IndienDas wahre Dschungelbuch

© Philip Lee Harvey
© Philip Lee Harvey

Die fabelhafte Erzählung rund um den Wolfsjungen Mogli und den gemütlichen Bären Balu ist ein Literaturklassiker. Die idyllisch-üppige Landschaft dieser vielfach verfilmten Märchenwelt ist allerdings keine Fiktion: Man kann sie in Zentralindien erleben – Begegnungen mit wilden Tigern inklusive.

Ob Kind oder Erwachsener: So gut wie jeder ist mit der Welt des Dschungelbuchs vertraut. Manch einer hat den Literaturklassiker des anglo-indischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Rudyard Kipling gelesen. Andere haben eine der zahllosen Hollywood-Verfilmungen gesehen. Kult ist die inzwischen 50 Jahre alte, launige Zeichentrickversion der Walt Disney Studios mit ihrer üppigen Darstellung des indischen Dschungels: tiefes Tropengrün, durchsetzt mit armdicken Lianen und verworrenen Schlingpflanzen sieht man dort, Tempelruinen, in denen renitente Affenhorden hausen. Tierisch sympathische Charaktere – die einen knuffig wie der Bär Balu oder hypnotisch-verhuscht wie die Würgeschlange Kaa, die anderen durchtrieben wie Tiger Shir Khan, der Oberschurke im Urwald.

 

Obwohl Kiplings literarische Vorlage inzwischen gut 120 Jahre alt ist, ist der Kosmos des Findelkindes Mogli und seiner Freunde aktueller denn je. Erst 2016 kam eine hochkarätig besetzte Disney-Neuverfilmung unter der Regie von Jon Favreau in die Kinos, in der sich halb Hollywood die Ehre gab: In der englischsprachigen Originalfassung leihen unter anderen die Filmstars Scarlett Johansson, Ben Kingsley und Bill Murray den tierischen Protagonisten ihre Stimmen. Eine weitere Neuverfilmung bringen die Warner Studios im Jahr 2018 auf die Leinwand – ebenfalls mit Starbesetzung, diesmal unter der Regie von Andy Serkis. Indiens Wildnis ist gefragter denn je, mehr Dschungelbuch war nie.

 

 

Ein perfekter Anlass, sich vor Ort ein Bild zu machen. Der Originalkosmos von Mogli, Balu & Co. existiert noch heute, und man kann relativ problemlos in ihn eintauchen. Geografisch befindet er sich in Madhya Pradesh, einem indischen Bundesstaat von der Größe Italiens, wörtlich übersetzt das „im Zentrum gelegene Land“ – Indiens „Reich der Mitte“. Der Märchenwald des Dschungelbuchs liegt dort laut Kipling in der Nähe der Seoni-Hügel unweit des Wainganga-Flusses. Was irgendwie authentisch klingt, aber frei erfunden ist, nicht zuletzt, weil der in Mumbai geborene Schriftsteller diese Gegend nie besucht hat. Noch heute leben die Einheimischen dieser relativ armen Region in Dörfern wie Nayapura in einfachen Lehmhäusern, umgeben von Urwald und zahllosen wilden Tieren.

Text: Orla Thomas, Deutsche Bearbeitung: Michael Braun Alexander, Fotos: Philip Lee Harvey, Illustrationen: Sean Briggs

Den vollständigen Artikel aus Indiens Wildnis, sowie Infos zu Mumbai und Shimla finden Sie in der Dezember-Ausgabe des Lonely Planet Traveller.

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