Der perfekte TripSchweiz

© Pete Seaward
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Kleines Land, großes Kino: Die Schweiz reizt mit mächtigen Gipfeln und Gletschern, mit kultureller Vielfalt und natürlich mit feister Schokolade und Käse zum Dahinschmelzen. Auf zu den Eidgenossen!

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Ein Festival der besonderen Art

Vierwaldstättersee

Auf in die Urschweiz

Einen schöneren Ort hätten die Gründerväterder Schweiz kaum wählen können: ein verschlungener, kobaltblauer See, eingebettet in eine milde Bergidylle, die aussieht wie mit einem sattgrünen Teppich überzogen. Vor rund 700 Jahren soll sich an den Ufern des Vierwaldstättersees der berühmte Apfelschuss von Wilhelm Tell zugetragen haben. Der weithin bekannte Armbrustschütze weigerte sich, einen Hut zu grüßen, den der Habsburger Reichsvogt Gessler auf dem Marktplatz zu Altdorf auf eine Stange stecken ließ. Zur Strafe musste der renitente Untertan einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen. Tell traf, der Freiheitskampf der Schweizer begann. "Die Tell-Legende wurde bis vor Kurzem als historische Wahrheit dargestellt", sagt Eva Fischlin vom Forum Schweizer Geschichte in Schwyz, nördlich von Altdorf. "Doch heute wissen wir, dass sie einer skandinavischen Sage entstammt." Die Talschaft Schwyz war 1291 einer der drei Gründungskantone der späteren Eidgenossenschaft. Im Forum gibt es allerlei Artefakte aus dieser Zeit zu sehen, im Bundesbriefmuseum um die Ecke kann man einen Blick auf das originale Gründungsdokument der Föderation werfen.

Tell hin oder her, in jedem Fall nimmt man sich nach der Geschichtsexkursion reichlich Zeit, um die herrliche Gegend und die Städte um den See zu erkunden. Erste Station ist das wunderbar lebendige Städtchen Luzern mit seinen bonbonfarbenen Häusern und den schönen Uferpromenaden am Westufer des Sees. Dort spaziert man in der Altstadt erst mal über die knarrende Kapellbrücke aus dem 14. Jahrhundert. Tipp: Kunstliebhaber machen unbedingt einen Abstecher in die großartige "Sammlung Rosengart", wo man unter anderem Werke von Picasso, Klee, Cézanne und Miró sehen kann. Bei schönem Wetter relaxt man im Strandbad Lido (Lidostraße) oder noch besser: am Nationalkai ein Motorboot mieten und lässig über den See cruisen! Wer die Landschaft lieber aus der Vogelperspektive bestaunt, bucht einen Paragliding-Tandemflug oder begibt sich an die Ostseite des Sees. Oberhalb des Dörfchens Stoos fährt eine Seilbahn auf den Fronalpstock. Von der Aussichtsplattform in über 1900 Metern Höhe bietet sich ein prächtiger Blick auf das blaue Paradies. Am gegenüberliegenden Ufer des Urnersees - ein fjordähnlicher Zipfel des Vierwaldstättersees - erkennt man ein helles Fleckchen Grün, umgeben von dichtem Wald: das Rütli. An dieser Stelle sollen die Vertreter der drei Urkantone Schwyz, Uri und Unterwalden einst den Rütlischwur geschlossen haben - die Geburtsstunde der Schweiz. Eine rot-weiße Fahne auf einer saftigen Wiese, kein kolossales Denkmal - das passt irgendwie zu dem friedlich-sympathischen Land.

Lauterbrunnen

Vertikales Naturkino

Atemberaubende Berggipfel und Täler gibt es viele in den Alpen. Doch die Landschaft um Lauterbrunnen ist von anderem Kaliber: Bis zu 400 Meter ragen die Felswände in dem engen Tal senkrecht in den Himmel. Von ihren Kanten stürzen 72 Wasserfälle in die Tiefe, hoch oben kleben die Chalets der Dörfer Wengen und Mürren auf bewaldeten Terrassen. Und als wäre all das nicht spektakulär genug, erheben sich im Hintergrund die majestätischen Eisgipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau. Die furiose Naturkulisse inspirierte bereits J. R. R. Tolkien zu seinem Bruchtal in "Der Herr der Ringe". Als der Schriftsteller1911 im Lauterbrunnental wanderte, wurden gerade die letzten Tunnel durch den Fels von Eiger und Mönch getrieben. Seitdem kämpft sich hier die Zahnradbahn hinauf bis zum Jungfraujoch, Europas höchstem Bahnhof in eisigen 3454 Metern über dem Meeresspiegel und mit sensationellem Blick bis hin zum Schwarzwald.

Es ist nicht das einzige Abenteuer, um diese schwindelerregende Landschaft zu entdecken. Grandios ist die Kleine-Scheidegg-Wanderung von Grindelwald nach Lauterbrunnen. 18 Kilometer geht es über blühende Almwiesen - die legendäre Eigernordwand und die Viertausender stets vor Augen. Ein ziemlich feuchtes Spektakel bieten die Trümmelbachfälle, die teils unterirdisch in einer begehbaren Klamm den Fels hinunterdonnern (per Bus Richtung Stechelberg). Wer den Adrenalinkick sucht, kann sich auf den Mürren-Gimmelwald-Klettersteig wagen. Auf der dreistündigen Tour steigt man auf Eisenleitern furchteinflößende Abgründe hinab, quert eine 80 Meter lange Hängebrücke und saust per Seilrutsche über eine Schlucht. Für Samuel Brunner, Führer der Kabinenbahn von Wengen auf den Bergkamm des Männlichen, gehört die Höhe zum Alltag. "Viele kommen damit nicht zurecht und kündigen gleich wieder", erzählt er. "Aber ich genieße die Aussicht. Ich beobachte Adler, Gämsen und manchmal auch Luchse. Und mein Haus habe ich ebenfalls immer im Blick."

Text: Rory Goulding, Deutsche Bearbeitung: Olaf Heise, Fotos: Pete Seaward

Den vollständigen Artikel mit weiteren Reise-Tipps in der Schweiz finden Sie in der Juli/August-Ausgabe des Lonely Planet Traveller.

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