EuropaZum Gruseln schön: Sieben sehenswerte Friedhöfe

Der Friedhof Fontanelle in Neapel - (Foto: Angelafoto/iStock.com)
Der Friedhof Fontanelle in Neapel - (Foto: Angelafoto/iStock.com)

Selbst im Ende kann Ästhetik liegen. Nämlich dann, wenn die Lebenden die Stätten der Toten zu beeindruckenden Orten machen. Zu Orten, an denen der Vorfahren gedacht wird.

Normalerweise suchen Reisende die Orte auf, an denen das Leben pulsiert. Innenstädte, Festivals, Einkaufsmeilen, Parks. Aber nur selten verirren sie sich auf Friedhöfe. Schade eigentlich, denn gerade in den Städten, in denen Architektur hochgehalten wird, zeigt sich diese auch bei der Gestaltung von Gräbern und Gruften.

Und das oft noch unter erschwerten Bedingungen, denn die Umwelt stellt manche Grabstätten vor gewaltige Herausforderungen. Oft sind auch gruselige Massengräber entstanden, weil die Pest wütete - zum Beispiel der Friedhof Fontanelle oben auf dem Bild.

Also: Beim nächsten Besuch einer dieser Städte, lohnt sich auch einmal eine Fahrt zum Friedhof. Man bleibt ja nicht länger ...

Der mit den Berühmtheiten: Père Lachaise, Paris, Frankreich

Der Pariser Friedhof ist allerdings schon gut besucht, auch von Touristen. Um die zwei Millionen Besucher zählt er pro Jahr etwa. Und die pilgern gerne zu den vielen prominenten Gräbern.

Auf dem Père Lachaise liegt zum Beispiel der Schriftsteller Oscar Wilde, der "Das Bildnis des Dorian Gray" geschrieben hat. Seine Fans - männlich wie weiblich - hinterließen jahrzehntelang Küsse mit Lippenstift auf dem Grab. Heute geht das nicht mehr, eine Glasplatte schützt vor den Liebesbekundungen.

Weitere Berühmtheiten: Jim Morrison, Sänger von The Doors, der Komponist Frédéric Chopin und die Sängerin Édith Piaf.

Übrigens: Wer mit Père Lachaise noch nicht bedient ist, findet in den Pariser Katakomben einen weiteren interessanten Friedhof.

Ein wirklich feuchtes Grab: San Michele Island, Venedig, Italien

Die Lagunenstadt Venedig hat eigene Herausforderungen, was den Friedhof angeht. Zum einen Platzmangel, zum anderen das Wasser. Darum haben die Venezianer ihre Toten auf eine eigene Insel gelegt, auf San Michele. Das Eiland misst nur 460 mal 390 Meter, ist komplett umgeben von einer roten Ziegelsteinmauer. Hin kommt man nur per Boot - ganz gleich, ob tot oder lebendig.

Der Friedhof selbst ist als Kreuzform angelegt und mit Zypressen bepflanzt. Wohl bekanntester Toter dürfte der Komponist Igor Stravinsky sein.

Die unbekannte Totenstadt: Necropolis, Glasgow, Schottland

Necropolis - Stadt der Toten - nennen die Glaswegians ihren großen Friedhof. Rund 50.000 Bewohner beherbergt sie. Die hätten einen wunderbaren Ausblick, denn der Friedhof ist auf einem Hügel gelegen.

Vorbild für die Necropolis war an sich Père Lachaise, doch schnell hielt der typisch britische viktorianische Stil einzug. Und so sind die Gruften, Gräber und Mausoleen heute wirklich sehenswert.

Deutschlands Schönster: Ohlsdorf Friedhof, Hamburg

Noch nicht vom Ohlsdorfer Friedhof gehört? Er ist immerhin der größte Parkfriedhof und die viertgrößte Nekropolis der Welt. 235.000 Gräber sind auf ihm verteilt. Er gehört daher auf jeden Fall in die Aufzählung.

Neben den vielen Mausoleen, Kapellen und Denkmälern, ist die Natur derart ausgeprägt, dass der Naturschutzbund Deutschland hier Vogelbeobachtungen anbietet. Zudem soll die Kirsch- und Rhododendronblüte sehr sehenswert sein.

Berühmte Bewohner hat der Friedhof freilich auch. James Last, Heinz Erhardt, Inge Meysel, Hans Albers oder die - leider erst sehr kürzlich verstorbenen - Helmut Schimdt und Roger Cicero liegen hier.

Der Winzige: Jüdischer Friedhof, Prag, Tschechien

Der große Hamburger Friedhof verfügt über 389 Hektar Platz. Der alte Jüdische Friedhof in Prag dagegen ist gerade mal ein Hektar groß. Das entspricht ungefähr einem Fußballfeld. Nur dass auf einem Fußballfeld selten mehr als 23 Personen zugleich stehen. Der Jüdische Friedhof dagegen zählt 12.000 Grabsteine und vermutlich liegen dort die Überreste von bis zu 100.000 Menschen.

Dementsprechend dicht sind die Steine gesetzt.

Äußerst trocken: Kapuzinergruft, Palermo, Italien

Die Kapuziner, ein Mönchsorden, bauten in Palermo ein Kloster. Dies wuchs und gedieh und natürlich gab es dort auch eine Gruft für die Toten. Die wurde bald zu eng, also bauten die Mönche ein zweite, größere. Als sie nun die Gebeine der früheren Mönche aus der alten Gruft überführen wollten, entdeckten sie etwas seltsames: Die Toten waren nicht verwest, nur getrocknet. Kurz: mumifiziert.

Heute weist die Gruft über 2.000 Mumien aus den Jahrhunderten auf. Nicht nur Mönche, auch reiche Bürger wollten nach dem Tod erhalten bleiben. Darunter befindet sich ein zweijähriges Kind, Rosalia Lombardo. Sie starb 1920 und wurde damals so einbalsamiert, dass sie noch heute fast so aussieht, als würde sie nur schlafen.

Viel besungen: Zentralfriedhof, Wien, Österreich

"Es lebe der Zentralfriedhof, mit allen seinen Toten!" So bedichtete der Liedermacher Wolfgang Ambros den Ruheort von rund 330.000 seiner Mitbürger. Er ist somit einer der größten und dank seiner Jugendstil-Architektur auch einer der schönsten. Und einer der wenigen Friedhöfe, über die es eine eigene und humorvolle Hymne gibt.

Die Liste seiner Berühmtheiten: Brahms, Beethoven, Udo Jürgens, Hans Moser, Theo Lingen, der "Walzerkönig" Johann Strauß und Johann Hölzel. Wer Johann Hölzel ist? Er war besser bekannt als "Falco".

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Text: Stephan Goldmann

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