Der perfekte TripQuer durch Norditalien

Bellissma: Blick aus dem Wasserflugzeug auf die Terrassengärten rund um das Grandhotel „Villa Serbelloni“ in Bellagio am Comer See, © Matt Munro

In Mailand die Mode, in Venedig die Kunst und dazwischen eine Landschaft, die mit glasklaren Seen und sanften Weinbergen prädestiniert ist für das Dolce Vita. Keine Frage: Dieses Fleckchen Erde wurde von der Muse geknutscht!

Der Reiseplan

Los geht es in Mailand, wo hartes Business auf schöne Künste trifft. Danach heißt es Erholen am Comer See, um schließlich noch mehr dem süßen Leben in Soave und Bassano del Grappa zu frönen. Krönender Abschluss: Venedig, das städtische Top-Model mit Sinn für Kultur (Filmfestspiele, Biennale)!

 

  1. Die Liebe zum Design – von der Mode bis zu Möbeln – ist überall präsent in Mailand. Die Metropole mit ihren alten und modernen Seiten ist Inspiration pur.
  2. Man muss nicht George Clooney sein, um am Comer See seinen Spaß zu haben. Hier gibt es auch jenseits der „Hollywood“-Villen viel zu entdecken.
  3. Auf den Geschmack von Norditalien kommt man in den Weingütern und berühmten Grappa-Destillerien von Soave und Bassano del Grappa.
  4. Seit Jahrhunderten ist Venedig ein Ort zum Schmachten – mit Gondolieri und Gassen, alten Meistern und modernen Pavillons, Karneval und Kino...

 

 

Mailand

Business und Design geben den Ton an in Italiens zweitgrößter Stadt, die so spritzig daherkommt wie ihre Aperitif-Szene.

LA BELLA FIGURA, also die Kunst, überall eine gute Figur zu machen, gehört zum italienischen Lebensstil wie die Pasta zur primo piatto. Man legt viel Wert auf modische Kleidung, flitzt auf blank polierten Vespas durch die Gegend und nimmt den abendlichen Vino in hübschen Bars ein. Viele Städte in Italien sind darüber hinaus gesegnet mit natürlicher Schönheit. Neapel etwa mit dem Golf vor der Tür, Rom mit den sieben Hügeln. Auf den ersten Blick hat Mailand so etwas nicht zu bieten. Die Hauptstadt der Lombardei ist eine Industriemetropole. Auf den zweiten Blick allerdings kann man sich leicht in ihre Details verlieben. Etwa in den etwas abseits gelegenen Kanal Naviglio Grande. Auf ihm wurde im Mittelalter der Marmor transportiert, der für den Bau des Mailänder Doms benötigt wurde. Heute vergnügen sich Einheimische und Besucher an den Uferbänken in gemütlichen Terrassenbars und kaufen an Marktständen Spezialitäten für zu Hause ein.

Wie überall im Land begleitet auch in Mailand der Espresso die Menschen durch den Tag. Allerdings scheinen die Mini-Shots hier eine stärkere Wirkung zu haben. Gut so, denn Mailand ist rastlos, eine Stadt, in der die Anzeigetafeln der Metrostationen die Zeit in halbminütlichen Einheiten bis zur nächsten Bahn runterzählen. Doch die rund 3,2 Millionen Einwohner können auch Pause: Die gönnen sie sich tagsüber bei einem anständigen Gelato und abends zum Aperitivo.

Mailand ist in vielerlei Hinsicht ein stadtgewordener Designtempel: Es ist das Zentrum der Mode, in dem alle großen Labels von Gucci bis Prada ihre Kreationen in stylishen Shops präsentieren. Und überall in der Stadt begegnet man Kunst und Architektur. Da ist zum Beispiel der Domplatz, um dessen extravagante gotische Kathedrale sich das Schöne und Reiche formiert: etwa die „Galleria Vittorio Emanuele II“ – ein Shopping-Tempel mit einer Kuppel aus Glas, der zur Zeit seines Baus in den 1870ern revolutionär war. Ein Hingucker ist auch der Palazzo dell’Arengario. In dem aus dem Faschismus stammenden Gebäude befindet sich heute das mit Kunst aus dem 20. Jahrhundert geradezu vollgestopfte Museo del Novecento. Unbedingt aufsuchen: die schöne Bar im obersten Stockwerk!

Vier Metrostationen Richtung Westen liegt, von einem Garten umgeben, die „Spazio Rossana Orlandi“. Diese Galerie mit Shop vereint aufregendes Design von der Vase bis zur Chaiselongue unter dem Dach einer alten Krawattenfabrik. Marco Tabasso hat dort über zehn Jahre die Ausstellungstücke kuratiert. „Dank der Expo 2015 wurden viele Projekte in der Stadt beschleunigt“, sagt er. „Es gibt neue, interessante Areale wie die Fondazione Prada.“ Eine ehemalige Destillerie, die Star-Architekt Rem Koolhaas mit einem Turm aus Gold mitten im Industriegebiet in ein Kulturensemble von Weltrang verwandelte. Neben diversen Museen, Bibliothek und Kino ist das Highlight die „Bar Luce“ im schönsten Retro-Look, gestaltet von US-Kultregisseur Wes Anderson.

Ganz anders, aber ebenso bis ins Detail durchgestylt, ist die gegenüber dem Dom im zweiten Stock liegende „Terrazza Aperol“. Dort ist das gesamte Interieur auf die Farbe des norditalienischen Aperitifs abgestimmt. Die Institution für den After-Work-Drink schlechthin befindet sich allerdings abseits des Trubels: Seit in den 1960er-Jahren in der „Bar Basso“ der legendäre Cocktail Negroni Sbagliato erfunden wurde, pilgert das Business- und Kreativvolk hierher. Die Mailänder mögen Neues, aber noch viel lieber ihre Klassiker.

Weiter geht’s nach Como, das man in einer Autostunde oder 36 Zugminuten erreicht. Von dort fährt man an der Küste des Sees entlang nach Bellagio.

Text: Rory Goulding, Deutsche Bearbeitung: Andrea Bierle, Fotos: Matt Munro

 

Was sonst noch zu einem perfekten Trip nach Norditalien gehört, erfährst Du in der September-Ausgabe 2017 des Lonely Planet Traveller.

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