StadtviertelDie acht schönsten Chinatowns der Welt

Von Singapur bis Toronto - auf allen Kontinenten gibt es faszinierende Chinatowns, in denen die chinesische Tradition lebendig und die Küche unschlagbar ist.

Die Enklaven der chinesischen Kultur und des florierenden Handels sind voll dampfender Garküchen und Restaurants mit kulinarischen Hochgenüssen. Keines dieser chinesischen Stadtviertel wurde bewusst geplant. Sie sind mit den Jahrzehnten und manchmal sogar Jahrhunderten gewachsen. Alle teilen faszinierende Geschichten und lenken die Aufmerksamkeit der Besucher auf eine bunte Architektur, quirlige Feste und köstliches Essen.

Jede dieser acht Chinatowns legt ein Zeugnis ab für den kosmopolitischen Geist ihrer Gründerkulturen und ist für sich eine Reise wert. Wer sich auf die kulinarische Entdeckung einlässt, wird schnell die chinesische Volksweisheit begreifen: "Für den Herrscher sind die Menschen der Himmel - für die Menschen aber ist das Essen der Himmel". Wir zeigen, wo man weltweit am besten Chinesisch isst.

Singapur

Der Stadtstaat südlich von Malaysia ist ein Ort, an dem die Menschen vom Essen regelrecht besessen sind. Daher ist es kein Wunder, dass Singapurs Chinatown zum geschäftigen, dampfenden Aushängeschild einer spannenden Esskultur geworden ist. Früher war der quirlige Stadtteil geprägt von Opiumhöhlen und dem Kräfteringen der Triaden. Folglich lässt sich heute noch immer ein faszinierendes Gefühl für die unterschiedlichen Facetten Chinatowns empfinden: der dunklen Geschichte und des modernen Lebens.

Das Gewirr aus niedrigen Gebäuden traditioneller und moderner Architektur, versteckten Tempeln, geschäftigen Bars und Restaurants, vermischt mit urbaner Kunst, wirkt auf die Besucher eine faszinierende Anziehungskraft aus. Das Chinatown Heritage Center ist eine gute Adresse, um sich mit der abwechslungsreichen Geschichte auseinanderzusetzen.

Wer dann einen gewissen Appetit oder gar Hunger verspürt, sollte im Chinatown Complex fündig werden. Dort reihen sich Foodstand an Foodstand - ein Fest für alle Sinne. Unser Tipp ist “Hong Kong Sojasauce Chicken & Rice Noodle". Der einfache Straßenhändler ist derart lecker, dass er sogar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Herr Chan Hon Meng serviert seinen Gästen ein sagenhaftes bronzenes Sojasauce-Hähnchen und knusprig süßes Schweinefleisch. Diese warten in langen Schlangen manchmal fast eine Stunde darauf, die berühmten Leckerbissen zu ergattern. Ebenfalls ein Hit: der gemischter Reis im Tontopf bei "Lian He Ben Ji Claypot Rice".

San Francisco, USA

In San Francisco befindet sich die größte, älteste und berühmteste Chinatown der USA. Der kalifornische Goldrausch von 1848 zog Hunderttausende in die einst winzige pazifische Siedlung. Darunter waren auch zahlreiche chinesische Glückssucher, die über die Meere strömten, um den legendären "Gold Mountain" zu erkunden.

Hinter dem Drachentor, einem Geschenk Taiwans im Jahr 1970, beginnt die legendäre Chinatown San Franciscos. Die schmalen Gassen wimmeln von Menschen, die sich in den Garküchen und an den Dumpling-Ständen eine schnelle Köstlichkeit einverleiben. Auch architektonisch ist Chinatown interessant, nicht nur wegen der schönen Klinkergebäude, die glücklicherweise das verheerende Feuer von 1906 überstanden haben. Interessante Einblicke in die Stadtgeschichte bietet das Chinese Historical Society Museum.

Wenn der Magen knurrt, lässt sich schnell herausfinden, wie Kaliforniens fieberhafte Suche nach Neuheit und Genuss die chinesische Küche beeinflusst hat. Im stilvollen Mister Jiu's richtet Chefkoch Brandon Jew den hauchfein geschnittenen Schweinekopf mit wildem Kohlrabi und Amaranth an. Dazu wird ein Teeei serviert - ein Ei, das in Tee und Gewürzen gekocht wird. Auch lecker: die saisonale Dungeness-Krabbe, gedämpft und gewürzt mit aromatischen kantonesischen Kräutern.

Melbourne, Australien

Melbourne hat seine tief verwurzelte Chinatown ebenfalls dem Reichtum der Erde und ihren Bodenschätzen zu verdanken. Die ersten chinesischen Einwanderer kamen nach der Entdeckung von Gold im Jahr 1850 in der aufstrebenden Stadt an. Daher ist Melbournes Chinatown eine der ältesten in der südlichen Hemisphäre. Sie wurde stark von der kulturellen Vielfalt der Stadt beeinflusst. Inzwischen gibt es einen wilden Mix aus chinesischen, indonesischen, koreanischen, malaysischen, thailändischen und anderen südostasiatischen Restaurants.

Eines der markantesten Restaurants, in dem asiatischer Synkretismus auf Melbournes berühmte Barkultur trifft, ist das Seamstress. Es befindet sich in einem atmosphärischen viktorianischen Lagerhaus und ist für seine feinen chinesischen Gerichte berühmt. Unbedingt probieren: Lammschulter mit Seidentofu und fermentierter Chili-Bohnenpaste oder Schlangenbohnen und goldene Süßkartoffeln mit grünem Erbsenpüree und Korianderschaum.

Natürlich sind auch die engen Verbindungen zum chinesischen Mutterland ein lebendiger Inspirationsquell, wie durch die Glasfenster der Hu Tong Dumpling Bar zu erkennen ist. Dort zaubern am Wok erfahrene Köche, die in China aufgewachsen sind und jetzt Melbournes Expat-Szene bereichern. Es ist unmöglich, am Xiao Long Bao vorbeizugehen, ohne einen Zwischenstopp einzulegen. Das für seine fantastischen Dumplings beliebte Restaurant versetzt die Gäste mit seinem authentischen Geschmack direkt die Straßen von Old Shanghai.

Manila, Philippinen

Das Stadtviertel Binondo in Manila ist ein brodelndes Zentrum der Wirtschaft, Kultur und natürlich der Gastronomie. Es beherbergt eine der weltweit größten Chinatowns - und vor allem die älteste außerhalb Chinas. Ihre Entstehung wird in das Jahr 1594 zurückdatiert, in die Zeit der spanischen Kolonialisten. Die philippinisch-chinesischen Bewohner sind hauptsächlich Nachkommen von Chinesen aus Südostasien, die Hokkien sprechen.

Ihre Küche ist geprägt von einer Liebe zu Meeresfrüchten und Pilzen, deren frische Zutaten das Essen zum Geschmackserlebnis werden lassen. Das Quik Snack in der Carvajal Street blickt auf eine mehr als 50-jährige Tradition zurück. Es ist unter den Einheimischen auch bekannt unter dem Namen Amah Pilar's oder Grandma Pilar's und ein großartiger Ort, um zu erleben, wie die Hokkien-Küche philippinische und sogar spanische Akzente erhalten hat. Unbedingt probieren: Ku-tsai-ah (chinesische Empanadas) oder Misua Guisado (gebratene Fadennudeln mit Schweinefleisch, Gemüse oder Fisch).

Lima, Peru

Das historische Herz von Perus 1,5 Millionen starker ethnischer chinesischer Diaspora ist das Viertel Barrio Chino in Lima. Dort lebt die größte chinesische Gemeinschaft in ganz Lateinamerika. Zahlreiche Chifas (chinesische Restaurants) werden von den Nachkommen der rund 100.000 kantonesischen Einwanderer betrieben. Sie kamen ins Land, um Bergbau- und Zuckerplantagen zu übernehmen, die bei der Aufhebung der Sklaverei im Jahr 1854 leer standen.

Zu den Chifa-Klassikern gehören peruanisch-chinesische Gerichte wie Lomo Saltado (Rinderbraten) und Pollo Tipakay (süß-saures Huhn). Wa Lok ist eine der besten Chifas von Barrio Chino und bietet eine 16-seitige Speisekarte, da wird die Wahl schnell zur Qual. Unser Tipp: Pa-Kap-Sonne, Taubenragout im Taco-Stil, das mit Inka-Cola samt Zitronenverbene verfeinert wird.

Paris, Frankreich

Frankreichs komplexe Kolonialverbindungen nach Indochina reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Das älteste und größte Quartier Chinois von Paris im südöstlichen 13. Arrondissement entstand in den 1920er Jahren. Zahlenmäßig haben die vietnamesischen, kambodschanischen und laotischen Nachkommen die chinesische Minderheit bereits abgehängt. Dementsprechend vermischen sich auch die kulinarischen Angebote auf interessante Weise.

Das La Chine Masséna bietet eine ausgezeichnete Küche aus Chiuchow, dem östlichen Teil von Guangdong. Die dortige Küche ist mild gewürzt und zeichnet sich durch die Frische und den feinen Geschmack ihrer Zutaten aus. Dadurch passt sie sich dem französischen Gaumen auf natürliche Weise an,  was die Beliebtheit des Restaurants erklärt. Empfehlenswert: der sagenhafte Steinbutt, gedämpft à la minute mit Ingwer und Frühlingszwiebeln.

Toronto, Kanada

Die kanadische Stadt hat eine Reihe chinesischer Viertel, jedoch an der Kreuzung der Spadina Ave und der Dundas Street befindet sich das größte, älteste und lebendigste unter ihnen. Wer dort hingeht, sollte unbedingt das Mothers’s Dumplings mit seinen zahlreichen leckeren Dumpling-Variationen ausprobieren. Die Inhaber stammen aus Shenyang im Nordosten Chinas, dem erklärten Ursprungsland der beliebten gefüllten chinesischen Teigtaschen.

Unser kulinarischer Tipp: Shui-mai. Die gekräuselten Dumplings, deren Lammfleischfüllung ihren mongolischen Ursprung ebenso widerspiegelt wie die Vorliebe von Kanadas zahlreichen Fleischessern, schmecken fantastisch.

Yokohama, Japan

In Yokohama's Chinatown sind über 600 chinesische Geschäfte und Restaurants angesiedelt. Das quirlige Viertel ist durch zehn bunt verzierte Tore zu erreichen, die sich um den markanten Tempel Kantei-byō scharen. Die tiefen Wurzeln der Gemeinschaft zeigen sich auch im palastartigen Manchinrō Honten, einem Restaurant im kantonesischen Stil, das seit 1892 die Küche Südchinas serviert. Heute ist die Karte fachkundig an die lokalen Gegebenheiten angepasst und bieten genau jene Frische, die japanische Feinschmecker so schätzen.

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Text: Ines Wagner
Original-Artikel: Hugh McNaughtan/Lonely Planet international

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