wir den Kindern einen Ritt auf den für die Île de Ré typischen, ein wenig verstörend aussehenden Ânes en culotte (Poitou-Esel, die zum Schutz vor dem Salzwasser Hosen tragen; Ticket ca. 3 €, ane-en-culotte.com) und gönnten uns im Hafen bei „La Martinière“ ein Eis (la-martiniere.fr).

Kaum hatten wir Saint-Martin wieder verlassen, staunten wir erneut über die pittoreske Landschaft rund um den Fahrradweg, der am stahlblauen Meer entlangführt. Eine Weile radelten wir an glitzernden Salzwiesen vorbei. Dann entdeckten wir die Austernfarm „Cabanajam“ (cabanajam-ile-de-re.com) und entschlossen uns, ein paar Austern zu probieren. Sie waren himmlisch!

Weiter ging’s zunächst ein Stück gen Norden, bevor wir uns wieder südlich hielten. Wir radelten durch das entzückende Fischerdörfchen La Couarde-sur-Mer nach Le Bois-Plage-en-Ré an der Küste. Der Jahrmarkt und der Spielplatz am Strand waren genau das Richtige für die inzwischen etwas radelmüden Kinder, die wir am späten Nachmittag nur mit Mühe dazu überreden konnten, den Rückweg nach La Flotte anzutreten.

Dieses Jahr bestieg Sam Hadad schon Berge in der norwegischen Arktis, fuhr mit dem Rad durch die Dolomiten und surfte in Wales.

Deutsche Bearbeitung: Elena Rudolph, Nina Heinrich, Fotos: Miles Holden, Shutterstock, Andrew Bain/Getty

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Neuseeland - Los geht's!

Start: „White Horse Hill Campground“ am Aoraki/Mount Cook in Mount Cook Village
Ziel: Oamaru
Distanz: 301 Kilometer
Hinkommen: Ab Frankfurt a. M. und Zürich geht’s z. B. mit Singapore Airlines (singaporeair.com) via Singapur oder mit Emirates (emirates.com) via Dubai nach Christchurch, ab Wien z. B. via London und Sydney mit British Airways (britishairways.com) oder ebenfalls via Dubai mit Emirates. Von Christchurch aus sind es dann noch vier Autostunden bis Mount Cook Village.
Herumkommen: Entlang des A2O bieten viele Veranstalter Leihräder, Shuttle-Services, Gepäcktransporte und Übernachtungsmöglichkeiten an. Infos: alps2ocean.com.
Unverzichtbar: Ein Mountainbike mit breiten Reifen und griffigem Profil sollte es sein.
Terrain: Abwechslungsreich, meist flach, mit wenigen hügeligen Ausnahmen.

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Postkarte aus Kamanjab, Namibia © Wolfgang Hettmer

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Frankreich - Los geht's!

Start/Ziel: La Flotte Distanz: 22 Kilometer
Hinkommen: Der nächstgelegene internationale Flughafen ist der von Nantes. Ab Frankfurt a. M., Wien und Zürich erreicht man ihn z. B. mit Air France (airfrance.com) via Paris. Von Nantes sind es dann zwei Stunden mit dem Zug (Ticket ca. 26 €, voyages-sncf.com) oder Auto (ab ca. 49 €/Tag, cardelmar.de) bis nach La Rochelle. Auf die Île de Ré geht’s schließlich mit dem Auto über eine mautpflichtige Brücke (Ticket ab ca. 8 €, pont-ile-de-re.com) oder per Bus (Ticket ca. 5 €, lesmouettes-transports.com).
Fahrradverleih: „Rhea Velo“ in La Flotte verleiht Bikes (ab ca. 8 €/Tag), Anhänger und Tandemstangen (rhea-velo.fr/laflotte).
Übernachten: Der 4-Sterne-Campingplatz „La Grainetiere“ in La Flotte bietet neben Zelt- und Stellplätzen (2 P., Auto + Zelt ab ca. 23 €) charmante Mobile Homes (4 P. ab ca. 42 €) zur Miete an (la-grainetiere.com).

Den vollständigen Artikel mit weiteren Radtouren in Neuseeland, Frankreich und Vietnam finden Sie in der Januar/Februar-Ausgabe 2017 des Lonely Planet Traveller.

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