LunigianaItalien für Fortgeschrittene

In Tellaro, am Golf von La Spezia, treibt man es ziemlich bunt – zumindest was die Hausfarben betrifft. © Matt Munro
In Tellaro, am Golf von La Spezia, treibt man es ziemlich bunt – zumindest was die Hausfarben betrifft. © Matt Munro

Die schöne Lunigiana in der Toskana kennen nicht viele. Dabei bietet die Region alle Zutaten für einen traumhaften Italienurlaub: lauschige Bergdörfer, glitzernde Mittelmeerküste, erstklassiges Essen. Ein echter Geheimtipp abseits der Touristenströme.

Die Toskana? Klar, Chianti, sanfte Hügel, Zypressen. Ligurien? Haben zumindest eingefleischte Italien-Liebhaber auf dem Radar. Aber die Lunigiana? Äähh … Nun, dieser wundervolle Flecken Erde befindet sich als historische Region genau dazwischen und erstreckt sich über die nördliche Toskana und den Süden Liguriens. Und es lohnt sich, diesen stillen Urlaubs-Geheimtipp auf die Reise-Agenda zu setzen. Die Landschaft begeistert mit üppigen Wäldern und den Bergen des Apennin. Mit saftigen Weiden und dem grünen Flusstal der Magra, die bis hinunter in das Ligurische Meer mäandert. Über den alten Dörfern thronen mehr als hundert Schlösser und Burgen, die von der umkämpften Vergangenheit zeugen.

Die Lunigiana galt lange Zeit als vergessene Region, aus der die Bewohner nach und nach abwanderten. Doch seit einigen Jahren kehren die Jungen zurück. Sie verwandeln marode Bauernhöfe in idyllische Agriturismi, züchten alte Nutztierrassen und lassen die Traditionen ihrer Großeltern wieder aufleben. Etwa die erfindungsreiche Küche und die Wertschätzung ihrer regionalen Zutaten. Brot, Olivenöl und Wein kommen, naturalmente, wie überall in Bella Italia auf den Tisch. Aber hier schmeckt die kulinarische Dreifaltigkeit mitunter ein wenig anders. Brot wird aus Kastanienmehl gebacken, das Olivenöl hat eine feuchtgrüne Note, und der weiße Vermentino ist knochentrocken wie Wüstensand.

Kostprobe gefällig? Die gibt’s bei Bauer Lorenzo Garigali. In seinem rustikalen Backhaus nahe Pontremoli widmet er sich gerade hingebungsvoll dem lokalen Grundnahrungsmittel: Testaroli, eine Art Hybrid aus Pfannkuchen und Pasta. Das klassische Arme-Leute-Gericht der Lunigiana wird üblicherweise mit Pesto verspeist. „Ich bereite die Teigfladen genauso zu wie einst meine Großmutter“, sagt er stolz, während er emsig zwischen gusseisernen Pfannen und dem offenen Holzfeuer herumwuselt. Lorenzo erledigt überhaupt alles auf die althergebrachte Art und Weise, bis hin zur Verwendung von Backpapier aus getrockneten Kastanienblättern. „Die pflücke ich immer nur am ersten Vollmond im September“, erklärt er. Der Anbau und die Ernte nach dem Mondkalender gehörten einst zu den elementaren Bauernregeln der Gegend.

Vieles erscheint einem in der Lunigiana ein bisschen skurril, aber die kräuterbasierte Küche ist über jeden Zweifel erhaben: Wildpilze und Brennnesseln werden in leckersten Ravioli verarbeitet, Borretsch und Gauchheil, ein Primelgewächs, würzen feine Pasteten.

Eine erstklassige Adresse für reisende Feinschmecker ist das Agriturismo „La Luna di Quarazzana“, das nördlich von Fivizzano in einem 12-Einwohner-Weiler herrlich im Grünen liegt. Im Bio-Kräutergarten von Ilaria Bacherini und ihrem Mann Stefano wuchern Pfefferminze und Salbei, ein Esel steht stoisch unter Apfelbäumen. Die alte Sorte Rotella köchelt Signora Bacherini zu fruchtigem Gelee ein, das sie zu Fleisch serviert. „Alles wächst hier so üppig und groß“, schwärmt sie. Gäste können bei Ilaria in Kochkursen lernen, wie man Pasta mit frischem Majoran zubereitet und wie köstlich rote Bohnen mit Salami schmecken. Gegessen wird am Abend gemeinsam an einer langen, geselligen Tafel bei Wein und Kerzenlicht – wie es sich im Süden gehört.

Texte: Antonia Quirke, Deutsche Bearbeitung: Olaf Heise, Fotos: Matt Munro

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