Der perfekte TripBrasilien

© Michael Heffernan
© Michael Heffernan

Am WM-Gastgeberland Brasilien führt 2014 kein Weg vorbei. Doch neben dem Besuch von Stadien lohnen auch Abstecher in den Dschungel, auf autofreie Inseln sowie in urige Dörfer. Auf dieser Reise rund um die legendäre Strandmetropole Rio erleben Sie alles!

Rio de Janeiro

Legendäre Strandkultur

Eben noch rollt der Atlantik friedlich an den Strand, dann ist es im Nu vorbei mit der Ruhe. Gleich einem wuseligen Ameisenhaufen strömen sie zu Tausenden herbei. Handtücher werden ausgebreitet, Sonnenschirme aufgespannt - man sieht den Sand vor lauter Menschen nicht.

Samstagmorgen ist in Rio der Teufel los. Dann können sich die Cariocas, die Bewohner der Stadt, endlich wieder ihrer Leidenschaft widmen: Sonne tanken, baden gehen. Die kilometerlangen Strände Rios sind zweifellos die berühmtesten des Planeten. Der Papst hat auf ihnen gepredigt, Lieder wurden über sie geschrieben, Fußballer wie Ronaldo haben hier als Kind gekickt. Dem bunten Treiben an der Copacabana und in Ipanema (der schö­nere, weil sauberer) zuzusehen ist ein Erlebnis: Pfarrer halten Gottesdienste, ­umringt von Gläubigen in Badehosen. In der Brandung stapfen Freizeitfischer mit ­Harpunen umher, Hunde üben geduldig das Wellenreiten. "Der Strand ist eine Art ­lebendiges Porträt unserer Stadt", sagt Pedro Lehner, ein smarter Surfer, der gerade aus dem Wasser kommt. "Du triffst hier Millionäre genauso wie Menschen aus den armen Favelas. Aber es sind alle gleich, weil jeder nur Badesachen trägt." Vom 12. Juni bis 13. Juli werden sich Fußballfans unters Volk mischen. Wer keine Tickets für das legendäre Maracanã-Stadion (absolut sehenswert) ergattert hat, darf sich an der Copacabana über ein gigantisches Public Viewing freuen!

Aber die Strände sind natürlich nicht die einzige Attraktion in Rio. Die ganze Stadt wirkt wie ein Gesamtkunstwerk: Unzäh­lige Buchten sind durchzogen von Bergen, auf denen der Urwald bis in die Wolken ­wuchert. Mittendrin kleben die Häuserlabyrinthe der Favelas an den Hängen. Achtung: wenn überhaupt nur geführte Touren dorthin buchen (z. B. über bealocal.com.br)! Den schönsten Blick auf die 6,3-Millionen-Metropole hat man von ­ihren Wahrzeichen: dem 396 Meter hohen Pão de Açúcar, dem Zuckerhut, und von der Christusstatue, die mit ausgebreiteten Armen in 748 Metern über der Stadt thront. Wer nicht mit der Seil- oder Zahnradbahn hinauf will, gönnt sich ausnahmsweise ­einen Helikopterflug (helisight.com.br). Einmalig!

Sobald die Sonnenschirme abends eingeklappt werden, kann man in den Straßen von Ipanema und Leblon shoppen, bevor man sich mit Sand in den Schuhen ins Nachtleben stürzt. Das beste tobt im Stadtteil Lapa, wo sich Feiernde in Bars und Sambaclubs tummeln. Gute Livemusik bis in die Nacht gibt es im Rio Scenarium (rioscenarium.com.br) oder im Circo Voador (circovoador.com.br). Ausruhen können Sie sich ja morgens am Strand ...

Ilha Grande

Wilder Inseltraum

Ilha Grande ist ein traumhaftes Eiland mit einer düsteren Vergangenheit: Noch bis vor 20 Jahren war die Insel Brasiliens Alcatraz - ein brutales Straflager, in dem sich selbst die Gefängniswärter gegenseitig umbrachten. Im 18. Jahrhundert landeten hier die Sklavenschiffe an, später wurden Lepra­kranke auf die Insel verbannt.

Wer Ilha Grande heute per Boot ansteuert, entdeckt ein saftig-grünes Urwaldparadies. Während man gemütlich die Küste entlangtuckert, ziehen palmengesäumte Buchten vorbei, an den dicht bewachsenen Ufern steigt Nebel empor, wild und ursprünglich, als könnte jeden Moment ein Dino aus dem Dschungel springen.

Wegen ihrer grausigen Geschichte wollte lange Zeit niemand auf der Insel leben. So streift man hier abseits der wenigen Küstensiedlungen durch unberührte Natur mit türkisen Lagunen, tropischem Regenwald und Dutzenden, teils menschen­leeren Stränden - perfekt, um sich vom Trubel in Rio zu erholen. Autos gibt es bis auf die Fahrzeuge der Müllabfuhr, der ­Polizei und Feuerwehr übrigens keine. Wer das 29 Kilometer lange Eiland entdecken will, nimmt das Boots-Taxi oder geht zu Fuß.

Am kleinen Anleger von Vila do Abraão werkeln Fischer gemütlich an ihren Kuttern, ein Kokosnussverkäufer döst auf einem Klappstuhl in der Sonne. Der einzige nennenswerte Ort der Insel besteht aus ­einigen Bars, Restaurants und Pousadas sowie einer schnuckeligen Kirche. An Wochenenden kann es hier zwar etwas voller werden. Doch vom Dorf aus führen etliche Wanderwege zu den ruhigen Stränden. Ein Traum: der endlos lange Praia Lopes Mendes im Südosten, den man über einen zweistündigen Fußmarsch durch den Urwald erreicht. Am Strand kann man auch Surfboards mieten (für den Rückweg am Abend eine Taschenlampe mitnehmen!). Die schaurigen, mit Moos überwucherten Gefängnisruinen von Dois Rios und Lazareto sind ebenfalls über Wanderwege erreichbar. Wer lieber im Wasser abtaucht, geht paddeln, schnorcheln oder inspiziert die zahlreichen Schiffswracks, die vor der Küste auf dem Meeresgrund liegen - Tauchschulen bieten Ausflüge und Kurse für Anfänger an (elitedivecenter.com.br).

Langsam verkriecht sich die Sonne hinter den Bergen. In der Bucht von Vila do Abraão schaukeln die Boote sanft im Meer. Ein paar Jungs haben sich am Strand zum Kicken versammelt, Touristen lauschen in den Bars alten Knast-Anekdoten. Der berüchtigte Drogenboss Escadinha sei hier an Neujahr 1986 filmreif mit dem Helikopter ausgebüxt, erzählt Vava de Brito, ein alter Fischer und Sohn eines Wärters. Fliehen? Das möchte man von diesem Ort nie.

Text: Oliver Smith, Deutsche Bearbeitung: Olaf Heise, Titelbild: Michael Heffernan

Den vollständigen Artikel mit Infos zum Itatiaia National Park, einem ehemaligen Goldgräberdorf und zum Regenwald finden Sie in der März-Ausgabe des Lonely Planet Traveller.

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Das Wichtigste

Hinkommen

Lufthansa fliegt nonstop von Frankfurt a. M. (lufthansa.com). Swiss startet ab Zürich direkt (swiss.com). Ab Wien geht's auch mit Lufthansa.

Herumkommen

Einen Mietwagen bekommt man am Flughafen von Rio ab ca. 25 € pro Tag (z. B. budget.com). Eine Alternative sind Fernbusse. Große Entfernungen legt man per Inlandsflug zurück, z. B. mit Gol oder TAM (voegol.com.br, tam.com.br). Bei mehreren Flügen lohnt der „Brazil Airpass“.

Weiterlesen

Der Lonely-Planet-Reiseführer „Brasilien“ (MairDumont, 26,95 €) bietet Infos zu ganz Brasilien. Neu: der Lonely Planet „Rio de Janeiro“ (MairDumont, 19,99 €).

Weitere Infos (Rio)

  • rioguiaoficial.com.br
  • Restaurant-Tipp: Die „Bar do Mineiro“ in Santa Teresa serviert beste Feijoadas (Bohneneintopf), Brasiliens Nationalspeise (Hauptgerichte ab ca. 11 €, bardomineiro.net).
  • Übernachtungstipp: Die schöne Villa Castelinho38 aus dem 19. Jahrhundert befindet sich im Stadtteil Santa Teresa, der auf einem Hügel über der Stadt liegt. Es gibt 10 Zimmer, von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf das Zentrum (DZ ab ca. 79 €, Frühstück ca. 8 €, castelinho38.com.br).

Weitere Infos (Ilha Grande)

  • Anbieter von Tauch- und Schnorcheltouren, Kajak- und Bikeverleihe etc. über ilhagrande.com.ar.
  • Restaurant-Tipp: Köstlichen Fisch isst man direkt am Meer in Vavas „Lua e Mar“ (Hauptgerichte ca. 7 €, Praia do Canto).
  • Übernachtungstipp: Das Hotel Asalem liegt etwas außerhalb von Vila do Abraão an einem Hang im Urwald. Von den Zimmern hat man einen herrlichen Blick auf die Bucht. Es gibt stets eine Klimaanlage und Internetverbindung (Suiten ab ca. 145 €, asalem.com.br).
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